
Eine Leichtsinnigkeit und Jakobs (Moritz Hahn) Leben ist ein Albtaum. Seine Mitschüler verspotten und mobben ihn.
Fotos: Chawwerusch
Herxheim – Die Theater–AG des Pamina Schulzentrums Herxheim hatte am Samstag eine Premiere zu feiern.
Mit dem Theaterstück „Homevideo“ gelang es den Schülern unter der Regie von Ben Hergl ein schwieriges und brisantes Thema auf die Bühne zu bringen.
Im Zentrum der Geschichte steht Jakob, der sehr authentisch und berührend von Moritz Hahn dargestellt wird. In ihm ist der typische Teenager wiederzuerkennen, der verspielt seinen Interessen nachgeht, seine schulischen Pflichten vernachlässigt und sich zum ersten Mal verliebt. Schüchtern nähert er sich seiner Mitschülerin Hannah (Alina Oborocea) an.
Seine Eltern kommen nicht mehr miteinander klar, die Mutter möchte sich von dem Vater trennen. Die Streitigkeiten zu Hause lassen den Problemen eines Teenagers keinen Raum. Sehr glaubhaft wird der Vater von Schüler Lukas Walz verkörpert. Ein Polizist, der mit Strenge seine Hilflosigkeit überspielt und nicht unbedingt immer die richtigen Worte für den Jungen findet.
Das Drama nimmt seinen Lauf, als Jakob sich selbst beim Onanieren filmt.
Seine Mutter Irina (Nina Ziller) leiht ahnungslos den Mitschülern Erik (Annika Marz) und Henry (Raffael Bittig) die Kamera aus. Am Ende landet das Video im Netz und wird für Jakob sprichwörtlich zum Albtraum.
Peinlich berührt könnte der Zuschauer sein, angesichts der realistischen Darstellungsweise bestimmter Posen. Doch mit der unbedarften Natürlichkeit, mit der Moritz Hahn die Figur Jakob darstellt, vermag er es, ein verständnisvolles Gefühl für sich entstehen zu lassen.
Die Folgen dieses Cyber-Mobbings führen zu einer Suspendierung von der Schule und einer totalen Ausgrenzung durch Schüler wie Eltern. Seine eigenen Eltern sind hilflos und erreichen Jakob in seinen Qualen nicht mehr. Die Schüler, denen die Tragweite ihres Handelns gar nicht klar ist, könnte man als Opfer ihrer eigenen Tat ansehen.
Regisseur Ben Hergl und sein Regieassistent Sebastian Jüllig konnten durch die ausgezeichnete Besetzung der Rollen und den ausgefeilten, dramaturgischen Aufbau ein fesselndes, wenn auch bedrückendes Thema sensibel und anschaulich umsetzten.
Die jugendlichen Darsteller lieferten eine beeindruckende und ergreifende Vorstellung ab. „Homevideo“ verdeutlicht, welche Gefahren das Internet in sich birgt. Ein weitgehend rechtsfreier Raum, in dem nichts vergessen wird und in dem Mobbing eine ganz andere Dimension annehmen kann.
Durch die eingespielten Videosequenzen (Videoaufnahmen: Patrick Borchardt) wurde Jakobs Innenleben und seine Welt bildhaft. Jakobs Träume und Vorstellungen werden so greifbarer.
Technik und Licht wurden auf die Ereignisse passend von Patrick Massler abgestimmt, ebenso die entsprechenden Kostüme von Sabine Bellair und die Frisuren von Ursula Katenhusen.
Die musikalische Begleitung, die schon bei Beginn des Stücks ein unheilvolles Geschehnis erahnen lässt, hat die Inszenierung in sich abgerundet. (Gabi Kunze)

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