
Dr. Sascha Hofmann (links), Geschäftsführer des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, mit Kollegen.
Fotos: Licht
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Germersheim – Ein Sprachengewirr herrschte am Campus wie einst in Babel: An der Gutenberg-Universität Germersheim begann am 29. August die Konferenz der European Society for Translation Studies (EST). Die Society ist gewissermaßen der Weltverband des Übersetzens und Dolmetschens.
Sage und schreibe 413 Teilnehmer aus aller Welt reisten nach Germersheim, um an der Fachtagung teilzunehmen, Ideen auszutauschen und die Entwicklung neuer Theorien und Modelle zu besprechen. Es ist der größte Kongress des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, der jemals veranstaltet wurde.
„Der Kongress war eine ziemliche Herausforderung, was Logistik und Organisation anbelangt“, berichtete Dr. Sascha Hofmann, Geschäftsführer des Fachbereichs. „Ein Komitee aus zwölf Personen plus 50 Helfer war rund um die Uhr im Einsatz, um den angereisten Gästen Unterkünfte zu besorgen und den Konferenzbetrieb zu organisieren.“
Da es in Germersheim nicht ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten gibt, kamen die Teilnehmer in Speyer, Landau, Mannheim und Heidelberg unter.
Globale Welt braucht einheitliche Übersetzungsmodelle
Die Translatologie besteht – vereinfacht ausgedrückt – aus Übersetzungswissenschaft und Dolmetschwissenschaft. Während ein Übersetzer schriftlich arbeitet, muss der Dolmetscher innerhalb von Sekunden die richtigen Worte finden und diese sprachlich umsetzen.
Das klingt an sich schon schwierig, verkompliziert sich jedoch noch weiter, wenn man die Denkweise der Menschen in anderen Ländern oder aber die Fachbegriffe in einer sich immer mehr spezialisierenden und technisierten Welt nicht richtig versteht und weitergeben kann.
Fachkonferenzen, Studien, Forschung, Technik, Gerichtsverhandlungen – die Bereiche, in denen korrekte Übersetzungen gefragt sind, expandieren schnell. Deshalb gibt es auch weltweit ein stetig wachsendes Interesse an dieser Disziplin.
Germersheim ist in den letzten Jahren diesbezüglich wieder weit vorne in der Forschungslandschaft angekommen. Dementsprechend gaben sich große Namen ein Stelldichein: Der japanische Professor Naoki Sakai, die Wienerin Prof. Brigitta Busch und Yale-Absolvent Prof. Brian James Baer eröffneten mit ihren Beiträgen die Tagung.
In Germersheim werden nicht nur Dolmetscher und Übersetzer ausgebildet, es wird auch Grundlagenforschung betrieben. Ein Forschungsfeld ist beispielsweise die maschinelle Übersetzung: Wie kann man Datenbanken logisch so aufbauen, dass der Rechner ganze Textblöcke korrekt übersetzt und eventuell weitere Vorgänge selbstständig ausführt?
Forschung: Was passiert im Gehirn beim Simultandolmetschen?
Auch Erklärungsmodelle für den Übersetzungs- oder Dolmetschvorgang an sich werden unter die Lupe genommen: Woher kommt die besondere Sprachkompetenz? Was genau geht beim Dolmetschen vor sich, was passiert im Gehirn, wie ist dieser Prozess zu optimieren? In Germersheim steht ein sogenannter Eye-Tracker zur Verfügung, der die Augenbewegungen verfolgt und Rückschlüsse zulässt.
Genug Gesprächs- und Konferenzstoff also für die Teilnehmer. Aber auch kleine Entspannungs-Highlights sind eingeplant: Am ersten Tag eine kleine Empfangsfeier im Hufeisen, am Samstag ein gemeinsames Abendessen, zu dem sich ein Großteil der Gäste angemeldet hat. (cli)

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