Sonntag, 27. November 2022

Gedankenaustausch zwischen Polizeidirektion Landau und Beiräten für Migration

27. Juni 2013 | Kategorie: Kreis Germersheim, Landau, Regional

Die Polizeidirektion Landau lud Vertreter der Migrationsbeiräte zu einem Gedankenaustausch ins Landauer Rathaus ein.
Foto: pd-landau

Landau. Kürzlich wurden die Vertreter der Beiräte für Migration aus dem Zuständigkeitsgebiet der Polizeidirektion Landau vom Leiter der Polizeidirektion, Kriminaldirektor Werner Reichert, zu einem Gedankenaustausch in den Ratssaal der Stadt Landau eingeladen.

Werner Reichert war sehr erfreut, dass er im Kreise seiner Inspektionsleiter und Beauftragten neben den Vorsitzenden der Beiräte für Migration, die er ganz besonders herzlich begrüßte, auch weitere Mitglieder der Beiräte und Kreisbeigeordneten Geißer von der KV SÜW willkommen heißen durfte. Als besonderen Gast und Referenten konnte er Dr. Herbert Fischer-Drumm von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Polizei und zugleich Mitglied der Landesarbeitsgruppe „Interkulturalität“ der Polizei des Landes Rheinland-Pfalz  sowie  Harald Kafiz, vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) begrüßen.

Reichert verdeutlichte in seiner Begrüßungsrede die große Bedeutung, die dem Gedankenaustausch zwischen der Polizei und den Vertretern der Beiräte für Migration zukommt und sah in der Veranstaltung eine Weiterführung der „Zielvereinbarung für ein Miteinander ohne Vorbehalte“ vom 18.02.2011, unterzeichnet vom damaligen  Innenminister Bruch und den Vorsitzenden der AGARP (Arbeitsgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration Rheinland-Pfalz).

Dr. Fischer-Drumm zielte in seinen Ausführungen unter anderem auf die unterschiedlichen Verhaltens- und Verstehensweisen verschiedener Kulturen ab und stellte in den Vordergrund, dass sich ein jeder jeglicher Kultur fragen sollte, ob er weiß, was sich gehört. Kann dies jeder bejahen und weiß, dass ein anderer Kulturkreis unter Umständen andere Ansichten bzw. Umgangsmodalitäten in verschiedenen Lebenssituationen annimmt, ist ein Konflikt eher unwahrscheinlich.

Aber auch die Begrifflichkeiten in Bezug auf Migration sind zu überdenken. So wird oftmals über Toleranz gegenüber ausländischen Mitbürgern gesprochen. Diese wären aber lieber akzeptiert als toleriert. So wie es sich jeder andere Bürger auch wünscht, wenn er nach Hause kommt.

Dies unterstrich auch der Vorsitzende des Beirates für Migration der Stadt Landau, Aydin Tas. Er sprach davon, dass der Begriff der Integration besser ersetzt werden sollte durch den Begriff der Inklusion.

Inklusion bedeute, dass alle Menschen in die Gesellschaft eingebunden werden, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Einstellungen oder Einschränkungen, wie beispielsweise körperlichen und geistigen Behinderungen.
Die Polizei sollte vom Land ausreichend mit finanziellen und personellen Mitteln zur Verwirklichung des Migrationsgedankens bedacht werden, meinte Tas.

Die Polizeiinspektionen Landau, Germersheim und Wörth nutzen die Gelegenheit, um ihre Aktivitäten mit und um Migranten vorzustellen.

Innovative Projekte, die von Polizeibeamten konzipiert und durchgeführt werden, um durch Vorträge und Diskussionen in Schulen jungen Menschen aller Nationen den Polizeiberuf näher zu bringen, Besuche in Moscheen und Kontakte zu Glaubensführern anderer Religionen, interkulturelle Feste oder Fußballspiele, all dies und mehr umfasst die Spanne der Aktionen, mit der die Polizei für ein Miteinander und, nicht zuletzt, auch für Bewerber für den Polizeidienst wirbt.

Alexander Koecke, Stadtratsmitglied der Stadt Wörth, zeigte sich sehr erfreut über die Veranstaltung der Polizeidirektion Landau und verstand dies als Zeichen, dass die Polizei die Tür für eine Zusammenarbeit weit geöffnet hat. Er war über die vielfältigen Bemühungen der Polizei im Bereich der Migrationsveranstaltungen positiv überrascht, wie er nach den Vorstellungen der Polizeiinspektionen sagte. Er unterstrich aber auch, dass das Thema Zuwanderung aus der sozialwissenschaftlichen  Ecke herausgeholt werden sollte und machte nochmals deutlich, dass er Deutschland durchaus als Einwanderungsland sieht und die Politik reagieren muss.

Selime Ökden, Mitglied des Stadt- und Kreisbeirates Germersheim, lud den Leiter der Polizeiinspektion Germersheim, Erster Polizeihauptkommissar Zöller, zum Ausdruck der guten Beziehungen auch zu Besuchen an Feiertagen in die Moscheen in Germersheim ein.

Ziya Yüksel, Vorsitzender des Beirates der KV Germersheim, zeigte sich besorgt über den Vertrauensverlust, den er und sein Umfeld in Bezug auf den NSU Prozess verspüren. Viele Jugendliche würden sich die Frage stellen: Wo gehöre ich hin? Er wünscht sich eine Willkommenskultur in Deutschland, die als Verpflichtung für alle gesehen werden sollte.
Er verglich die Migrationsarbeit mit der Arbeit des Sisyphos, der seiner Ansicht nach ein glücklicher Mensch war und immer wieder, in Ruhe und Gelassenheit, einen weiteren Versuch startete, um zum Ziel zu kommen.

Harald Kafitz machte jungen Migranten Mut sich für den öffentlichen Dienst zu bewerben.
Die Hemmschwelle müsse fallen. Dafür ist es dringend erforderlich, dass man bestehende Ängste bei den Jugendlichen, aber auch bei deren Eltern, abbaut. Als Beispiel nannte er das BAMF, bei dem bereits 25% der Angestellten einen Migrationshintergrund haben. Tendenz steigend.

Diese Aussage, dass die Hemmschwelle bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund für eine Bewerbung bei der Polizei auch bei deren Eltern beseitigt werden müsse, fand breite Zustimmung bei den Vertretern der Beiräte. So wäre eine Information in Vereinen eine zielführende Möglichkeit, die Eltern zu erreichen und ein Umdenken zu fördern.

Abschließend bedankte sich Werner Reichert für die Vorträge, den vitalen Austausch  und die vielen Diskussionsbeiträge der Anwesenden. Er sah den Weg der Polizei Rheinland-Pfalz in Zukunft deutlich mit Polizeibeamten verschiedenster Herkunftsländer. Dies, bemerkte Herr Reichert, beschrieb der Polizeipräsident des PP Rheinpfalz, Herr Wolfgang Fromm, bereits im Jahre 2002 in seinen Zukunftsthesen.
Er wünschte sich auch in Zukunft einen regen Gedankenaustausch aller Beteiligten auf unserer „Spielwiese Dialog“ und versprach, dass dies nicht das letzte Treffen dieser Art gewesen sei. (pd-landau)

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