
Längst überfällig: Ein Siegel zur Erkennbarkeit der Haltungsbedingungen.
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will für mehr Tierschutz in deutschen Ställen sorgen.
„Deshalb prüft mein Ministerium derzeit die Umsetzung eines Tierwohllabels mit staatlicher Rahmensetzung“, sagte Schmidt der „Welt am Sonntag“ (1. Mai).
Die Verbraucher seien bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, das von Tieren aus besseren Haltungsbedingungen stamme. Eine klare und transparente Kennzeichnung sei für die Kaufentscheidung wichtig.
Schmidt will mit einem staatlichen Siegel zugleich den Landwirten die Möglichkeit geben, ihre Einnahmen zu stabilisieren. „Regionalität, Spezialisierung und Tierwohl bieten ein großes Potenzial für steigende Erzeugerpreise“, sagte der Minister.
Dieses Potenzial müsse besser genutzt werden, damit auch die Landwirte finanziell profitierten. Vor allem Milchbauern und Schweinehalter können angesichts niedriger Erzeugerpreise ihre Kosten derzeit nicht decken.
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, Thomas Schröder, hält die Einführung eines staatlichen Siegels für überfällig. „Endlich nimmt Minister Schmidt seine Rolle als Gesetzgeber wahr“, sagte Schröder.
Ein Tierwohl-Label liefere eine wichtige Orientierung an der Fleischtheke. „Die Verbraucher wollen wissen, wie ein Tier im Stall gelebt hat.“
Sowohl die Agrar- als auch die Verbraucherminister der Länder fordern eine Tierhaltungskennzeichnung für Schweine-Frischfleisch nach dem Vorbild der vierstufigen Eier-Kennzeichnung von „Null“ (Bio) bis „Drei“ (Käfighaltung). Auch diesen Vorschlag lässt Schmidt prüfen.
Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) sieht in einer einfachen Kennzeichnung einen Anreiz für Landwirte, verstärkt auf Tierwohl zu setzen.
Auch Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne) fordert, die Landwirte sollten „ihren Einsatz für mehr Tierwohl auch an der Ladenkasse vergütet bekommen“.
Bauernpräsident Joachim Rukwied hält das Label dagegen für nicht praktikabel. „Eine Kennzeichnung wie bei Eiern ist bei der Schweinehaltung nicht möglich, da die Haltungsformen vielfältiger und weniger abgrenzbar sind“, sagte er.
Rukwied appellierte an den Lebensmitteleinzelhandel, sein Engagement für die freiwillige „Initiative Tierwohl“ auszubauen. Derzeit reichten deren Finanzmittel nur für knapp nur knapp zehn Prozent der jährlich rund 60 Millionen Mastschweine.
Der größte Finanzierer der Initiative, die Lebensmittelkette Edeka, lehnt diese Forderung des Bauernverbands ab. Derzeit gehen im Rahmen der Initiative vier Cent je verkauften Kilo Fleisch oder Wurst an einen Fonds, aus dem Verbesserungen bei der Haltung von Schweinen und Geflügel unterstützt werden.
„Wir haben eine Vereinbarung getroffen, nach der vier Cent gezahlt werden. Sie gilt bis Ende 2017“, sagte Edeka-Chef Markus Mosa. Danach könne man weitersehen. (dts Nachrichtenagentur)

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