
Naturbelassener Bach.
Symbolfoto: Pfalz-Express
VG Edenkoben. Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Wasser ist unser aller Lebenselixier und die Gewässer die Lebensadern unserer Landschaft. Und weil wir alle auf das Wasser und das Gewässer angewiesen sind, muss der Umgang damit achtsam sein.
Doch das ist leider nicht immer der Fall. Gerade kürzlich wurde der Modenbach in Edesheim vermutlich mit Spritzmittel und Altfarben verunreinigt. Von dem Verursacher fehlt bislang jede Spur. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Hinweise werden unter der Telefonnummer 06323-9550 entgegengenommen. Auch am Bachbett des Leiselbach in Rhodt wurde Kompost abgeladen.
Interview mit VG-Bürgermeister Olaf Gouasé und Bernhard Bäcker (FB Bauen und Umwelt)
Wie wichtig es ist, unsere Gewässer zu schützen und sie sauber zu halten – auf diese Frage haben Bürgermeister Olaf Gouasé und Bernhard Bäcker, im Fachbereich Bauen und Umwelt zuständig für Natur, Umwelt und Gewässer Antworten.
Ein bisschen Spritzmittel und ein wenig Kompost, für Modenbach und Leiselbach kein Problem – oder doch?
Doch das stellt durchaus ein sehr großes Problem dar. Der Schutz unserer Gewässer – vor allen Eintragungen, die dort nicht hinein gehören – geht uns alle an. Das sind auch harmlos erscheinende Eintragungen wie Kompost, der unachtsam in Gewässernähe abgelagert wird und dann durch Regen abgespült wird und schlussendlich im Gewässer landet.
Wenn ein Fahrzeug auf dem Bürgersteig gewaschen, wenn Waschwasser achtlos in den nächsten Straßeneinlauf geschüttet wird oder sogar Farbreste in den Gully gekippt werden, kann das gravierende Folgen für die Umwelt haben.
Das durch Reinigungsmittel, Farbe, Öl oder andere Fremdstoffe verschmutzte Wasser gelangt dort nämlich nicht über die Kanalisation zur nächsten Kläranlage, sondern fließt direkt in den jeweiligen Bach. Dabei werden in den Bächen Kleinstlebewesen getötet und das ökologische Gleichgewicht von Flora und Fauna nachhaltig gestört. Bei Gewässern im Bereich der Wohnbebauung sind Verschmutzungen zudem ästhetisch unschön und hygienisch bedenklich.
Die letzte Verschmutzung die am 5. Mai gemeldet wurde, war oberhalb des Wasserspielplatzes der Gemeinde Edesheim, in dem Kinder unbesorgt der Spieltätigkeit im Wasser nachgehen und dort einen spielerischen Umgang mit dem Quell des Lebens erlernen. Die Kinder sollen sich im Wasser erholen und keine Scheu entwickeln, da plötzlich ein „weißer Schleier“, so wie von Augenzeugen berichteten, im Wasser erscheint. Bei den Eintragungen handelte es sich um keine gesundheitsgefährdenden Stoffe.
Die meisten Gewässerverschmutzungen lassen sich vermeiden, denn meistens geschehen sie nicht aus Absicht, sondern durch Nachlässigkeit oder Unwissenheit. Durch die fachgerechte Lagerung von flüssigen Gefahrstoffen und durch Reinigungsarbeiten auf den dafür vorgesehenen Plätzen (z. B. der Autoreinigung in einer Waschanlage), können Umwelt und Grundwasser geschont und entlastet werden. Flüssige und feste Abfälle (z. B. Farbreste, Chemikalien, Medikamente etc.) dürfen nicht über die Straßenkanäle entsorgt werden.
Wann spricht man überhaupt von „sauberem Gewässer“ und einem Gewässer in „gutem Zustand“?
Die Wasserqualität – oder Gewässergüte – hängt von mehreren Faktoren ab: Die Güte des Wassers wird hauptsächlich durch Nährstoff- und Sauerstoffgehalt bestimmt und der Tatsache, dass bestimmte Tiere das Gewässer besiedeln.
Hier spricht der Fachmann vor allem das Makrozobentos an, darunter versteht man, die mit bloßem Auge erkennbaren wirbellosen Tiere, die die Gewässersohle besiedeln. Etwa Bachflohkrebse, Eintags-, Stein- und Köcherfliegen, die nur unter bestimmten Bedingungen vorkommen. Dies macht man sich bei der Bestimmung der Wasserqualität zunutze. Sie dienen als Bioindikatoren bei der Gewässergütebestimmung.
In welchem Zustand sind die Gewässer in der Verbandsgemeinde Edenkoben?
Die Gewässer der befinden sich in den Bereichen von sehr gut in den Quellbereichen über gut in den Verläufen „Oberer Speyerbach“ bis zu mäßig im Bereich „oberer Modenbach und leider über den Bereich des „mittleren Modenbaches“ bis zum „unteren Modenbach“ in einem schlechten Zustand.
Seit 1995 nimmt die Verbandsgemeinde Edenkoben an der Aktion Blau Plus des Landes Rheinland-Pfalz teil. Wirken sich derartige Verschmutzungen auf das Gewässerschutzprojekt aus?
Durch solche eine Unachtsamkeit werden Projekte die über Jahrzehnte in der Verbandsgemeinde erfolgreich betrieben werden torpediert und die Ziele alle Gewässer der Verbandsgemeinde bis 2027 weiter zu entwickeln gefährdet.
Viele Projekte wurden in den vergangenen Jahren umgesetzt. Mit welchen weiteren Aktion Blau Plus Maßnahmen ist in absehbarer Zeit zu rechnen?
Das sind Maßnahmen zur Beseitigung von Wanderungshindernissen für Bachlebewesen in verschiedenen Bächen der Verbandsgemeinde Edenkoben, sowie die Verbesserung von hydromorphologischen Bedingungen (Bedingungen in denen die Lebewesen im Bach leben).
Hierzu sind elf Maßnahmen zur Verbesserung der Hydromorphologie und sechs Maßnahmen im Bereich der Verbesserung bzw. Wiederherstellung der biologischen Durchgängigkeit in Bearbeitung bzw. geplant.
Was können die Bürger für saubere Bäche tun?
Alle Bürger müssen daran denken, dass das Wasser unserer Bäche unsere Trinkwasserreservoire speist und wir somit wieder den Boomerang zurückbekommen. Wir wünschen uns, dass alle Wasser so behandeln, als wollten sie dieses trinken. Jeder „Bachanreiner“ kann überprüfen, ob sein Hofablauf in die Kanalisation oder in den angrenzenden Bach abfließt. Jeder kann Verschmutzungen direkt melden und somit ein offenes Auge auf unsere Wasserflächen haben.
Die Vorkommnisse der vergangenen Woche hat die Verbandsgemeindeverwaltung Edenkoben zum Anlass genommen, über den Gewässerschutz zu informieren. Sollten gesundheitsgefährdende Stoffe beispielsweise in den Erlebnisraum am Edesheimer Modenbach gelangen, muss der Bereich gesperrt werden.
Oberflächengewässer natürlichen Ursprungs zu unterhalten – das ist eine Pflichtaufgabe der Verbandsgemeinde Edenkoben. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind das die „Gewässer III. Ordnung“. Insgesamt 148 Kilometer Gewässer III. Ordnung verlaufen mit ihren Gräben – Leiselgraben, Lachgraben und Waldgraben – durch die Verbandsgemeinde Edenkoben.
Die Entwicklung der Gewässer III. Ordnung unterliegt auch in der Verbandsgemeinde Edenkoben nicht nur zahlreichen gesetzlichen Regelungen, sondern steht zudem im Abstimmungsverhältnis zwischen dem Schutz vor Starkregenereignisse und dem Gewässerschutz. Beide Ziele realisiert die Verbandsgemeinde mit ihrem Programm zur Gewässerentwicklung, hierzu gehört auch die Gewässerrenaturierung im Rahmen der Aktion Blau Plus des Landes Rheinland-Pfalz. (VG Edenkoben)
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