Dienstag, 16. Oktober 2018

Freunde „durch dick und dünn“: 55 Jahre Städtepartnerschaft Germersheim – Tournus

26. September 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Leute-Regional, Regional

Verstehen sich prächtig und haben bereits neue Etappenziele im Blick: Die beiden Amtskollegen Bertrand Veau (re.) und Marcus Schaile.
Fotos: Nelles

Germersheim/Tournus – Wenn eine Freundschaft nach fünfeinhalb Jahrzehnten noch so reibungslos funktioniert und so viele erfrischende Impulse aufweist wie die Städtepartnerschaft zwischen Germersheim und Tournus, dann darf man diesen Erfolg auch ruhig mal feiern.

Das tat dann auch die 35-köpfige Delegation aus der Festungsstadt, die vom 21. bis zum 23. September zum Festwochenende nach Tournus ins südliche Burgund gereist war, wo sie von ihren Gastgebern herzlich empfangen wurde.

Unter den Teilnehmern waren auch Benno Heiter und Dieter Hänlein, die die Partnerschaft lange als Germersheimer Bürgermeister begleitet haben, und Dagmar Jantzer-Kirchner, deren verstorbener Mann Siegfried Jantzer, damals Bürgermeister der Stadt Germersheim, zusammen mit seinem Tournuser Amtskollegen Raymond Gauthier die Städtepartnerschaft vor 55 Jahren begründet hat.

Auch Gauthiers Tochter Céline Marion, die eng mit Dagmar Jantzer-Kirchner befreundet ist und eigentlich in Nizza wohnt, fand sich zu diesem besonderen Städtepartnerschaftsjubiläum in Tournus ein.

Große Ehre: Straße nach Gerhard Walch benannt

Das gesamte Wochenende war geprägt von tiefen Emotionen, großer Verbundenheit und vielen Überraschungen. Der Samstagvormittag war den offiziellen Programmpunkten vorbehalten und begann mit einer Zusammenkunft von Gästen und Gastgebern direkt an der Saône.

Dort ehrte der Tournuser Bürgermeister Bertrand Veau den Anfang März 2018 verstorbenen langjährigen Vereinsvorsitzenden des Freundschaftskreises Germersheim-Tournus e.V., Gerhard Walch, mit einer Straßenwidmung.

„Er hat viele Menschen beider Städte zusammengebracht und sich über lange Jahre in außerordentlichem Maße um die Belange der Partnerschaft gekümmert. Er war ein ‚halber Tournuser‘ und soll deshalb auch hier zu Hause sein“, so Veau, als er zusammen mit seinem Germersheimer Amtskollegen Marcus Schaile das Schild „Rue Gérard Walch“ enthüllte und die Straße für den Verkehr freigab.

Der Tournuser Bürgermeister Bertrand Veau gibt am Samstagmorgen die nach Gerhard Walch benannte Straße direkt an der Saône in Tournus zusammen mitBürgermeister Marcus Schaile und Magdalena Walch, der Witwe des Anfang März 2018 verstorbenen Vereinsvorsitzenden des Freundschaftskreises Germersheim-Tournus e.V., für den Verkehr frei.
Foto: JF DHERIN

Auch Magdalena Walch, die seit dem Tod ihres Mannes die kommissarische Leitung des Germersheimer Partnerschaftsvereins inne hat, erfuhr während des Festakts in der Église Saint Valérien von Bürgermeister Veau eine besondere Ehrung.

Zusammen mit ihrem Mann hatte sie über Jahre unermüdlich an der Intensivierung der Partnerschaftskontakte gearbeitet und erhielt dafür nun nicht nur die Medaille der Stadt Tournus, sondern wurde auch zur Ehrenbürgerin der Germersheimer Partnerstadt ernannt.

Medaillen für „Freundesarbeit“

Darüber hinaus wurden aufgrund ihrer Verdienste um die Städtepartnerschaft auf französischer Seite noch Robert LeJeune, der vor 55 Jahren zum ersten Mal privat nach Germersheim gekommen war und sich seitdem kontinuierlich für die Partnerschaftsarbeit einsetzt, das Ehepaar Solange und Michel Deltrieu, langjährige ehemalige Vorsitzende des Tournuser Partnerschaftsvereins, sowie auf deutscher Seite Simone Nelles, Städtepartnerschaftsbeauftragte der Stadt Germersheim und Geschäftsführerin des Freundschaftskreises Germersheim-Tournus e.V., für ihr „engagement à l’international“ mit einer Medaille ausgezeichnet.

Zukunft der Städtpartnerschaft mit jungen Leuten

Während Bürgermeister Veau in seiner Festrede auf die geschichtlichen Hintergründe und die Entstehung der deutsch-französischen Städtepartnerschaften hinwies, hob Schaile die aktuellen partnerschaftlichen Begegnungen auf Jugendebene hervor: Den Schüleraustausch zwischen dem Tournuser Collège en Bagatelle und dem Germersheimer Goethe-Gymnasium, die Annäherung der beiden Musikschulen, eindrucksvoll dokumentiert durch ihr gemeinsames Konzert am 5. Mai im Innenhof des Germersheimer Kulturzentrums „Hufeisen“.

Auch das bevorstehende Jugendfußballturnier Ende Oktober 2018 in Tournus, an dem auch junge Nachwuchsspieler des VfR Sondernheim teilnehmen, und die Tatsache, dass die Stadtverwaltung Germersheim in diesem Sommer bereits zum vierten Mal in Folge einen jungen Tournuser Studenten als Praktikanten willkommen heißen konnte, zeigen, dass auch die Jugend an einer Fortführung interessiert ist.

Auch hinter den Kulissen erfolgte am Sonntagmittag beim gemeinsamen Abschlusspicknick im Innenhof des Musée Greuze auf jüngster Ebene eine überraschende Annäherung, als ein Achtjähriger aus Tournus der jüngsten Teilnehmerin der Besucherdelegation, einer sechsjährigen Erstklässlerin aus Sondernheim, unvermittelt sein „Schlumpfbuch“ schenkte. Eine halbe Stunde später tauschten die Kinder Adressen aus und wollen jetzt ganz klassisch miteinander „korrespondieren“.

Fahrrad geschenkt:  „Auch weiter gemeinsam in die Pedale treten“

Dass Bürgermeister Schaile nicht nur die rührige Vergangenheit der Städtepartnerschaft würdigen wollte, sondern auch neue Etappenziele im Blick hat, unterstrich er mit dem Gastgeschenk der Stadt Germersheim, einem absolut verkehrssicheren Klappfahrrad in der Germersheimer Stadtfarbe Blau.

„Warum wir Euch ein Fahrrad schenken? Weil uns wirklich viel verbindet, unter anderem die Tatsache, dass unsere beiden Städte Fahrradstädte sind, mit einer sehens- und erlebenswerten Umgebung, die ein Paradies für Radtouristen darstellt. Aber wir haben uns vor allem für dieses Geschenk entschieden, weil das Fahrrad wie kaum ein anderes Symbol für die Attribute‚ Mobilität, Flexibilität, Gesundheit, Energie und Ausdauer‘ steht, die unsere Städtepartnerschaft bereits seit 55 Jahren kennzeichnen“, so Schaile.

„Ich bin mir sicher, dass wir – wenn wir auch weiterhin so kräftig in die Pedale treten wie in den vergangenen fünfeinhalb Jahrzehnten – bei all unseren partnerschaftlichen Unternehmungen auch weiterhin zielstrebig und erfolgreich sein werden“, sagte Schaile zum Abschluss seiner Rede, bevor er seinen Tournuser Amtskollegen bat, auf dem handlichen Drahtesel eine Ehrenrunde vor Ort zu drehen.

Auch im Hinblick auf die Verbesserung der deutsch-französischen Kommunikation leisteten die Tournuser einen originellen Beitrag. Idiomatische Redewendungen, die in beiden Sprachen auf den Schaufensterscheiben der Geschäfte in der Innenstadt prangten, amüsierten nicht nur Städtepartnerschaftsfans, sondern auch „reguläre“ Gäste der Stadt.

Ganz Tournus schien sich für den Besuch der Germersheimer gerüstet zu haben, die sich rundum wohl fühlten in ihrer zweiten Heimat. „Die Stadt ist wunderschön, die Gastfreundschaft der Tournuser umwerfend“, so eine Germersheimer Reiseteilnehmerin.

Gästen und Gastgebern wird wohl nicht nur die Schifffahrt am Samstagnachmittag bei schönstem Wetter auf der Seille, sondern auch der stimmungsvolle, gemeinsam verbrachte Abend in festlicher, aber unkomplizierter Atmosphäre im Gedächtnis bleiben. „Rester copains comme cochons“ – weiterhin gemeinsam „durch dick und dünn gehen“, das ist das erklärte Ziel für die Zukunft. (sn/red)

Foto: Nelles

 

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