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„Palz goes Paradise“: Chawwerusch Premiere herzerfrischend wie ein Riesling-Schorle

6. März 2016 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Kultur
Adam und Eva landen in der Pfalz... Fotos: pfalz-express.de/Kunze

Adam und Eva landen in der Pfalz…
Fotos: pfalz-express.de/Kunze

Herxheim – Das Chawwerusch Theater zeigte ein äußerst vergnügliches Bühnenstück, das von dem Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus am Ende dafür belohnt wurde.

Der Saal war am Freitagabend bis auf den letzten Platz ausverkauft. Es waren aber nicht nur Pfälzer, die sich für eine heimatliche Spurensuche interessierten, auch „auswärtiges Publikum“ war gekommen und machte fleißig mit.

Die Heimat-Revue lud von Anfang an die Zuschauer zum Mitmachen ein. So begaben sich die beiden Darsteller und das Publikum gemeinsame auf den Weg einer Zeitreise durch die Pfalz.

„Ein Sehnen nach und Leiden an der Pfalz“. Das klingt nach einem dramatischen Stück – ist es aber nicht. Wenn Ben Hergl im Gewand Gottes in der Ur-Suppe rührt, bleibt kein Auge trocken.

Und wenn daraus ein mit Reben und Sandstein gewürztes Paradies wird, um das ihn der Teufel – dargestellt von Christine Rothacker – quengelnd beneidet, landet der Zuschauer recht schnell in der Geschichte.

„Palz goes Paradise“- ist die Pfalz nun Teufelsland oder das Paradies?

Ein nervender Teufel ist anstrengend und irgendwann gibt der Klügere – Gott – nach.  Mit den Worten „B´halts“, übersetzt „behalte es“, kommt der Teufel zur Pfalz und das Land zu seinem Namen.

Mit jener eingebauten Legende haben das Autorenduo Ro Tritschler und Ben Hergl schon den eigentümlichen Charme unserer Region bezeichnet: kurz, bündig, kernig, etwas derb, aber unverfälscht.

Die beiden Darsteller sind aber nicht nur Gott und Teufel, sondern auch Adam und Eva. Und Sie schlüpfen in die Haut berühmter pfälzer Persönlichkeiten.

Dies alles stellt eine Herausforderung an die Wandlungsfähigkeit der Schauspieler dar, die sie spielerisch meisterten. Auch der Zuschauer konnte sich schnell und leicht in den Szenen und Rollenwechsel zurechtfinden.

Palz goes Paradise Chawwerusch

Mit einer Einleitung über Sing und Tanzeinlagen, die ein wenig an „Melodien für Millionen“ erinnert, beginnt das Stück. Es ist voll einzelner Geschichten, die am Ende wieder zusammenführen:

Adam und Eva, die aus dem Paradies kommend in der Pfalz landen, mitten auf dem Spargelfeldacker. Halbnackt entdecken die einfältig wirkende Eva und der stinkesaure Adam ihre Umwelt und – die „pälzer Sprooch“.

Doch gibt es da diese zwei Namensvettern. Adam und Eva, die sich vor 25 Jahren in einem Tanzschuppen kennengelernt haben. Damals noch voller Träume, wollten sie der Enge ihrer Heimat entfliehen.

Sie treffen sich wieder und schauen zurück. Es ist eine melancholisch-witzige Reise, unterlegt mit Musik und Tanz altbekannter Melodien und den Kompositionen von Ben Hergl und Karl Atteln.

Zwischen Adam und Eva und Gott und Teufel tummeln sich auch noch die Berühmtheiten. Da jammert die heimwehgeplagte Liselotte von der Pfalz, die so gar nicht in das affektierte, französische Königshaus Ludwig des XIV passt:„Lass die Finger von de Palz“!
Von der von Visionen geplagten Hildegard von Bingen über den Vater der pfälzischen Volkskunde, August Becker, von Action-Legende Bruce Willis bis zur Bluesröhre Joy Fleming, es werden keine Lücken offengelassen.

Die Darstellungsweise von Ben Hergl und Christine Rothacker, die diese charakteristische „Essenz“ jener Persönlichkeiten gekonnt in Mimik und Gestik widerspiegeln, hat eine wunderbare Komik.

Aber was wäre eine Spurensuche in der Pfalz ohne den pfälzer Wein. Hier, wo der Riesling gegen den Müller-Thurgau antritt im Spiel der gegorenen Säfte.

So wird auf der Bühne mit Bildern gearbeitet, mit Ideen und abwechslungsreichen Einfällen. Es sollte nicht zu viel verraten werden von „Palz goes Paradise“.

Dem Zuschauer präsentiert sich nicht nur eine vergnügliche Kulturgeschichte durch die Pfalz, sondern gibt diesem auch die Gelegenheit, die Seele baumeln zu lassen – zwischen Schorle und Saumagen, vor einer mit Prielblumen bestickten Bühne.

Gott und Teufel scheinen zu guter Letzt sich zumindest darin einig zu sein, dass das hier das Paradies ist, auch wenn es beim Teufel ist. Selbst Adam und Eva mögen am Ende doch ihr Glück gefunden haben.

Am Schluss der Vorstellung angekommen, wurden zwei Texte vom Mundart-Gedichtwettbewerb gezogen und vorgetragen. Damit wurde das Programm abgerundet.
Nach jeder Vorstellung soll eine solche Ziehung erfolgen.

Der Regisseurin Éva Adorján ist es gelungen, diese Heimat-Revue einfallsreich mit dem Ensemble des Theaters umzusetzen.

Palz goes Paradise Chawwerusch 3

Palz goes Paradise Chawwerusch 4

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