
Michael Landgraf als Stadtschreiber hat Vieles über Neustadts Geschichte zu erzählen.
Foto: red
Neustadt. Im Rahmen der Feierlichkeiten „750 Jahre Stadtrechte von Neustadt an der Weinstraße“ bietet der Stadtführer und Schriftsteller Michael Landgraf, gewandet als historischer Stadtschreiber, Führungen „Neustadter Demokratie-Geschichte(n)“ auf den Spuren der Demokratie durch Neustadt an.
Der Anspruch, „Demokratiestadt“ zu sein, bedeutet auch, aufzuzeigen, wie lange und beschwerlich der Weg zur Demokratie war.
Ein erster Schritt sind die Stadtrechte selbst, denn „Stadtluft macht frei“, hieß es im Mittelalter. Beleuchtet wird die Rolle Neustadts im Bauernkrieg 1525, als man den rebellierenden Bauern die Stadttore öffnete.
Ein weiterer Aspekt ist die Bedeutung der Hochschule Casimirianum ab 1578, wo der Jurist Franz Junius ein presbyterial-synodales System als frühe Form der Mitbestimmung lehrte. In dieser Zeit gab Druckermeister Matthäus Harnisch die Neustadter Bibel heraus, die durch die neue Verszählung die Mitsprache in Glaubensfragen revolutionierte. Die Sehnsucht nach religiöser Selbstbestimmung war groß, als im Zuge der Gegenreformation das Jesuitenkolleg im 18. Jahrhundert erbaut wurde, heute das Rathaus der Stadt.
Viele Protestanten der Region wanderten aus Glaubensgründen nach Pennsylvania, auf den Balkan und nach Russland aus, aufgegriffen in der Filmreihe „Hiwwe wie Driwwe“, in der Landgraf als Pfalzexperte mitspielt.
Eine wichtige Station ist das alte Rathaus der Stadt, das Ecke Kellerei- und Hauptstraße liegt, sowie der Marktplatz mit dem Wohnhaus von Dr. Philipp Hepp, denn dies waren Schauplätze im Vorfeld des Hambacher Festes von 1832.
Auf dem Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie ging es in den Reden um Deutschlands Einheit in europäischer Perspektive, um Freiheit sowie um Mitbestimmung. Hier in Neustadt wurde auch erstmals eine schwarz-rot-goldene Fahne als Symbol des demokratischen Deutschland hergestellt. 1848-1849 spielte Hepp wieder eine wichtige Rolle, doch wurde in Neustadt auch der erste politisch motivierte Arbeiterverein der Pfalz gegründet.
In den Folgejahrzehnten bis 1919 wurde um das Wahlrecht gerungen, das große Teile der Bevölkerung und besonders auch Frauen ausschloss. 1933 begann ein neues Kapitel, denn auch die dunklen Seite der Neustadter Demokratiegeschichte werden beleuchtet. Dazu gehörten die Inhaftierung von Bürgermeister und Stadträten, wie auch das Verbot von Parteien und Vereinen. Schließlich wird auf die Entwicklung der deutschen Demokratie von 1945 bis heute eingegangen.
Die Führungen „Neustadter Demokratie-Geschichte(n)“ auf den Spuren der Demokratie finden statt am Donnerstag 3. April, Samstag 5. April, Samstag 24. Mai und Freitag 3. Oktober 2025, jeweils 11:00-12:30 Uhr. Weitere Termine nach Vereinbarung.
Die Führungen beginnen am Alten Rathaus, Ecke Haupt- und Kellereistraße. Sie sind kostenfrei, Anmeldungen sind erwünscht: michael.landgraf@freenet.de.
Landgraf-Reiseführer
Basis der Führung ist u.a. Michael Landgrafs Reiseführer „Neustadt an der Weinstraße und seine Weindörfer, Edition Neapolis, Neustadt 2023, ISBN 978-3-9825306-0-4, mit dem Kapitel „Neustadt und die Demokratie“.

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