
Nicht nur auf dem Papier Freunde: Zalaszentgróter Bürgermeister József Baracskai (li.), Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile.
Fotos: Markus Ahr
Germersheim/Zalaszentgrót – Voller Vorfreude, mit großer Begeisterung und vielen Erwartungen ging es morgens um vier Uhr früh los: Eine rund 40-köpfige Delegation aus Germersheim machte sich auf den Weg in die ungarische Partnerstadt Zalaszentgrót.
Die Fahrt war lang, aber ging zügig und ohne Staus voran. Am frühen Abend des 20. August trafen die Germersheimer zum Sektempfang in Zalaszentgrót ein.
Anschließend ging es direkt zum Stadtfest, denn der 20. August ist einer der wichtigsten ungarischen Nationalfeiertage. Der „St. Stephanstag“ markiert die Heiligsprechung des ersten ungarischen Königs István (Stephan) durch Papst Gregor VII. im Jahr 1083.
Größter Verdienst von König Stephan I. aus kirchlicher Sicht war die Christianisierung der heidnischen Magyaren in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. Schon seit Jahrhunderten gedenken die Ungarn dieses Tages, der überdies als ,,Tag des neuen Brotes“, vergleichbar mit dem deutschen Erntedanktag, bezeichnet wird.
Alte Bräuche
Während des offiziellen Teils des Stadtfests wurde das Germersheimer Stadtoberhaupt Marcus Schaile nicht nur für seine Verdienste um die bereits seit zehn Jahren bestehende Städtepartnerschaft ausgezeichnet, sondern assistierte auch seinem Zalaszentgróter Amtskollegen József Baracskai bei einem am „Tag des neuen Brotes“ zelebrierten ungarischen Brauch.
Beide schnitten jeweils einen aus der neuen Ernte gebackenen Brotlaib an, um diesen dann stückweise an die Anwesenden zu verteilen. Ein beeindruckendes Feuerwerk rundete das Stadtfest in Zalaszentgrót ab.
Echte Freundschaft
Am Freitagvormittag standen die zentralen Feierlichkeiten zum Städtepartnerschaftsjubiläum im Schlosspark von Zalaszentgrót auf dem Programm.
Bei den Grußworten der beiden Bürgermeister und der Vorsitzenden der Freundeskreise Dr. Tihanyiné Gyöngyi Földesi und Dieter Hänlein und der Festrede von Csaba Bene (stellvertretender Vorsitzenden der Kreisversammlung im Komitat (Verwaltungsbezirk) Zala) wurde deutlich: Diese Freundschaft geht tief und hat Bestand.
Zwei jungen Frauen, Franciska Tihanyi und Annamária Balogh, trugen sogar ein Gedicht über die Freundschaft der beiden Städte vor. Musikalisches präsentierte die Band „Brasscom“; Mónika Birinyi, Julcsi Laposa und Péter Szili trugen Volkslieder aus dem Komitat Zala für die Festgäste vor.
Schaile dankte in seiner Rede allen Gastgebern für das abwechslungsreiche Programm und betonte, dass das vor zehn Jahren gegebene Versprechen, „in herzlichem Einvernehmen miteinander Verbindung zu halten, für den Geist gegenseitigen Verständnisses einzutreten und nach besten Kräften dafür zu sorgen, dass die Bürger unserer Städte sich kennen-, verstehen und schätzen lernen“ in der ersten Dekade der Städtepartnerschaft vorbildlich erfüllt worden sei.
In Zukunft solle das auch so bleiben, so Schaile weiter, man wolle dafür sorgen, dass sich vor allem auch junge Menschen, Kinder und Jugendliche einbringen und in die Partnerschaft hineinwachsen. Als Gastgeschenke habe man deshalb aus der Fahrradstadt Germersheim für die „Städtepartnerschaftsfans von morgen“ einige Spielgeräte mitgebracht.
Im einzigen Zalaszentgróter Kindergarten freuen sich die Kleinen nun über ein neues Laufrad, einen Tretroller und ein Kettcar.
Die Erwachsenen gingen bereits zum Abschluss der Fest-Matinée mit gutem Beispiel voran, indem die beiden Bürgermeister Schaile und Baracskai die bestehende Städtefreundschaft durch ihre erneute Unterschrift auf der Partnerschaftsurkunde bekräftigten.
Schiffsfahrt, Weinverkostung und Nachtbaden: Ungarische Gastgeber scheuen keine Mühen
Nach der Fest-Matinée unternahmen Gastgeber und Gäste eine Schiffsfahrt auf dem Plattensee, von Fonyód bis nach Badacsony. Dort, an der Weinstraße von Badacsony, kamen die deutschen Gäste in den Genuss einer Verkostung von ungarischen Weinen, bevor es wieder zurück nach Zalaszentgrót ging, um gemeinsam im Schloss zu Abend zu essen.
Danach war noch lange nicht Schluss, denn die ungarischen Freunde hatten nach Sonnenuntergang ein ganz besonderes Highlight für die Gästegruppe aus Germersheim in petto: „Baden bei Nacht“, exklusiv für die deutschen Gäste im beliebten Thermalbad von Zalaszentgrót, musikalisch begleitet vom Städtischen Blasorchester.
Nach einem so erlebnisreichen Wochenende, an dem bereits bestehende Freundschaften weiter vertieft sowie neue Kontakte geknüpft werden konnten, lässt sich bekanntlich schwer Abschied nehmen.
Aber die nächsten Begegnungen sind bereits angedacht, das schürt die Vorfreude auf Neues: Im nächsten Jahr soll wieder eine Germersheimer Delegation nach Ungarn reisen, im darauffolgenden Jahr erwarten die Germersheimer ihre ungarischen Freunde zum Festungsfest. (sn/red)
Bei Interesse am aktiven Engagement für die Städtepartnerschaften mit Zalaszentgrót/Ungarn oder Tournus in Burgund/Frankreich:
E-Mail: snelles@germersheim.eu
Tel.: 07274-960-218 (Mo bis Fr von 8 bis 14 Uhr)

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