Sonntag 14.Juni 2026

Tadel aus den eigenen Reihen: Grüne fordern vom Landauer Oberbürgermeister eine professionellere Amtsführung

27. Mai 2026 | Kategorie: Landau, Politik regional

Udo Lichtenthäler, Bündnis 90/Die Grünen
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

Landau. Die Debatte um die Neuordnung der Landauer Stadtspitze hat eine unerwartet persönliche Wendung genommen. In einem bemerkenswerten und für kommunalpolitische Verhältnisse ungewöhnlich scharfen Exkurs hielt das Ratsmitglied der Grünen, Udo Lichtenthäler, Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler (CDU) den Spiegel vor.

Lichtenthäler, der auf eine jahrzehntelange Erfahrung im kommunalen Dienst zurückblickt, verknüpfte seine Zustimmung zur Dezernatsreform mit einer unmissverständlichen Ermahnung an den Stadtchef, seinen Führungsstil und seine Vorbereitung zu überdenken.

Vom Tiefpunkt im Dezember zur neuen Struktur

Lichtenthäler rekapitulierte unumwunden den psychologischen Tiefpunkt, den der Stadtrat im vergangenen Winter erreicht hatte. Nach einer als „übel“ beschriebenen Sitzung im Dezember habe er sich ernsthaft die Frage gestellt, ob er sich diese politische Arbeit weiter antun wolle. Erst der Neujahrsempfang und das dort demonstrierte geschlossene Auftreten des Stadtvorstands hätten wieder Hoffnung keimen lassen.

Die anschließende Vakanz auf dem Posten der Stadtholding-Geschäftsführung habe schließlich das strategische Fenster geöffnet, um die Verwaltung neu zu ordnen. Dass der darauffolgende Verhandlungsprozess dennoch derart schmerzvoll verlaufen sei, liege nach Lichtenthälers Analyse jedoch nicht nur am Oberbürgermeister: „Auch die Parteien und die Fraktionen haben zum Teil ein Problem, zu Lösungen zu kommen.“

Harte Lektionen in Sachen Sitzungsleitung

Im Zentrum von Lichtenthälers Ausführungen stand ein direkter, fast väterlicher Appell an den Oberbürgermeister, den er mit einer Anekdote aus seiner eigenen Biografie untermauerte:
„Ich habe 30 Jahre in Speyer Sitzungen geleitet und ich war einige Male richtig schlecht. Wann war ich schlecht? Ich war schlecht, wenn ich nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet war – und wenn dann noch dazu kam, dass ich den Ton zu den Parteien nicht gefunden habe.“

Genau diese zwei Defizite – mangelnde Vorbereitung und ein verfehlter Tonfall gegenüber den Fraktionen – habe er bei Geißler im vergangenen Jahr „so häufig erlebt“. Gleichwohl attestierte der Grünen-Politiker dem Oberbürgermeister das nötige Potenzial zur Besserung: „Sie können auch, wenn Sie wollen, anders.“

Das Pflichtenheft für den Oberbürgermeister

Für die Zukunft forderte Lichtenthäler den Stadtchef auf, die durch die Dezernatsabgabe gewonnenen Freiräume für eine Professionalisierung seiner Kernaufgaben zu nutzen. Trotz der Entlastung verbleibe im Dezernat 1 des OB ein immenses Arbeitspensum.

Geißler müsse sich künftig „ein paar Stunden vorher hinsetzen“ und die Sitzungsleitung präzise vorbereiten. Nur wenn der Oberbürgermeister im Umgang mit dem Rat einen neuen, moderierenden Ton finde, könne die beschworene Aufbruchstimmung tatsächlich Realität werden. Mit Blick auf das weitere Verfahren drängte Lichtenthäler auf eine zügige Umsetzung; eine langwierige Ausschreibung für die Neubesetzung sei nach den informellen Absprachen nicht mehr vonnöten.

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