
Foto: Pfalz-Express
Südpfalz/Neustadt – „Aller Einsatz südpfälzer Politiker für die Beseitigung der Modernisierungslücke zwischen Wörth und Neustadt fühlt sich an wie wirkungslose Sprechblasen“. Das fürchtet der BUND Südpfalz.
Der hat deshalb ein Rundschreiben an die Landesverbände der „relevanten Parteien im Mainzer Landtag“ verschickt. Der BUND möchte, dass die Parteien das strukturpolitisch wichtige Thema „unübersehbar“ in ihren Wahlaussagen für die Landtagswahlen 2021 berücksichtigen. „Wegen dessen Stellenwerts in der Einschätzung der Südpfälzer könnten die Parteien mit diesem seit Jahrzehnten konsequent verhinderten Verkehrsprojekt beim Wähler deutlich punkten“, so Sprecher Ulrich Mohr.
Es sei paradox: Die laufende europaweite Ausschreibung des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr RLP Süd (ZSPNV RLP Süd) mit Sitz in Kaiserslautern für die Anschaffung elektrische Schienenfahrzeuge im Pfalznetz (zur Abschaffung des Dieselantriebs) bedrohe unübersehbar für den Zeitraum 2024 bis 2026 eine zügige Elektrifizierung mit Oberleitung auf der Südpfalz-Strecke: „Obwohl diese nicht nur dem dynamischen Raum um die Universitätsstadt Landau und der gesamten Südpfalz, sondern auch dem Austausch zwischen den Wissenschaftsstandorten Karlsruhe und Kaiserslautern zugute kommen würde.“
Die Ausdehnung des S-Bahnverkehrs nach Landau wäre möglich und es ergäbe sich in der weiteren Entwicklung (unter Einbeziehung der Strecke Homburg/Saar – Zweibrücken) ein Kreisverkehr NW-LD-ZW-Homburg-KL-NW mit Vorteilen für erhebliche Teile der Pfalz.
Die Skepsis und der Pessimismus zu den Realisierungschancen für das Klimaschutzprojekt zwischen Wörth und Neustadt nähre sich nicht nur beim BUND aus folgenden Umständen (Wortlaut):
· Für das Pfalznetz sind ausschließlich Batteriefahrzeuge ausgeschrieben worden – auch für diese wichtige Strecke. In einem der Ausschreibung vorausgehenden vergleichenden Untersuchungsauftrag an die technische Universität Dresden war der Einsatz von Oberleitungstechnik für diese Strecke vom Auftraggeber Schienenzweckverband explizit ausgeschlossen worden. Obwohl die TU Dresden unlängst für einen bayrischen Auftraggeber genau diese Antriebstechnik im Vergleich als die wirtschaftlich „günstigere“ nachgewiesen hat.
· Für die Umweltschützer könnte dies ein Hinweis dafür sein, dass die Verantwortlichen in Politik und Schienenzweckverband auf weitere Jahrzehnte keinen schienenpolitischen Fortschritt mit Fahrdraht für die Südpfalz im Auge haben. Das könnte dann auch mit Kostenargumenten zusammenhängen, da eine einmal etablierte kostspielige Ladeinfrastruktur für die dann eingestzten Batteriefahrzeuge sich erst einmal rentieren muss, bevor sie zugunsten einer neuen Technik wieder aufgegeben wird.
· Die Aussage, die Batterietechnik sei doch „aufwärtskompatibel“, könnte sich so als Ausrede und „Trostpflaster“ für die Eisenbahnfreunde erweisen, um die Verschiebung auf den St.Nimmerleistag zu kaschieren.
· Dieser Argwohn erwächst auch aus dem auffällig zögerlichen Verhalten des Landesverkehrsministeriums, das Vorratsplanung für den Fall, dass der Berliner Kollege Millionen für die Oberleitungselektrifizierung zur Verfügung stellt und zugegriffen werden kann, als Planuung „ins Blaue“ ablehnt. Möglicherweise konzentriet das Land RLP seine knappen Planungskapazitäten ausschließlich auf den Straßenbau. Für den Schienenverkehr fehlen sie. Andere Länder wie Baden-Württemberg oder Bayern mit ihren fertig geplanten Elektrifizierungsprojekten würden dem schlecht vorbereiteten Land Rheinland-Pfalz automatisch Bundesmittel vor der Nase wegschnappen. Die Südpfalz hätte das Nachsehen.
· Wissen muss man auch: Die Verhinderung von bahntechnischem Fortschritt auf der Strecke, die die Pfalz mit Karlsruhe verknüpft, hat eine lange bis in die Nachkriegszeit zurückreichende Geschichte. So wurde z. B.einst die Wiederherstellung durchgängiger Zweigleisigkeit wieder aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgenommen. Landau wollte vor Jahren absolut keine Weiterführung der Karlsruher Stadtbahn bis ins Zentrum der Südpfalzmetropole. Noch heute wird man als Befürworter der Oberleitungselektrifizierung von prominenter Seite angerufen mit der Aufforderung, von dieser absurden Idee abzulassen.
„Es wäre schön, wenn dennoch ein Wunder geschähe; schon wegen des Mehrwerts des Projektes für große Teile der Pfalz“, so Mohr.

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