Sonntag, 27. September 2020

Vom Kampf gegen das Vergessen

16. November 2012 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim

Fragen rund um die Betreuung von Demenzkranken in der Tagesstätte Bad Bergzabern beantwortete die Leiterin Rita Becker-Scharwatz (links).(Fotos:Pfalzklinikum)

Klingenmünster. Der verstorbene ehemalige US-Präsident Ronald Reagan litt daran, ebenso wie die Schauspielerin Rita Hayworth, auch der ehemalige Fußballmanager Rudi Assauer hat Alzheimer. Um das „Leben mit Demenz“ ging es beim zweiten Nachbarschaftscafé des Pfalzklinikums in der Klingenmünsterer Klingbachhalle, zu dem viele interessierte Zuhörer gekommen waren.

Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke stellte zu Beginn wichtige Zahlen und Fakten rund um das Thema vor: „In der alternden Bevölkerung ist Demenz ein wichtiges Thema. Wir haben in Deutschland wenigstens eine Million Alzheimer-Patienten und 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Hierauf müssen wir auch in den pfälzischen Gemeinden reagieren. Spezielle und vielfältige Angebote bietet das Pfalzklinikum für Demenzkranke und ihre Angehörigen.“

Verworrene Welt

Anhand eines prominenten Beispiels erklärte der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Klinik für Neurologie, Uwe Pfeiffer, was eine Demenz ist und zu welchen Einschränkungen die Krankheit führt. Er zeigte Bilder des bekannten Zeichners Carolus Horn, der unter anderem Werbeslogans illustrierte und ebenfalls an Demenz litt. „Carolus Horn war bereits in jungen Jahren ein ganz begnadeter Zeichner, er konnte fotorealistisch malen. Mit fortschreitender Demenz verloren seine Bilder zunehmend realistische Perspektiven, Menschen wurden immer vergröberter dargestellt und Wolken sahen aus wie Spiegeleier“, erläuterte Uwe Pfeiffer in seinem Vortrag. „Eine Demenz ist eine erworbene Störung, die geistige, emotionale und soziale Fähigkeiten betrifft und über die Altersnorm hinausgeht. Die Krankheit geht einher mit Gedächtnis-, Orientierungs- und Sprachstörungen, sowie einem veränderten Gefühlsleben, selten auch Störungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens“, so der Ärztliche Direktor.

Häufigste Demenz-Form ist Alzheimer

Die am häufigsten vorkommende Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Sie ist benannt nach dem Mediziner Alois Alzheimer. Er war der erste Arzt, der die Krankheit im Jahr 1906 auf einem Ärztekongress vorstellte. Auf weitere Demenzformen und die Diagnostik ging der Leitende Oberarzt der Neurologie, Dr. Tobias Fritz, ein. Er erklärte, dass die Störungen durch Eiweiß verursacht werden, das sich in den Nervenzellen des Gehirns ablagert. Zudem zeigte er Aufnahmen von gesunden Gehirnen und solchen, bei denen die Krankheit durch Vergröberungen der Gehirnfurchen ganz klar erkennbar ist. „Wichtig ist eine möglichst frühe Diagnose der Krankheit. Dann kann man mithilfe von Medikamenten die geistigen Fähigkeiten, die zu dem Zeitpunkt noch vorhanden sind, über Jahre erhalten“, so Dr. Fritz.

Kleine Erfogserlebnisse bescheren

Nicht medikamentöse Angebote zur Förderung und Aktivierung von Demenzkranken gibt es in der Tagesstätte für Menschen mit Demenz in Bad Bergzabern. In der Einrichtung des Pfalzklinikums werden pro Tag 20 Gäste zwischen 52 und 94 Jahren betreut. „Mit unserem Angebot wollen wir die pflegenden Angehörigen entlasten, denn sie sollen neben der anstrengenden Pflegetätigkeit auch einmal etwas für sich und ihre eigene Gesundheit tun“, sagte die Leiterin der Einrichtung, Rita Becker-Scharwatz. Zum Programm in der Tagesstätte gehören beispielsweise Biographie-Arbeit, Spaziergänge und das Einüben von kleinen Tätigkeiten wie etwa Arbeiten mit Holz oder Kochen. „Unser Ziel ist es, dass jeder Tagesgast die Tagesstätte am Nachmittag mit einem Erfolgserlebnis verlässt. Denn gerade das Selbstwertgefühl der Menschen mit Demenz leidet sehr, um so wichtiger ist es, auch mal das Gefühl zu haben: Das habe ich gut gemacht“, so Rita Becker-Scharwatz.

Das Hier und Jetzt genießen trotz Krankheit

Über die Themen Behandlung und Krisenintervention sprach der Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Dr. Markus Fani. Er wies unter anderem darauf hin, dass die Patienten neben der Demenz oft auch an Depressionen leiden.  Mit einem Urlaubsfoto vom Mittelmeerstrand, auf dem zwei betagte Damen mit Rollator und eine Familie mit Kinderwägen zu sehen waren, machte er aber auch Mut zum Erleben und Genießen im Hier und Jetzt trotz bestehender Krankheit. Nach den Vorträgen hatten die Besucher noch die Gelegenheit, mit den Experten zu sprechen und individuelle Fragen zu stellen. (red)

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