Chemnitz/Leipzig – Marla-

Sven Liebich 2019 bei einer Demo in Landau in der Pfalz.
Foto: Pfalz-Express
Marla Svenja Liebich, früher als Sven Liebich bekannt, sollte am Freitag eine Haftstrafe im Frauengefängnis Chemnitz antreten. Und erschien nicht.
Stattdessen eine Sprachnachricht an die Anhänger: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich heute etwas unpässlich bin.“ Die Staatsanwaltschaft Halle bestätigte der dpa das Nichterscheinen. Ein Vollstreckungshaftbefehl dürfte folgen.
Liebich ist eine prominente Figur der rechten Szene, bundesweit aktiv bei Demonstrationen und Veranstaltungen. Unter dem früheren Namen fiel „sie“ immer wieder durch Beleidigungen gegen Transpersonen, tätliche Angriffe auf Fotografen und provokante Auftritte auf.
Das Oberlandesgericht Naumburg hatte im Mai eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren wegen Volksverhetzung, Beleidigung und übler Nachrede bestätigt. Zuvor war Liebich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Ein Berufungsverfahren am Landgericht Leipzig wegen eines Übergriffs auf einen Fotografen 2020 wurde eingestellt.
Selbstbestimmungsgesetz macht´s möglich
Im November 2024 nutzte Liebich das neue Selbstbestimmungsgesetz, um seinen Geschlechtseintrag zu ändern. Eine persönliche Erklärung reicht, Gutachten wie früher sind nicht mehr nötig: Die Änderung wischt die frühere Männlichkeit von Liebig einfach weg. Vor Gericht erschien Liebich dann als Frau, mit Lippenstift und lackierten Fingernägeln, allerdings auch mit großem Schnäuzer. Ein Auftritt als mediale Bühne.
Liebich nutzt das Gesetz auch strategisch eifrig aus: Wer den alten – männlichen – Namen absichtlich verwendet, riskiert Bußgelder bis zu 10.000 Euro. Mach diversen Medienberichten hagelt es Strafanzeigen en masse.
Dass „sie“ am Freitag nicht zum Haftantritt erschien, passte nahtlos ins Konzept. Wartende Anhänger standen vor dem Gefängnis, während Liebich abtauchte.
Auf der Plattform „X“ heftete „Marla Svenja“ dann einen Post an: „Das Kunststück eines Zaubertricks: Alle Augen werden auf die Kulisse gelenkt, während das Objekt im Schatten verschwindet. Niemand wusste von meinem Entschluss – kein Anwalt, keine Familie. Was folgt? Ein internationaler Haftbefehl – nur wegen Worten, wegen Meinung. Die ganze Welt sieht, wie das Regime Deutschland die Hosen runterlässt. Polizei wird international alarmiert, um eine Frau zu jagen, die für Worte ins Gefängnis soll. Im angeblich freiesten Land, das es je auf deutschem Boden gab. Der Kaiser ist nackt.“
Von den Liebich-Fans gab es ordentlich Applaus für das „Husarenstück“. Der Fall zeigt, wie leicht das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz missbraucht werden kann. Und ganz offensichtlich hat Liebich Freude daran, den Staat regelrecht vorzuführen: Ein einfacher Antrag genügt, und schon kann er Zugänge zu frauenspezifischen Schutzräumen nutzen – seine Show inklusive. (cli/red)

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