
Der Stolperstein für Maximilian Samson und andere jüdische Mitbürger werden gereinigt.
Foto: Dr. Werner Esser
Kandel – Am 9. November die Reichskristallnacht jährt sich der Tag, an dem auch in Kandel Juden vertrieben wurden.
Zum Gedenken daran wurden die auf einstimmigen Beschluss des Stadtrats verlegten Stolpersteine in der Rheinstraße und Marktstraße gereinigt. Der Gedenkstein für Maximilian Samson erinnert, dass es mit Bürgermut gelingen kann, erfolgreich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung vorzugehen.
Der Stolperstein für Maximilian Samson liegt in der Marktstraße – früher Schlageterstraße, gegenüber der damaligen NSDAP-Zentrale. Samson war bis 1933 Bankvorstand der Volksbank Kandel. Nach der Machtergreifung der NSDAP durfte er als Jude seinen Beruf nicht mehr ausüben. Er wurde mehrfach verhaftet, konnte aber in Kandel überleben. Hier starb er am 19. Januar 1953.
Alte Kandeler erzählten: Die Kandeler Juden (auch die Familie Haas, für die Stolpersteine in der Rheinstraße liegen) wurden in Folge der Reichspogromnacht nach Karlsruhe vertrieben und die Familienväter von dort nach Dachau verschleppt. Dort ist Samson als jüdischer Schutzhäftling unter der Haftnummer 22978 aufgeführt. Als Datum seines Zugangs ist der 12. November 1938 genannt, nach Kandel entlassen wurde er am 28. November gleichen Jahres.
Als Samson, vermutlich im Oktober 1940, abermals verhaftet wurde, haben zwei couragierte Bürger der Stadt, Herr Stoll und Herr Nuß, ihn wieder aus dem bereitstehenden Zug herausgeholt. Er soll dann während des Krieges in Kandel versteckt worden sein. Die Tochter des damaligen Gemeindeeinnehmers Hanß erzählte, der Beigeordnete Rödel wäre eines Tages zu ihrem Vater gekommen und hätte ihn aufgefordert, Samson zu verstecken. Die Hausangestellte bei Fabrikant Just in der Schlageterstraße, Frau Krucker, berichtete, dass Samson im Haus ihres Arbeitgebers versteckt wurde. Vor einen Raum des großen Hauses wurde ein Schrank geschoben, welcher Abends zur Seite gerückt und der ‚Gast’ mit Essen versorgt wurde. (wes)
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