Donnerstag, 02. Juli 2020

Freigelassener Schweizer Luchs Arcos auf Wanderschaft

20. März 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Rheinland-Pfalz
Der Neustadter Patenluchs Arcos hier bei seiner Freilassung im Pfälzerwald. Quelle: ©Stiftung Natur und Umwelt RLP / Martin Greve

Der Neustadter Patenluchs Arcos hier bei seiner Freilassung im Pfälzerwald, hat schon viele Kilometer zurückgelegt.
Quelle: ©Stiftung Natur und Umwelt RLP / Martin Greve

Pfälzerwald. Der am 7. März freigelassene Schweizer Luchs bewegt sich großräumig durch die Pfälzer Landschaft. Dabei hat er inzwischen mehr als 130 km zurückgelegt und erfolgreich gejagt.

Es ist eine beachtliche Strecke, die Arcos seit seiner Freilassung bei Waldleiningen zurückgelegt hat. Auf seiner Erkundungstour hat Arcos innerhalb von knapp zwei Wochen mindestens 130 km zurückgelegt und ist dabei durchschnittlich etwa 10 km pro Tag gelaufen.

Nachweislich hat er in der Zeit mindestens ein Reh gerissen. Die maximale Distanz, die er innerhalb eines Tages zurücklegte, war rund 20 km. Solche Distanzen sind zwar überdurchschnittlich, aber nicht
außergewöhnlich für Luchse – insbesondere, wenn sie Ausschau nach einem neuen Lebensraum halten.

Nach einem ersten Streifzug durch den Pfälzerwald nördlich der B37 verließ er den Pfälzerwald zwischen Neustadt-Königsbach und Deidesheim und machte -ganz das Patenkind der Stadt Neustadt a. d. Weinstr. – einen Abstecher in den Stadtwald von Neustadt bei Lachen-Speyerdorf.

„Toll, dass Arcos den Weg zu uns nach Neustadt gefunden hat“ so Thomas Baldermann von der Naturschutzbehörde der Stadt „wir haben damit nicht wirklich gerechnet und schon gar
nicht so schnell!

Wir freuen uns über den Besuch unseres Patenkinds und wünschen Arcos, dass es ihm auch weiterhin
gelingt, die Straßen sicher zu überqueren.“

Arcos blieb allerdings nicht lange, sondern wanderte in der nächsten Nacht wieder auf derselben Strecke zurück in den Pfälzerwald.
Dazu lief er ein zweites Mal durch die offene Weinbergslandschaft am Haardtrand und überquerte die A65.

Nach seinem Ausflug in Richtung Osten orientierte sich Arcos nun mehr Richtung Norden. In der Höhe von Carlsberg überwand er die A6, bei Münchweiler die A63. Es ist über die GPS Daten nicht zu rekonstruieren, ob Arcos jeweils vorhandene Unter-oder Überführungen an den Autobahnen nutzte oder direkt über die Straße lief.

Den Donnersberg streifte der Kuder nur randlich und bog bei Rockenhausen auf Grünflächen innerhalb eines Industriegebietes Richtung Westen ab. Nach knapp drei Tagen hatte er den Donnersbergkreis wieder verlassen. Aktuell hält Arcos sich im Landkreis Kusel auf, wobei er sich wieder mehr Richtung Süden orientiert hat.

Das Verhalten von Arcos zeigt, dass Luchse sich auch in der menschlich geprägten Landschaft zurechtfinden können. Die halboffene Landschaft der Nordpfalz wird für den aus dem
Kanton Waadt stammenden Luchs kein ungewohntes Landschaftsbild sein.

„Wir beobachten mit großer Spannung die Wanderungen von Arcos“ so Sylvia Idelberger, Projektleiterin
„sie geben uns hochinteressante Einblicke, wie sich der Luchs bei uns durch die heutige Kulturlandschaft bewegt und wie gut er mit menschlichen Strukturen zurecht kommt.
Langfristig werden uns die Erkenntnisse daraus helfen, die Lebensräume von Luchsen besser miteinander zu verknüpfen. Vorerst bleibt es abzuwarten, ob und wann Arcos seinen
Bogen durch die Nordpfalz vollendet und wieder in den Pfälzerwald zu seinen Kollegen zurückkehrt.“

Mehr Informationen zum LIFE Luchs Projekt Pfälzerwald der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und ihren Projektpartnern gibt es im Internet unter http://www.luchsrlp.
de.

Beobachtungen von Luchsen, Hinweise zu Luchsspuren oder den Verdacht auf einen Nutztierübergriff durch Luchs bitte umgehend unter der Hotline 06306-911199 oder per Mail an luchs@snu.rlp.de melden.

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Arcos in Frankreich

Der Schweizer Luchs hat sich Richtung Süden orientiert und inzwischen die Grenze nach
Frankreich überschritten.

Arcos ist zügig unterwegs. Seit seiner Freilassung am 7. März im Pfälzerwald hat er nun mehr als 260 km zurückgelegt und ist dabei durchschnittlich etwa 13 km pro Tag gelaufen.
Derweil hat er seine eigene Maximaldistanz, die er innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt hat, von 20 auf 31 km erweitert.

Nach seinem Ausflug ins Nordpfälzer Bergland orientierte sich der Luchs nun zielstrebig Richtung Süden. Anhand der durch das Sendehalsband übermittelten GPS-Daten konnte das Luchs-Team der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz vergangene Woche den „Grenzübertritt“ von Arcos
nachvollziehen. In der Höhe von Bliesbrücken wechselte er nach Frankreich. Dann lief er durch die recht offene Landschaft der Departements Moselle und Bas-Rhin westlich der Nordvogesen an Saargemünd und Saarburg vorbei weiter in Richtung Süden. Gestern erreichte er die Vogesen bei Baccarat.

Auch wasserscheu scheint Arcos nicht zu sein. Auf seinem Weg musste er verschiedene Gewässer überwinden: Glan, Blies, gleich mehrfach die Saar und den Rhein-Marne-Kanal.
Dass er jedes Mal eine Brücke nutzte, ist unwahrscheinlich.

Initialwanderungen der Luchse nach ihrer Freilassung sind aus anderen Projekten bekannt. Im Schweizer Wiederansiedlungsprojekt LUNO legte der Luchs Odin eine Wanderung
von rund 200 km Gesamtlänge (Luftlinie) hin, bis er nach etwa eineinhalb Monaten sein Revier in der Nähe eines anderen freigelassenen Weibchens wählte. Auch versuchte Rückwanderungen sind bereits bei einzelnen Tieren beschreiben worden. Wobei unklar ist, warum einige Tiere ein solches Verhalten zeigen und andere nicht.

Arcos Weg wird nun in enger Zusammenarbeit mit den französischen Behörden und Luchsforschern weiter verfolgt.

Arcos Weg in Frankreich. Foto: red

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