Dienstag 12.Mai 2026

Telefonbetrug auf Russisch: Senioren im Visier, Schaden von fast 100.000 Euro

10. April 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional

Germersheim / Speyer/ Neustadt an der Weinstraße – Eine perfide Betrugsserie sorgt derzeit in der Vorderpfalz für Verunsicherung. In mehreren Fällen haben Täter gezielt russisch sprechende  Senioren angerufen und sie mit erfundenen Notlagen unter Druck gesetzt. Mit Erfolg: Der entstandene Schaden liegt bei fast 100.000 Euro.

Bereits am 1. April wurde eine russischsprachige Seniorin aus Germersheim Opfer eines sogenannten Schockanrufs. Gegen 20 Uhr meldete sich eine unbekannte Frau am Telefon und behauptete, in einen Verkehrsunfall mit dem Ehemann der Seniorin verwickelt gewesen zu sein. Bei dem angeblichen Unfall sei zudem eine schwangere Frau schwer verletzt worden und liege im Sterben. Unter dem Eindruck dieser dramatischen Schilderung wurde die Seniorin massiv unter Druck gesetzt und zur Zahlung einer hohen Geldsumme gedrängt. Im Verlauf übergab sie bei zwei Abholungen an ihrer Haustür Bargeld im fünfstelligen Bereich an einen unbekannten Mann.

Ebenfalls am 1. April wurde eine Seniorin aus Speyer kontaktiert, die ausschließlich Russisch spricht. Gegen 13.30 Uhr rief eine Unbekannte an, stellte sich als „Viktoria“ vor und gab an, auf einer Intensivstation zu arbeiten. Sie erklärte, der Sohn der Seniorin habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und eine Frau angefahren, die sich in kritischem Zustand befinde. Kurz darauf übernahm ein angeblicher Kriminalbeamter das Gespräch. Er forderte 50.000 Euro für angeblich notwendige Reha-Maßnahmen und setzte die Frau massiv unter Druck.

Gegen 16 Uhr übergab die Seniorin schließlich einen Umschlag mit 5.000 Euro an einen unbekannten Mann, der zuvor telefonisch angekündigt worden war. Der Abholer wurde als schlank, etwa 32 bis 38 Jahre alt, 1,70 bis 1,80 Meter groß, mit schwarzen Haaren und einer weißen Jacke beschrieben.

Am 7. April wurde ein Senior aus Germersheim gegen 11 Uhr von einem angeblichen Polizeibeamten angerufen. Ihm wurde erzählt, seine Tochter habe einen schweren Unfall verursacht und müsse nun Geld bezahlen, um eine Strafanzeige zu verhindern. Kurz darauf standen gleich zweimal vermeintliche Beamte vor seiner Haustür in der Hans-Graf-Sponeck-Straße und nahmen Bargeld entgegen. Der Abholer war etwa 50 Jahre alt, zwischen 1,75 und 1,80 Meter groß, kräftig und hatte braune Haare.

Nur einen Tag später, am 8. April, erhielt eine Seniorin aus Neustadt an der Weinstraße einen ähnlichen Anruf. Diesmal meldete sich angeblich ihre Tochter selbst und berichtete von einem Unfall. Ein schwer verletztes Mädchen müsse operiert werden, dafür werde dringend Geld benötigt. Anschließend übernahm ein angeblicher Staatsanwalt das Gespräch und erhöhte den Druck. Ohne Zahlung drohten drei Jahre Gefängnis. Kurz darauf erschien ein Mann in der Stettiner Straße und holte das Geld ab. Er war etwa 50 bis 60 Jahre alt, rund 1,70 Meter groß, hatte kurze schwarze Haare und war unrasiert.

Am 9. April folgte der nächste Fall, wieder in Neustadt, diesmal in der Branchweilerhofstraße. Eine Seniorin erhielt am frühen Abend einen Anruf eines vermeintlichen Polizisten. Die Geschichte drehte sich um ihre Schwiegertochter, die einen schweren Unfall verursacht habe. Auch hier endete das Gespräch mit einer Geldübergabe. Das Bargeld wurde in einer grünen Stofftasche überreicht. Der Abholer wurde als 40 bis 50 Jahre alt und etwa 1,60 bis 1,70 Meter groß beschrieben. Er trug vermutlich eine Kappe und ein langärmliges Oberteil.

Auffällig ist, dass die Täter in allen Fällen Russisch sprachen und sich offenbar gezielt an russischsprachige Senioren richteten. Aufgrund der ähnlichen Vorgehensweise geht die Polizei davon aus, dass die Taten zusammenhängen.

Die Kriminalpolizei Ludwigshafen hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet um Hinweise. Gesucht werden Zeugen, die am 1. April im Bereich der Freiherr-vom-Stein-Straße in Germersheim oder in der Danziger Straße in Speyer verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Ebenso werden Hinweise zu auffälligen Personen oder Fahrzeugen am 7. April in der Hans-Graf-Sponeck-Straße in Germersheim, am 8. April zwischen 11 und 12 Uhr in der Stettiner Straße in Neustadt sowie am 9. April zwischen 17 und 18.30 Uhr rund um die Branchweilerhofstraße erbeten. Telefonnummer 0621 963- 23312 oder E-Mail an KDLudwigshafen.KI3.K31@polizei.rlp.de.

Um weitere Taten zu verhindern, hat das Polizeipräsidium Rheinpfalz auf seiner Homepage einen Warnhinweis in russischer Sprache veröffentlicht. Die Polizei appelliert vor allem an Angehörige. Wer russischsprachige Senioren im Umfeld hat, sollte sie über diese Betrugsmasche informieren und sensibilisieren.

Denn die Täter setzen gezielt auf Angst, Zeitdruck und Vertrauen. Eine Kombination, die selbst erfahrene Menschen täuschen kann.

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