Lingenfeld – Am Samstagmorgen (31.Oktober 11.38 Uhr) wurde ein 16-jähriger Junge auf einem Feldweg bei Lingenfeld schwer verletzt, weil er eine selbstgebastelte Waffe mit Schwarzpulver entzünden wollte.
Durch die Detonation erlitt der Jugendliche so schwere Verletzungen, dass er mit einem Rettungshubschrauber in eine Fachklinik geflogen werden musste.
Bei den Ermittlungen der Polizei stellte sich heraus, dass der 16-Jährige zu Hause in einem Kellerraum weitere selbstgebastelte Rohrbomben sowie mehrere selbst hergestellte Sprengkörper lagerte.
Aufgrund der Sachlage wurden Fachkräfte des Landeskriminalamtes angefordert, die eine sofortige kontrollierte Vernichtung dieser Gegenstände für erforderlich hielten.
Aus diesem Grund mussten am Abend Teile von Lingenfeld evakuiert werden, um eine kontrollierten Vernichtung durchführen zu können.
Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr, dem leitenden Notarzt, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst wurden in einem Evakuierungsradius von 300 Metern eine Vielzahl von Wohnungen aufgesucht.
Während einige der fast 1.000 Anwohner bei Verwandten unterkamen, wurden fast 250 Nachbarn in der Goldberghalle in Lingenfeld untergebracht.
Der aufgefundene Sprengstoff konnte kontrolliert auf einem nahegelegenen Acker gesprengt werden. Gegen 0.20 Uhr gaben die Spezialisten des Landeskriminalamtes Entwarnung. Im Anschluss konnten alle Anwohner in ihre Wohnungen zurück.
Der Jugendliche ist mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr.
Der Landrat des Kreises Germersheim, Herr Dr. Fritz Brechtel, lobte die geordnete Zusammenarbeit der fast 150 Einsatzkräfte und bedankte sich ausdrücklich für die gute und reibungslose Zusammenarbeit.
Ein besonderer Dank ging an die Bürgern, die mit dieser Ausnahmesituation ruhig und gefasst umgingen.
Keine kriminellen Hintergünde
Die Umfeldermittlungen des Fachkommissariats der Kriminalinspektion Landau ergaben keine Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund oder irgendwelche geplanten Gewalttätigkeiten des Jugendlichen.
Das Entzünden der selbstgebastelten Waffe am vergangenen Samstag werten die Ermittler als Imponiergehabe (Stand 3.11.2015).
Derzeit wird davon ausgegangen, dass der Jugendliche das vorhandene Schwarzpulver aus Feuerwerkskörpern gewonnen hat. Andere Hinweise auf die Herkunft liegen derzeit nicht vor.
Konkrete Angaben zur aufgefundenen Menge können derzeit nicht gemacht werden. Zur Zeit befindet sich der Jugendliche in einer Fachklinik, wo er sich mehreren Operationen, unter anderem an den Augen, unterziehen musste. Weitere chirurgische Eingriffe stehen bevor.
Die Vernehmung des Jugendlichen konnte aufgrund des Gesundheitszustandes noch nicht durchgeführt werden. (pol/red)

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