Mainz – „Speiseeis ist nur in vergleichsweise wenigen Fällen mit Bakterien belastet.“ Das hat das Landesuntersuchungsamt (LUA) bei der mikrobiologischen Untersuchung von 1.074 Proben Speiseeis festgestellt, die 2012 und 2013 landesweit aus Eisdielen entnommen worden waren.
Lediglich 47 Proben wurden beanstandet, weil darin Bakterien nachgewiesen wurden, die ein Hinweis auf mangelnde Hygiene sind. Das entspricht rund 4 Prozent“ erläuterte Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff in Mainz.
Die Beanstandungsquote wegen irreführender Kennzeichnung ist dagegen weiterhin vergleichsweise hoch. Das brachte die chemische Untersuchung von insgesamt 165 Speiseeisproben im Jahr 2012 ans Licht. Ein Dauerbrenner ist beispielsweise der Nachweis von pflanzlichem Fett im Milcheis. „Fast die Hälfte der untersuchten Milcheisproben (18 von 42 Proben) aus dem offenen Verkauf wiesen pflanzliche Fette auf, obwohl das nach den Leitsätzen für Speiseeis verboten ist“, so Hartloff.
Immer wieder auf der Prüfliste steht das bei den Verbrauchern beliebte Vanilleeis. Das darf nur so heißen, wenn auch echte Vanille aus der Schote, beziehungsweise Extrakte aus echter Vanille enthalten sind. Wird dagegen deutlich preiswerteres Vanillearoma verwendet, muss die Bezeichnung „mit Vanillegeschmack“ lauten.
„In der Vergangenheit enthielten Vanilleeisproben entweder zu wenig echte Vanille, um auch danach zu schmecken, oder das Eis enthielt zusätzlich den Aromastoff Vanillin und war damit irreführend gekennzeichnet. Der negative Trend setzte sich leider 2012 fort: Nur 6 von 17 untersuchen Vanilleeisproben entsprachen den Vorgaben“, erläuterte der Minister.
Pistazieneis schmeckt oft nach Marzipan
Einige Verbraucher dürften sich auch wundern, warum sie bei Pistazieneis nicht den typischen nussig-salzigen Pistaziengeschmack feststellen können. Das liegt daran, dass oft Speiseeishalberzeugnisse verwendet werden, die neben Pistazien zusätzlich oder ausschließlich Mandeln bzw. Mandelaromen enthalten. Das Eis schmeckt dann eher nach Marzipan. Erlaubt ist das nur unter entsprechender Kenntlichmachung (z.B. Eis mit Pistazien- und Mandelgeschmack).
Bei allen untersuchten Pistazieneisproben (11 Proben) dominierte der Geschmack nach Mandeln, der typische Pistaziengeschmack fehlte. Sie wurden deshalb beanstandet. Was darüber hinaus viele Eishersteller offenbar nicht wissen: Die besagten Halberzeugnisse enthalten oft pflanzliche Öle, die zum einen nichts zum Geschmack beitragen und zum anderen pflanzliches Fett in das Milcheis bringen, das dort nicht hineingehört.
Zu wenig Fruchtanteil
Auch beim Fruchteis gibt es in jeder Saison Beanstandungen, weil der Fruchtanteil im Eis zu gering ist, um den Namen „Fruchteis“ oder „Fruchtsorbet“ zu Recht zu tragen. Weniger Fruchtanteil oder gar nur Aromen statt Früchte zu verwenden, ist zwar nicht illegal – aber in diesen Fällen muss das Produkt anders heißen, z.B. „Eis mit Erdbeergeschmack“ anstatt „Erdbeereis“. In Fruchteisproben wird zudem häufiger Farbstoff verwendet, um die Eigenfarbe zu verstärken. Der Einsatz solcher Lebensmittelfarbstoffe ist grundsätzlich erlaubt, er muss aber durch die Angabe „mit Farbstoff“ kenntlich gemacht werden.
Alkohol im Eis
Alkoholhaltiges Speiseeis, wie z.B. die Sorten „Amaretto“ oder „Malaga“, werden nach überlieferten Rezepturen hergestellt. Für Malagaeis wird Rum oder Malagawein bzw. Marsalawein verwendet. Typisch ist daher ein deutlich erkennbarer Geruch und Geschmack nach Rum. Dies war auch bei allen im LUA untersuchten Proben der Fall. Damit verbunden ist aber auch ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Alkohol im Eis, denn Rum enthält mindestens 37,5 Prozent Alkohol. Die Gehalte an Rum im fertigen Eis schwankten von 11,4 – 73,6 Milliliter pro Kilogramm (ml/kg). Pro Eiskugel entspricht das zwischen 1 – 7,4 ml Rum. Zum Vergleich: In ein Schnapsglas passen 20 Milliliter.
Generell müssen alle verwendeten Zusatzstoffe entweder direkt an der Ware oder durch einen Aushang in der Eisdiele ausgelobt werden. Und zwar so, dass die Besucher diese Liste auch finden und deutlich lesen können. Auf die Liste gehören nicht nur Farbstoffe, sondern auch Emulgatoren, Säuerungsmittel etc. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten nicht zögern, kritisch nachzufragen, welche Zusatzstoffe das Eis enthält. (red)
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