Mainz – Fast hätte das Love Family Park Festival auf dem Mainzer Messegelände am 6. Juli so unbeschwert und fröhlich zu Ende gehen können, wie es angefangen und den ganzen Tag über angehalten hatte.
Die rund 17.500 Festivalbesucher tanzten auf einem der vier Floors oder sonnten sich einfach auf dem eigens ausgelegten Rollrasen bei größtenteils strahlendblauem Himmel und heißen Temperaturen.
Kurz vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung um 22 Uhr ließ das in weiten Teilen des Landes durchziehende Unwetter allerdings das Festival nicht unverschont.
Der Veranstalter hatte eigens für diesen Tag einen Diplom-Meteorologen auf dem Festivalgelände eingesetzt, der die Wetterlage genauestens beobachtete. Bereits um 20 Uhr deuteten seine Vorhersagen darauf hin, dass möglicherweise noch vor Ende des Festivals starker Wind und Regen über das Gelände ziehen könnten. Unverzüglich wurde begonnen, die Sichtschutzmatten an den Zäunen zu demontieren, um den Wind ungehindert durch die Zäune durchzulassen und ein eventuelles Umkippen zu verhindern.
Des Weiteren wurde mit dem Abbau sturmgefährdeter Objekte durch den Veranstalter begonnen. Teile der Zäune wurden an den Ausgängen beiseite geräumt, um den Besuchern durch überbreite Ausgänge das zügige Verlassen des Messegeländes zu ermöglichen.
Um 21 Uhr gab der Meteorologe die Prognose, dass das Unwetter möglicherweise in 30 oder 40 Minuten das Festivalgelände erreichen könnte, dies aber auch durch die sich schnell entwickelnden Gewitterwolken schon früher geschehen könne. Daraufhin wurde sofort beschlossen, das Gelände zu evakuieren. Die finalen Maßnahmen des Sicherheitskonzepes wurden direkt umgesetzt.
Um 21:10 Uhr erfolgte die Lautsprecherdurchsage, mit der Aufforderung an die Besucher, das Gelände zu verlassen. Die Musik an den Floors wurde sofort beendet. Über Lautsprecher wurden die Besucher aufgefordert, sich zu ihren Autos auf den Parkplätzen oder in die bereits bereitgestellten Shuttlebusse der Mainzer Verkehrsgesellschaft zu begeben.
Nur Sekunden später brach das Unwetter mit Sturm und Regen über einen Teil des Messegeländes herein, während im anderen Teil die Besucher noch Sonnenschein hatten. In Bruchteilen von Sekunden zog ein heftiger Sturm über das gesamte Gelände.
Ein Teil der Gäste flüchtete sich in die Gastronomiezelte, circa 700 Besucher kamen im großen „Oktoberfestzelt“ unter. Nach wenigen Minuten war der Sturm bereits wieder vorbei und es regnete nur noch.
Über Lautsprecherwagen der Polizei wurden die Besucher auf den Parkplätzen gebeten, zunächst in ihren Autos sitzen zu bleiben und noch nicht wegzufahren, damit die Shuttlebusse zunächst alle anderen Gäste vom Festival wegbringen konnten, ohne einen Stau auf den Straßen zu verursachen. So konnten auch Verkehrsbeeinträchtigungen bei der Abreise verhindert werden.
Das im Vorfeld zusammen mit Polizei, Veranstalter, Stadtverwaltung und Berufsfeuerwehr erarbeitete Sicherheitskonzept, das auch dieses Szenario beinhaltete, ging voll auf. Über den ganzen Tag verteilt fanden regelmäßige Besprechungen auf dem Festivalgelände zwischen den beteiligten Organisationen statt.
Sieben leicht verletzte Festivalbesucher waren nachher zu verzeichnen. Diese wurden vom anwesenden Rettungsdienst erstversorgt. Vier Personen mussten in der Klinik weiterbehandelt werden. Bei den Verletzungen handelt es sich vorwiegend um Platzwunden.
Nachdem die 700 Leute, die im großen Festzelt Unterschlupf gesucht hatten, mit kostenlos vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Regencapes versorgt waren, wurden diese ebenfalls zu den Shuttlebussen geführt.
Die Polizei suchte das gesamte Gelände im Anschluss nach weiteren Personen ab und konnte gegen 23 Uhr melden, dass keine weiteren Besucher mehr im Veranstaltungsraum angetroffen werden konnten. (PP RLP)
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