Mittwoch 22.Juli 2026

„Kandel, du liegst mir im Herzen“ – Stationentheater zeigt Kandel im Spiegel

16. Juni 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kultur

Foto: über Kukuk

Kandel – Der Spielplatz am Schwanenweiher war am zweiten Juniwochenende eigentlich gesperrt, dennoch spielten dort Nele, Sophia und Paula, die jüngsten Ensemblemitglieder des diesjährigen Stationentheaters des KuKuK e.V. Sie eröffneten das Stück und zogen anschließend durch Kandels Gassen. Sie kletterten auf den Löwen am Plätzel, spielten Verstecken und trafen sich am gelben Briefkasten. Wer zuerst da war, wartete auf die anderen.

Begleitet wurde der Auftakt vom Chor Modern Voices, der das Volkslied „Du, du liegst mir am Herzen“ aufgriff und daraus den Refrain „Kandel, du liegst mir im Herzen“ formte.

Sechs Szenen über Kandel

Das Stationentheater bestand aus sechs Szenen, die Sabine Daibel Kaiser auf Grundlage zahlreicher Interviews entwickelt hatte. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sehr Kandel seinen Bewohnern am Herzen lag und welche Brüche und Veränderungen die Stadt prägten.

Tigermücke und Alltagsleben

Eine Szene rückte eine mannshohe Tigermücke in den Fokus, die sich in der Stadt behauptete und die Maßnahmen der KABS gegen Stechmücken kommentierte. Dabei ging es auch um den Umgang mit offenen Wasserstellen und alltägliche Gewohnheiten der Kandler.

Sehnsucht nach der Heimat

Eine weitere Szene zeigte Briefe eines Kriegsgefangenen, der sich nach Kandel und seiner Heimat sehnte. Themen wie Hoffnung, Sehnsucht und Zuversicht standen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde ein Satz zugespitzt aufgegriffen: „Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.“

Kultur in Kandel

Das lokale Kulturleben stand in einer weiteren Szene im Mittelpunkt. Erinnerungen an frühere Stationentheater wurden ebenso aufgegriffen wie die Frage, wie professionelle Künstlerinnen und Künstler in der Stadt wahrgenommen wurden. Dabei gerieten selbst die Darstellenden ins Stocken, wenn sie frühere Szenen rekonstruieren sollten.

Wandel der Innenstadt

Die sogenannte Kandelzon stand für den Strukturwandel in der Innenstadt. Kundinnen und Kunden wurden dort mit Waren aus Hochregalen versorgt, während klassische Geschäfte verschwanden. Alteingesessene reagierten mit Wehmut. Auch die Citymanagerin konnte diesen Trend nicht aufhalten. Erfahrungen aus dem Einzelhandel verstärkten den Eindruck beim Publikum.

Foto: über Kukuk

Stadtgeschichte 

Dort ließen drei Kandeler (Kraut-)Köpfe die berühmten Wahrzeichen Kandels – den Löwen, den St. Georgsturm und das alte Rathaus – lebendig werden und erklärten nicht nur das Wappen der Stadt, sondern erinnerten auch an die Stadtoberhäupter Oskar Böhm, Christa Loreth, Günther Tielebörger, Michael Niedermeier und Michael Gaudier (aktueller Stadtbürgermeister). Bei all der männlichen Übermacht warf Sabine Daibel-Kaiser selbst die Frage auf, wie es sich denn mit prominenten Kandeler Frauen verhalte, und so wurden Kandels erste Ehrenbürgerin, Maria Wiesheu, Ordensname: Sr. Himeria, die erste Sparerin der Sparkasse Kandel und Christa Loreth noch einmal gewürdigt.

„Kannel is genau richtig“ lautete das Fazit und deshalb kehrten auch viele, die die große weite Welt erleben wollten, wieder nach Kandel zurück, denn Kandel lag einem jeden dauerhaft im Herzen.

Mit viel Herzblut bespielten die Akteure das Areal um den Schwanenweiher herum, machten so den „Europäischen Kulturpark“ zu einem Freilufttheater besonderer Güte und bescherten ihrem Publikum gut anderthalb kurzweilige Stunden.

Theater im öffentlichen Raum

Das Stationentheater verwandelte das Gelände rund um den Schwanenweiher in eine offene Bühne. Einige Karten für die Vorstellungen am dritten Juniwochenende waren noch erhältlich unter www.pfalzshow.de/kukuk oder im Büro des Südpfalz Tourismus am Bahnhof.

Foto: über Kukuk

 

Foto: über Kukuk

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