Neupotz – Am vergangenen Freitag fand die alljährliche Jahreshauptübung der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Jockgrim in Neupotz statt.
Das Übungsszenario sah einen Brand bei der Tankstelle Burger vor. Ein Brand im Bereich einer Tankstelle gehört zu den größten und riskantesten Herausforderungen, denen sich eine Feuerwehr im Ernstfall stellen muss.
Aus diesem Grund ist es dringend erforderlich, dass die Einsatzkräfte der Feuerwehren in Übungen auf derartige Szenarien vorbereitet werden.
Jochen Gehrlein (Wehrführer der Neupotzer Feuerwehr) und sein Kamerad August Trapp hatten sich ein durchaus realistisches Übungsszenario, das von Hans Jürgen Lugscheider moderiert wurde, ausgedacht.
Beim Betanken eines Kanisters hatte dieser Feuer gefangen. Das Feuer greift über auf den Kleinlagerbereich der Tankstelle. Eine schnelle Evakuierung der umliegenden Häuser wird notwendig, da eine Ausbreitung des Feuers auf die Großtanks, in denen zum Übungszeitpunkt 30.000 Liter Kraftstoff lagern, droht.
Die vier Feuerwehren der Verbandsgemeinde Jockgrim sahen sich mit folgenden Aufgaben konfrontiert: Rettung von sechs Menschen unter Pressluftatmung, Aufbau der Wasserversorgung, Straßensperrung, Aufbau einer Wasserwand zur Hauptstraße, Abdichten der Kanalschächte und Straßeneinläufe vor der Tankstelle sowie die Gefahrenbeseitigung aus dem Lager der Tankstelle unter Pressluftatmung.
Im Rahmen der Löscharbeiten brachte die Feuerwehr einen Schaumteppich auf, um zu verhindern, dass ausgelaufenes Benzin Feuer fängt. Die geschlossene Schaumschicht bestand aus speziellem Übungsschaum, der im Gegensatz zum Original deutlich leichter zu beseitigen ist.
Ruhe bewahren
Eine weitere Schwierigkeit für die Feuerwehr bestand in der Bergung eines Autos, das in der Werkstatt der Tankstelle auf der Untersuchungsgrube stand.
Ein Mann wollte sein Auto, in dem sich eine junge Frau befand, in Sicherheit bringen. Dabei rutschte es mit einem Reifen in die Grube. Die Feuerwehrleute sicherten das Fahrzeug, in dem sie es mit Holzklötzen unterbauten und trennten anschließend das Dach ab. So konnte die Insassin gerettet werden.
Unterstützt wurde die Feuerwehr unter Leitung von Karl Friedrich Schmidt von Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuz, die die insgesamt sechs Geretteten versorgten.
Viel Lob für Feuerwehrleute
Bei der anschließenden Manöverkritik zeigte sich Wehrleiter Stephan Reis sehr zufrieden mit dem Ablauf der Übung. Drei Gründe nannte er für die erfolgreiche Zusammenarbeit der Feuerwehr: Eine gut ausgebildete Mannschaft, eine technisch moderne Ausrüstung und eine Verwaltung, die die Ausrüstung zur Verfügung stellt.
Ortsbürgermeister Roland Bellaire sah am Ablauf der Übung eine Bestätigung für die gute Zusammenarbeit der Feuerwehr. Er hoffe natürlich, dass der Ernstfall an der Tankstelle nie eintreten wird.
Nach Ansicht des Vorsitzenden des Regionalfeuerwehrverbands Vorderpfalz, Hans-Georg Balthasar, hätten die Feuerwehrübungen neben dem Trainingszweck noch eine weitere wichtige Funktion.
Die Bevölkerung bekäme hierdurch einen umfassenden Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr. Verbandsbürgermeister Uwe Schwind zeigte sich stolz auf die vier Feuerwehren in der Verbandsgemeinde, die allesamt eine eigene, individuelle Identität hätten.
Wenn es aber darauf ankäme, würden sie zu einem eingeschweißten Team, das Hand in Hand arbeite, zusammenwachsen. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit könne schlussendlich Leben retten und Schaden abwenden.
Eine App, die Leben rettet
In einem kurzen Vortrag stellte Dr. Matthias Wölfel, Sprecher der Leitenden Notärzte Kreis Germersheim, die neue App „Mobile Retter“ vor. Hiermit werden speziell geschulte Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe eines Notfalls befinden – zum Beispiel in der Nachbarschaft oder ein paar Straßen weiter im selben Ort – von der
Leitstelle per GPS geortet und durch die Mobile-Retter-App mit einem lauten Alarmton auf dem Smartphone informiert. So kann die Zeit bis zur Ersten Hilfe deutlich verkürzt werden.
Weitere Informationen zum Projekt „Mobile Retter“ im Landkreis Germersheim:
- Dr. med. Matthias Wölfel, Asklepios Südpfalzklinik Kandel, Luitpoldstraße 14, 76870 Kandel, Tel.: 07275/71-0, E-Mail: m.woelfel@asklepios.com
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