Montag 12.Oktober 2026

Festung in Germersheim für Sehbehinderte ausgerüstet

2. Juni 2022 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Bürgermeister Marcus Schaile mit einem der neuen Handlaufschilder in Braille- und Reliefschrift.
Fotos: Frauke Vos-Firnkes/Stadt Germersheim

Germersheim – Seit 2017 ist die Stadt Mitglied bei FORTE CULTURA e.V., dem Netzwerk der europäischen Kulturroute Festungsmonumente.

Das internationale Netzwerk will das Kulturerbe der Festungen in Europa nicht nur erhalten, sondern auch für jedermann zugänglich machen.

Gemeinsam mit FORTE CULTURA e.V. hatte sich die Stadt vorgenommen, Geschichte auch Blinden und Sehbeeinträchtigten zu erschließen und hat bei der Aktion Mensch einen Förderantrag gestellt. Der wurde im vergangenen Dezember bewilligt.

Aktion Mensch gibt 5.000 Euro

Die Aktion Mensch ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat sie mehr als vier Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben.  Nun unterstützt sie das Projekt „Durchblick – Festung Germersheim Erkennen“ mit 5.000 Euro.

Blinden und auch sehbeeinträchtigten Menschen solle die Teilhabe und Inanspruchnahme des touristischen Angebotes ermöglicht werden“, so Bürgermeister Marcus Schaile. Durch Gespräche mit betroffenen Personen, aber auch dem Austausch mit Tactile Studio (einer inklusiven Designagentur für Kultureinrichtungen mit Sitz in Berlin, die sich auf die Förderung des Kulturzugangs für alle beeinträchtigten Zielgruppen spezialisiert haben) sei es gelungen, ein Barriere abbauendes Angebot zu schaffen. Das Angebot solle auch nicht ausschließlich eine separate Dienstleistung für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen sein, sondern ein Angebot für die aktive Teilhabe von Menschen mit speziellen Bedürfnissen, sagte Schaile.

Die imposante Festungsanlage wurde von 1834 bis 1861 im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. als „Bollwerk gegen Frankreich“ erbaut. Gerade der markanteste Teil der Festungsstadt mit dem Weißenburger Tor und der Festungsbrücke, der Fronte Lamotte mit den Reduitgebäuden und der Grabenwehr zeichnet sich durch eindrucksvolle Ausblicke aus. Besucher können auf einem Rundweg um den Lamottepark von mehreren Standorten aus auf die Festungselemente schauen und einen Eindruck des Festungssystems erhalten.

Handlaufschilder in Braille- und Reliefschrift und Postcast

Deshalb wurden nun die vier wichtigsten Aussichtspunkte mit öffentlich zugänglichen taktilen Handlaufschildern ausgestattet. In Braille- und Reliefschrift werden die Aussichten am jeweiligen Standort beschrieben und die Festungsgeschichte der Stadt erfahrbar gemacht. Damit der Gast jedoch mehr Informationen zu den einzelnen Standorten erhält, wurden für jeden Standort ein Audiopodcast erstellt, der über einen QR-Code abgerufen werden kann.

Die taktilen Tafeln, die in der Farbe des Geländers angefertigt sind, wurden im UV-Druck aus Aluminium hergestellt und durch einen Spezialkleber direkt auf das Geländer an den Standorten Brücke Weißenburger Tor, Reduitgebäude Nord und Süd sowie Duftterrasse aufgebracht und passen sich ins Parkbild ein.

Bürgermeister Schaile weiter: „Schilder anzubringen ist die eine Sache, diese aber auch in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen ist nun die Aufgabe unseres Tourismus-, Kultur- und Besucherzentrums Weißenburger Tor.“ Die Tourist-Information werde die Maßnahme weiter betreuen und vermarkten. „Dazu gehört aber auch, dieses Angebot weiter auszubauen.“

Laut Schaile finden bereits Gespräche mit FORTE CULTURA e.V. statt, ob ein erneuerter Antrag bei Aktion Mensch gestellt werden kann. Damit soll das Angebot sukzessive für die Bürger und Besucher der Stadt erweitert werden. Gemeinsam mit FORTE CULTURA, der Aktion Mensch und Tactile Studio wolle man weiter an der Abschaffung von Barrieren in der Stadt arbeiten.

Link zum Film: https://youtu.be/cSN5ZeCKA28

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