Rheinzabern. Bis auf den letzten Platz besetzt war das Kleine Kulturzentrum anlässlich des jüngsten vhs-Vortrags über den Tabakanbau in der Pfalz.
Kulturwissenschaftler Helmut Seebach beschäftigt sich mit dem Thema seit mehr als 35 Jahren und hat auch Basisarbeit in Hatzenbühl betrieben, weswegen aus dem einst bedeutendsten deutschen Tabakanbaudorf eine stolze Besucherschar gekommen war.
Jahrzehnte lang prägte der Tabakanbau die Südpfälzer Landwirtschaft, hat aber mittlerweile erheblich an Bedeutung verloren. Aus dem Erfahrungsbereich weiter Bevölkerungskreise ist er seit etwa 20 Jahren fast verschwunden, weil zuletzt Arbeitskräfte aus Polen die schwierige Arbeit übernommen hatten.
Helmut Seebach verfolgte die Spuren des Tabaks, der – einst von Kolumbus aus Amerika mitgebracht – zunächst als Zierpflanze an Adelshöfen Verwendung fand, wie übrigens auch die Kartoffel.
Die Einführung des Tabakanbaus bei uns geht wohl auf Franzosen und Holländer zurück, worauf einige Begriffe hinweisen. Mit dem französischen Wort Plantage bezeichnete man früher ein Tabakfeld (Plantage ist übrigens in Rheinzabern als Gewanne- und Straßenname erhalten).
Zum Schnupfen nahm man eine Prise (sprich Priz – eine kleine Menge Tabaks). Um den Tabak zum Trocknen aufhängen zu können, fädelte man ihn in Bandouliers ein. Aus dem Holländischen stammt der Begriff Knaster, womit schlechter und somit billiger Tabak gemeint ist.
Tabak wurde nicht nur geraucht, sondern zuerst geschnupft, gekaut, auch geschlürft und getrunken. Das sogenannte „Königinnenpulver“ galt als Wunderheilmittel gegen Zahnweh, Geschwüre und Pest.
Im 30-jährigen Krieg brachten englische Soldaten das Tabakrauchen mit. Ähnlich wie heutige Promis für bestimmte Produkte werben, mag es auch beim Tabak gewesen sein. Als „early adapters“ und Nachahmer (Seebach) gelten neugierige Schulmeister und Pfarrer.
Aus dem anfänglichen Zubrot zum Ackerbau und Viehzucht, das den Flachsanbau verdrängte, entwickelte sich vielfach ein Haupterwerbszweig, wobei Ackerbau stets zum Fruchtwechsel und zur Anreicherung der Bodenfruchtbarkeit benötigt wurde. Tabakanbau prägte den Dörfern einen besonderen Lebens- und Arbeitsrhythmus auf.
Im Laufe der Zeit entstanden für Tabak etliche Ersatzbegriffe, die auf die Mühen und Plagen des Anbaus, aber auch auf die Wertschöpfung hindeuteten: Kraut, 9-Wochen-Kraut, Deiwelskraut, Schikanenkraut erinnern mehr an den immensen Arbeitsaufwand.
Man denke bei dieser Intensivkultur etwa an die von Teer klebrigen Hände, die Nässe, die Hitze und die unzähligen Schnaken und Bremsen, das Aufhängen und viele Arbeiten mehr. Schieberkraut ist ein Hinweis auf den Wert des Tabaks in schlechten Zeiten, als mit der Ersatzwährung Tabak „gefuggert“ wurde.
Der Name Eigenheimer drückt aus, womit für so manchen Zeitgenossen der Hausbau verbunden war.
In der mit vielen Bildern unterlegten breiten Gesprächsrunde wurde auf viele Lokaldetails Bezug genommen, natürlich auch auf die Folgenutzung der einst mächtigen Tabakschuppen eingegangen, die eine städtebauliche Herausforderung bedeuten.
Sei anzumerken, dass heute in der Südpfalz angebauter Tabak quasi in die alte Heimat zurück exportiert wird, weil der typische Geschmack des Pfälzer Tabaks gefragt ist. Allerdings funktioniert der Weltmarkt nach eigener Gesetzlichkeit.

Diesen Artikel drucken



Rheinzabern – Auf über 400 Jahre kann der Tabakanbau in Deutschland zurückblicken. Französische Einwanderer sollen die Tabakpflanze in der Kurpfalz, in Brandenburg ...
Gemersheim – „1980 sind wir in die Pfalz gezogen. Obwohl wir mit der Landwirtschaft allgemein und mit dem Tabakanbau im Speziellen nichts ...
Rheinzabern – Er hat weit über ein Jahrhundert lang das Gesicht und die Landwirtschaft vieler südpfälzischer Dörfer geprägt. Und Zehntausende von Menschen ...
Germersheim – Der vierte Band der „Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim“ ist erschienen. Gestern wurde er in der Kreisverwaltung von den ...
Rheinzabern – Erstmals nahm die vhs-Rheinzabern am Kultursommer Rheinland-Pfalz teil. „Mit allen Sinnen lautete“ das vorgegebene Rahmenthema. Angesichts eines besonderen Jahres standen ...
Rheinzabern – Der Weser-Radweg von den Quellen der Werra und Fulda bis Bremerhaven wird bei einem Dia-Vortrag beschrieben, zu dem die vhs ...
Rheinzabern – Vor vollem Hause bei der vhs-Rheinzabern berichtete Archäologe Dr. Fridolin Reutti über die Grabungsarbeiten auf der Burgruine Lemberg bei Pirmasens. ...
Südpfalz/Karlsruhe – Am gemeinsamen Stand des Südpfalz Tourismus Landkreis Germersheim und der Südlichen Weinstraße auf der Offerta präsentierten sich zum 3. Mal ...
„Das Rad dreht sich nur vorwärts, nie rückwärts…So gehen uns…“Dinge verloren“, weilsie altmodisch werden und wir sie nicht mehr brauchen und sie ...
Witterungsbedingt beginnt momentan die Auspflanzung des Pfälzer Tabaks – rund zwei bis drei Wochen später als üblich. Das über mehrere Wochen trübe ...
Landau. Unter dem Motto „Geschichte begreifen, Geschichte erleben“ findet am Sonntag 10. März eine Führung durch das Landauer Fort und die ...
Queichhambach. Im 30. Jahr seines Bestehens legt der in Annweiler-Queichhambach ansässige Bachstelz-Verlag eine ganz besondere Publikation als Jubiläumsband auf den Pfälzer ...











