Berlin/Ankara – Nach der Abschlusskundgebung des Gerechtigkeitsmarsches in Istanbul rechnet der Deutschland-Sprecher der größten türkischen Oppositionspartei CHP, Kazim Kaya, mit einer Fortsetzung der Proteste in der Türkei.
Der „Marsch für Gerechtigkeit“ war am Sonntag in Istanbul eingetroffen: Mehrere hunderttausend Menschen versammelten sich in der türkischen Metropole und protestierten gegen die Regierung.
Der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei CHP, Kemal Kilicdargolu, war 425 Kilometer von der Hauptstadt Ankara nach Istanbul marschiert, zeitweise begleiteten ihn zehntausende Menschen. Kilicdargolu hatte seinen Marsch begonnen, nachdem ein Abgeordneter seiner Partei wegen eines Zeitungsbeitrages zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war.
Präsident Erdogan hatte Kilicdargolu wiederholt vorgeworfen, mit seinem Marsch Terroristen zu unterstützen. Die Ankunft des 68-jährigen Politikers fand unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt.
„Das war nicht das Ende, das war der Anfang“, sagte Kaya der „Heilbronner Stimme“. „Wir werden so lange weitermachen, bis unsere Ziele erfüllt sind.“ Der friedliche Protestmarsch habe „die Opposition in der Türkei wachgerüttelt“.
Gleichzeitig klagte Kaya, der die Zahl der Teilnehmer auf der Kundgebung auf 2,5 Millionen beziffert, über Behinderungen seitens der türkischen Behörden. „Straßen wurden gesperrt, und der öffentliche Verkehr wurde behindert, um die Zahl der Teilnehmer einzuschränken.“
Kaya, kündigte an, die CHP in Deutschland wolle die Proteste für Gerechtigkeit in der Türkei weiter unterstützen. „Wir überlegen uns kreative Aktionen.“
Der Bundesvorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, bezeichnete die Proteste als Zeichen für das Zusammenrücken der Opposition in der Türkei: „Es ist eine sehr breite Bewegung, die sich zusammengetan hat, obwohl die Teilnehmer von der türkischen Regierung als Terroristen bezeichnet wurden. Das ist bemerkenswert“, sagte Sofuoglu. „Vor dem Referendum haben die Oppositionskräfte alle für sich gekämpft, jetzt treten sie geeint auf. So werden neue, starke Kräfte gebündelt. Auch viele AKP-nahe Leute unterstützen die Proteste.“
Sofuoglu: „Für viele Erdogan-Kritiker in Deutschland ist es wichtig zu zeigen, dass es diese andere Türkei gibt. Sie sind stolz zu sehen, dass die Opposition trotz Zensur etwas Großes auf die Beine stellt.“ Trotzdem sagt Sofuoglu, die türkische Community in Deutschland sei beim Protestmarsch gespalten. „Einige sehen in den Demonstranten tatsächlich Unterstützer des Terrorismus und übernehmen die Kritik Erdogans.“ (dts Nachrichtenagentur)

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