Klingenmünster – Es ist Sommer, „richtiger Sommer“ mit vielen Tagen über 30 Grad. Auch in der Pfalz haben gibt es tropische Nächte mit mehr als 20 Grad. Für Menschen mit chronischen Schlafstörungen ist das eine Tortour. Sie können noch schlechter schlafen als sonst.
„Von chronischen Schlafstörungen sprechen wir, wenn der Schlaf länger als sechs Monate nicht erholsam ist“, erklärt Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster. „Bis eine klare Diagnose gestellt und eine Erfolg versprechende Behandlung beginnt, vergehen in der Regel mehrere Jahre.
Eine Studie von deutschen Wissenschaftlern hat ergeben, dass beinahe neun von zehn Patienten mit chronischen Schlafproblemen länger als ein Jahr ohne zielgerichtete Behandlung bleiben, bei fast jedem dritten Patienten dauert die Schlafstörung sogar zehn Jahre, bis passende Hilfe gefunden wird.“
Dabei können chronische Schlafstörungen das Befinden und Leistungsvermögen am Tage erheblich einschränken und das Risiko für organische Erkrankungen erhöhen.
Neues Angebot
Diese unbefriedigende Situation hat das Pfalzklinikum aufgegriffen und ein neues Angebot entwickelt, das die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Klingenmünster gemeinsam mit dem hauseigenen Schlafzentrum konzipiert hat.
Chefärztin Dr. Sylvia Claus, Pflegedirektorin Julitta Hinz und Pflegedienstleiter Gerd Wagner griffen die Tatsache auf, dass für einige der chronisch kranken Schlafpatienten das ambulante zweitägige Schlafseminar nicht ausreicht, das seit 2004 durchschnittlich fünfmal pro Jahr im Pfalzklinikum stattfindet.
„Seit einem Jahr bieten wir zusätzlich ein dreiwöchiges stationäres Behandlungsprogramm an, das den Patienten ermöglicht, aus ihren schlafstörenden Gewohnheiten auszusteigen und wieder einen gesunden, weitgehend medikamentenfreien Schlaf zu erlangen“, erläutert die Chefärztin.
„Am Anfang des verhaltenstherapeutischen Programms stehen diagnostische Gespräche und schlafmedizinische Untersuchungen im Schlaflabor, um anschließend in einer Kleingruppe von acht Patienten verschiedene Bausteine für schlaffördernde Verhaltensweisen und Einstellungen kennenzulernen. Dazu gehören unter anderem spezielle verhaltenstherapeutische Techniken für Schlafstörungen sowie Entspannungsübungen, Gruppen- und Einzelgespräche, Bewegungs-, Kreativ- und Musiktherapie.“
In Kooperation zwischen Pfalzklinikum und der Universität Landau-Koblenz überprüft Christine Roser als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Schlafzentrums im Rahmen einer Dissertation die Wirksamkeit des Therapiekonzepts. Bevor aussagekräftige Statistiken vorliegen, verlässt sich das Team im Pfalzklinikum ganz auf die Rückmeldungen ihrer weitgehend zufriedenen Patienten.
„Leider sind immer mal wieder schlechte Nächte dabei, aber durch die gute Einstellung, die man in der Therapie gewonnen hat, ist es viel leichter zu ertragen, und ich benötige keine Tabletten mehr“, sagt eine Patientin.
Eine andere, die seit der Geburt ihres Kindes vor fast 20 Jahren nie mehr tief und fest schlafen konnte, wundert sich, dass sie nun einen Wecker braucht, um morgens nicht zu verschlafen: „Ein komplett anderes Lebensgefühl hat sich eingestellt. Ich merke jetzt, was gut für mich ist, passe mehr auf mich auf.“(red)

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