Sonntag, 13. Juni 2021

Lauterbourger Legehennenbetrieb will groß aufstocken – Fridays for Future befürchtet Umwelt- und Gesundheitsschäden

6. Mai 2021 | Kategorie: Elsass Oberrhein Metropolregion, Kreis Germersheim, Landau, Regional

Lauterbourg/Elsass – In der Nähe von Lauterbourg an der deutsch-französischen Grenze plant ein französischer Legehennenbetrieb, seine Kapazitäten von 28.000 Hühner auf über 68.000 Hühner auszuweiten.

Das Unternehmen EARL OEUFS MODERY hat dazu eine Genehmigungsanfrage zum Betreiben einer Legehühnerfarm in Freilandhaltung als Erweiterung einer bestehenden Zucht an die Präfektur des Departements Bas-Rhin gerichtet.

Fridays for Future Landau kritisiert das Vorhaben. Gegen den Antrag der PEARL OEUFS MODERY gebe es einige Gründe. Zunächst sei es in Zeiten der Klimakrise nicht mehr zeit- und zukunftsgerecht, Massentierhaltung in dieser Größenordnung zu betreiben. „Ganz abgesehen von ethischen Bedenken, dass die Legehennen z.B. nach 13 Monaten ´ausgetauscht´ werden sollen, produziert die angestrebte Produktion von jährlich 20.655.000 Eiern mindestens 3.098 bis 4.650 Tonnen CO2-Aquivalente  jährlich“, so Sprecherin Kaycee Hesse.

Baumaßnahmen der Hühnerfarm seien darin noch nicht eingerechnet. Wenn man die Steigung des CO2-Schattenpreises bis 2032 mit einrechne, sei man bei über 7 Millionen Euro. „Das ist nicht vereinbar mit dem Pariser Klimaabkommen und der 1,5 Grad Grenze“, so Hesse.

Viele Befürchtungen

Die Erweiterung des Unternehmens habe zudem umfangreiche Umweltauswirkungen auf die Städte und Kommunen Wörth, Hagenbach, Scheibenhardt, Berg und Neuburg. Problematisch sei vor allem der Grundwasserschutz und die Ausbreitung von resistenten Keimen in der Region.

Durch die enorme Menge an Tieren auf relativ engem Raum nehme die Gefahr für die Ausbreitung von Tierseuchen nicht nur innerhalb des Betriebs, sondern auch außerhalb in der heimischen Vogelwelt zu. Durch die teils zwingend notwendige Gabe von Antibiotika bei Haltungen dieser Größe sei mit dem Aufkommen resistenter Keime zu rechnen, die auch Menschen gefährlich werden könnten. Und durch die Weiterverwertung des Hühnerkots in der Landwirtschaft oder die Zwischenlagerung in Gruben könnten resistente Keime ins Grundwasser gelangen, befürchtet FFF. Zudem belaste die erhöhte Phosphat- und Nitratbelastung am Standort die Böden und das Grundwasser in der Region.

Unternehmen will alle Standards einhalten

Das Unternehmen selbst verweist auf die Wahl des Standorts weit ab von Wohnbebauungen und will alle Standards einhalten. Dazu habe man von Fachbüros mehrere Studien erstellen lassen. Die Umweltempfindlichkeit des Gebiets habe man berücksichtigt. Als Ausgleichsflächen entstünden 19,1 Hektar mehrjähriges Dauergrünland anstelle der bisherigen Mais-Monokulturen.

Die Verwendung von Wasser aus dem öffentlichen Netz soll sich auf das Trinkwasser für die Tiere, für sanitäre Luftschleusen und das Reinigen der Gebäude beschränken. Zum Schutz der Wasserversorgung werde ein Rückflussverhinderer installiert und Abfall wird demnach von einem zertifizierten Betrieb entsorgt. Die Grenzwerte für die Phosphat- und Nitratbelastung würden eingehalten.

Die Erweiterung werde sich nicht auf das Klima auswirken, sondern im Gegenteil dazu beitragen, die lokale Nachfrage nach Eiern zu decken und Importe zu reduzieren, so EARL OEUFS MODERY. (cli)

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