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Interview mit der bekannten Chanteuse Annette Postel: „Sing oper stirb!“ am 25. Juli

24. Juli 2014 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Leute-Regional, Regional

„Komm auf die Schaukel, Annette“: Auch der schöne Garten der Sängerin war Thema im Pfalz-Express-Interview.
Foto: Ahme

Edesheim/Edenkoben. Am Freitag, 25. Juli, 20 Uhr betritt sie die Bühne, die für sie die Welt bedeutet: „Eine Opernarie ist auch nur ein Chanson“ sagt Annette Postel.

Die Sängerin mit 4-Oktaven-Stimme und spitzer Zunge nimmt sich „zwerchfellerschütternd“ der großen Kunst an: Ist Oper eigentlich noch modern? Was ist der Unterschied zwischen Tenor und Tremolo? Zwischen Puccini und einem normalen Schnupfen? Wie wird man mit S-Fehler Sopran? Und sind Pianisten sterblich? Annette Postel erzählt aus dem Opernnähkästchen und zelebriert Opernparodien mit Koloratur und Komik, Tragik und Tiraden, Crossover und Comedy.

Annette Postel, ein echtes Nußdorfer Mädel wird innerhalb der Edesheimer Schlossfestspiele alle Register ihres Könnens ziehen.

„Keine Angst, man kann diesen Abend auch genießen, selbst wenn man Opern nicht kennt oder nicht mag“, sagt Annette Postel im Pfalz-Express-Interview.  Es wird für Jeden etwas geboten.“  Man müsse keine Opernkenntnisse mitbringen. „Es wird ein extrem lustiger Abend, ein Comedyabend mit wieder erkennbarer Musik. Die Oper bildet das Leben ab. Es ist etwas für Herz und Hirn.“

2007 kam das Programm raus, Annette Postel hat es oft gespielt und wird es noch häufig  im deutschsprachigen Raum spielen. Nun wird es am 25. Juli zum letzten Mal in der Region gezeigt. Die Postel steht mit dem neuen Programm, das am 11.10. im Gloriapalast gezeigt wird, schon in den Startlöchern.

Dieses Soloprogramm entstammt aus einer Ideensammlung der rührigen Chanteuse. Es handelt von einer Liebesglücksfee , die Jedermann und Frau die Liebe bringt, bei sich selber allerdings damit Pech hat. „Ausziehn“ heißt das Programm, das seine Premiere im Karlsruher Tollhaus hatte.

„Das ist dein intimstes Programm“ haben Freunde Annette Postels gesagt. Sie gibt Vieles darin von sich selbst preis. „Ausziehn“ bedeutet in diesem Fall dreierlei: von zuhause ausziehen, sich ausziehn, und mental ausziehen auf der Bühne,“ erklärt Annette und schlürft ihren Tee. Es macht Freude, sich mit ihr zu unterhalten. Nach einem kleinen Rundgang durch den schön gestalteten Garten in Edenkoben (es ist ein großes  Hobby von ihr, neben Tangotanzen und Yoga), erzählt sie über Dinge, die ihr wichtig sind.

Sie fühlt sich wohl in der Pfalz. Stichworte wie „Sonne, fröhliche Menschen, eine Kultur, die unterstützt wird“, fallen.  Hier sei es toll- „wer will da in die Großstadt?“ fragt sie.
Musik- ihr Thema, zu dem sie sich engagiert äußert.
Kurt Weill, dem Postel auch schon Chanson-Abende widmete („Kurt Weill ist musikalisch sehr interessant. Etwas sperrig, man muss sich mit ihm auseinandersetzen“) hat die Unterteilung in E- wie ernste und U-wie Unterhaltungsmusik immer abgelehnt. Auch Annette Postels Musikverständnis geht in diese Richtung. „Mozart und Pucchini, Komponisten, die ich sehr schätze, haben in ihrer Zeit Unterhaltungsmusik gemacht. „Die Unterscheidung hat es wohl nie wirklich gegeben“, so Postel. „Für mich gibt es in der Tat nur gute oder schlechte Musik“. Gute Musik zeige sich darin, dass sie Herz und Geist gleichermaßen berühre.

Und wie kam Annette Postel zur Opernparodie?
War es nicht das „Enfant terrible“ Georg Kreisler, der ihr zur Opernparodie geraten und ihr gleichermaßen Stimme und Schauspieltalent bescheinigt hat?

Ja, der wars, in der Tat. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich in Beidem begabt bin, obwohl ich Mehrfachbegabungen schon immer toll fand. Caterina Valente zum Beispiel war solch eine Begabung.“

Geschauspielert hat sie als Kind in der Schule, zum Beispiel im „Gespenst von Canterville“. Ihre Texte und Programme schreibt sie selbst. Hat sie Edith Jeske, die für Silbermond, schreibt, vorgelegt. Jeske war begeistert davon. „Das war eine neue Erfahrung und wie ein Ritterschlag für mich“ erzählt Annette.

Auch Gerd Wilden, 97 Jahre alt, ist eine große Nummer. Er hat Filmmusiken für „Heidi“, „Biene Maja“, aber auch den „Schulmädchenreport“ geschrieben- und: für Annette Postel komponiert, die in ihrer Gesangsausbildung das Komponieren nie gelernt hat.

Die Ausbildung war nicht unbedingt das Nonplusultra- Annette Postel wollte und musste sich weiterentwickeln. Oft litt sie unter Kehlkopfentzündungen, fühlte sich unter Druck. Arbeitete zu viel, schadete sich selbst und ihrer schönen Stimme.

„Die Funktionale Stimmbildung hat mich gerettet“, bekennt sie. Jetzt hat sie ihren entspannten Stil gefunden und ist mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Die Freude, darüber gibt sie mit Kursen zur Funktionalen Stimmbildung in Italien weiter. Die Kurse sind beliebt und eigenen sich für Profis und Laien. Ob Popsong oder Opernarie: Annette Postel studiert nach Wunsch mit den Teilnehmern Liedmaterial ein. Wenn sich jemand stimmlich verbessert, sei das wie ein Applaus, aber nicht für die Bühnenfigur, sondern für die „Lehrerin“ Annette Postel. Am 2. August fängt der neue Kurs an.

Weitere Pläne beziehen sich auch auf die Landesgartenschau. Dort will sie nächstes Jahr mit den Münchner Philharmonikern ein Konzert bestreiten.
Die Sängerin ist voll und ganz mit sich im Reinen: „Wenn ich jetzt sterben würde, habe ich wirklich viel erlebt“. (desa)

Infos:

25.07.2014 Sing Oper stirb Schlossfestspiele Edesheim

www.schlossfestspiele-edesheim.de

 

Link zur 3 Sat Sendung
01.08.2014 Moderation RheinVokal: SWR Bigband und SWR Vokalensemble
02.08.2014 Chansonkurs Toskana, www.musica-viva.de – 10.8.2014

1. Preis Bundeswettbewerb Gesang /Chanson
1. Preis Lotte-Lenya-Wettbewerb der Kurt Weill Foundation NY
Kleinkunstpreis Ba-Württemberg
Tuttlinger Krähe
Förderpreis Erika-Köth-Opernwettbewerb

www.annette-postel.com
Facebook: Annette Postel

Annette Postel hat sich in ihrem Gartenhäuschen ein nettes Plätzchen eingerichtet.
Foto: Ahme

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