
OB Schlimmer erläuterte in seinem Vortrag, wie das Regime Einfluss auf die Stadt Landau nahm.
Foto: stadt-landau
Landau. Im Mai besuchte Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer mit 116 Schülern der 10. Klassen des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), dem Schulleiter Emil Straßner sowie den mitfahrenden Lehrkräften das Konzentrationslager in Dachau. Dort erhielten die Schüler unter anderem eine allgemeine Führung, besuchten die wesentlichen Bereiche des Konzentrationslagers und recherchierten anschließend in Kleingruppen gestellte Aufgaben in Eigenregie.
Als Ergänzung zum Dachau-Besuch haben jetzt Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer und Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer für die Zehntklässler des OHG einen Vortrag über die nationalsozialistische Zeit in Landau gehalten. „Die Schüler sollen nicht nur wissen, wie das Leben im Konzentrationslager Dachau war, sondern auch erfahren, wie sich unsere Stadt unter dem nationalsozialistischen Regime verändert hat. Auch viele jüdische Mitbürger aus Landau wurden verfolgt und unter anderem nach Dachau deportiert. Es ist uns wichtig mit diesem Vortrag auch die regionale Komponente darzustellen und zu zeigen, dass auch bei uns der Nationalsozialismus stark vertreten war“, so Schlimmer.
Aus dem großen Fundus des Stadtarchivs zeigte Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer Bilder vom nationalsozialistisch geprägten Landau und erklärte, wie schwer und leidvoll das Leben der jüdischen Landauerinnen und Landauer während des Hitler-Regimes war. Sie führte die Schüler mit einer Zeitreise durch das nationalsozialistische Landau und berichtete, wie sich die Machtergreifung der NSDAP auch auf unsere Stadt ausgewirkt hat. „Es gab täglich Aufmärsche der NSDAP auf dem Rathausplatz, wo sich zu dieser Zeit auch viele Geschäfte befanden, die in jüdisches Eigentum oder unter jüdischer Pacht waren.
Nach und nach wurden die jüdischen Mitbürger immer stärker bedroht, ausgegrenzt und verfolgt. Sie durften beispielsweise nicht mehr ins Stadion oder ins Schwimmbad und wurden auch aus ihren Vereinen, in denen sie teilweise jahrelang Mitglieder waren, entlassen. Auch die jüdischen Lehrer wurden unter Verzicht auf ihre Pension aus dem Schuldienst entlassen und Jahr für Jahr gingen immer weniger jüdische Schüler in Landau zur Schule“, so Kohl-Langer. Doch sie ließ nicht aus, auch die damaligen Umstände den Schülern näher zu bringen: „Damals herrschte eine starke wirtschaftliche Krise und auch die Landauer waren von der französischen Besatzung nach dem ersten Weltkrieg gezeichnet. Dies waren unter anderem Gründe dafür, dass in Landau eine militärisch-nationalsozialistische ‚Kultur‘ entstehen konnte.“
Während des Vortrags stellte Christine Kohl-Langer auch immer wieder Zwischenfragen an die Schüler, die konzentriert und interessiert bei der Sache waren und durch ihren Geschichtsunterricht bereits über ein großes Wissen über die nationalsozialistische Zeit verfügen. Im Anschluss an den Vortrag konnten dann auch die Schüler Fragen stellen.
„Das Otto-Hahn-Gymnasium leistet hervorragende Arbeit zur Demokratieerziehung. Die Fahrt nach Dachau sowie die ‚AG gegen Rechts‘ sind auch zukünftig feste Bestandteile der Schullandschaft. Ich möchte mich herzlich für das Interesse der Schüler sowie für das Engagement der Schulleitung und der Lehrkräfte bedanken“, so der Stadtchef abschließend.(stadt-landau)

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