Montag, 23. September 2019

Ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

29. Oktober 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Familie, Finanzen, Gesundheit, Ratgeber, Versicherungen

Wenn die Pflege im Alter gesichert ist, werden beispielsweise die Kinder nicht so stark belastet.
Bildrechte: Flickr Telehealth – Older man and nurse using blood pressure Tunstall CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Ob Pflegeheim oder mobiler Pflegedienst: Die Kosten für Bedürftige sind hoch und unterscheiden sich je nach Pflegegrad und Region. In Rheinland-Pfalz kann man mit monatlichen Pflegekosten von etwa 2.500 bis 3.000 Euro rechnen, von denen die gesetzliche Pflegeversicherung im Schnitt etwa 1.200 Euro übernimmt. Den Rest muss man selbst zahlen.

Daraus ergibt sich: Je höher der Pflegegrad, desto höher die Versorgungslücke. Um Privatvermögen und Familienangehörige zu schützen, kann man eine Pflegezusatzversicherung abschließen. Doch wie sinnvoll ist das?

Im Alter müssen viele eine passende Pflegekraft finden. Bei stationärer Pflege liegt der Eigenanteil der Kosten bei circa 1.500 Euro, bei ambulanter Pflege im Pflegegrad 5 bei mehr als 2.000 Euro. Diese Deckungslücke muss mit dem eigenen Vermögen beglichen werden.

Besitzt man keine Ersparnisse, sind die Kinder des Pflegebedürftigen zum Unterhalt verpflichtet. Sind weder Vermögen noch Kinder vorhanden, zahlt das Sozialamt – die Pflege ist also in jedem Fall garantiert. Fraglich ist nur, wer die Kosten dafür trägt. Wer sein Vermögen oder die Kinder vor zusätzlicher Belastung schützen möchte, braucht Absicherungen. Private Pflegeversicherungen sind eine Option.

Die private Pflegeversicherung gibt es als Police für Pflegetagegeld, Pflegekosten, Pflegerente und Pflege-Bahr. Jede Option hat Vor- und Nachteile.

Bei der Pflegetagegeldversicherung wird im Fall der Pflegebedürftigkeit eine vorab festgelegte Summe täglich ausgezahlt, über die man frei verfügen kann. Je mehr Tagesgeld man erhalten möchte, desto höher ist der monatliche Versicherungsbeitrag. Vor dem Abschluss dieser Variante sollte man prüfen, welche Beträge sinnvoll sind. Ansonsten besteht das Risiko, dass im Notfall nicht alle Kosten gedeckt sind, weil man den Versicherungsbeitrag zu niedrig gewählt hat.

Die Pflegekostenversicherung ist eine der günstigeren Policen. Sie stockt den gesetzlichen Pflegeanteil auf, indem ein bestimmter Prozentsatz oder eine vorab festgelegte Summe ausgezahlt wird. Das Geld kann ausschließlich für Leistungen verwendet werden, die im Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegekasse vermerkt sind. Ein Nachteil dieser Versicherungsvariante: Unterbringung und Verpflegung in einem Pflegeheim, sogenannte Hotelkosten, sind nicht abgedeckt und müssen selbst bezahlt werden.

Mit der Pflegerente spart man Kapital an und erhält als Pflegefall einen garantierten Mindestbetrag. Das Geld ist frei verfügbar und kann flexibel eingesetzt werden. Größter Nachteil dieser Option: Man kann vorab nicht sehen, wie hoch das finale Kapital ist.

Eine weitere Variante ist der Pflege-Bahr, eine staatliche Förderung ohne Gesundheitsprüfung und mit niedriger Beitragshöhe. Der größte Vorteil der Versicherung bestehet darin, dass sie auch an Menschen mit Vorerkrankungen, Ältere und Geringverdiener vergeben wird. Allerdings ist ihr Leistungsumfang sehr gering und reicht in der Regel nicht aus, um eine etwaige Versorgungslücke zu schließen.

Eine pauschale Antwort auf die Frage, welche der Varianten sich am meisten lohnt, gibt es nicht, da dies stark von der jeweiligen Lebenssituation abhängt. Zudem gibt es bestimmte Kooperationen, von denen sich einige für Versicherte als interessant erweisen können. Kunden der Techniker Krankenkasse beispielsweise profitieren von einem besonderen Partnerdeal mit Envivas, wodurch die Pflegezusatzversicherung günstiger wird. Dennoch sollte man vorab berechnen, ob man sich eine Police leisten kann.

Experten empfehlen jedem, der ein gesichertes und ausreichendes Einkommen besitzt, in eine Pflegezusatzversicherung zu investieren. Voraussetzung ist, dass man die Beiträge lebenslang zahlen und auch eventuelle Beitragserhöhungen tragen kann. Wird die Pflegeversicherung gekündigt, hat man nämlich keinen Anspruch auf eine Auszahlung, und auch die bereits getätigten Beiträge gehen dann verloren.

Die Pflegeversicherung ist jedoch sinnvoll, denn sie kann die finanzielle Versorgungslücke schließen, die zwischen Pflegekosten und Zahlungen aus der staatlichen Pflegeversicherung entsteht. Wer davon ausgeht, im Alter ein ausreichendes Vermögen zu besitzen, benötigt keine zusätzliche Pflegeabsicherung.

 

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