
Wolfgang Thiel, Vorsitzender der AG 60plus Bad Bergzabern (li.), und Alexander Schweitzer, ehemaliger Gesundheitsminister und jetziger SPD-Fraktionschef in Mainz.
Fotos: pfalz-express.de/Licht
Oberotterbach – Obwohl kein Sozial-und Gesundheitsminister mehr, sei er noch „so richtig drin in der Materie“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, Alexander Schweitzer, bei einem Treffen der AG 60 plus in Oberotterbach.
Schweitzer informierte unter anderem zum neuen Programm „WohnPunkt RLP“ .
Man renne derzeit in eine Fachkräfteproblematik, leitete Schweitzer seinen Vortrag ein. Jahrelang sei versäumt worden, die Altenpflege so anzupassen, dass es ein attraktiver Beruf sei. Jedoch nicht allein die schlechte Bezahlung sei ein Grund dafür, dass Altenpfleger im Durchschnitt nach sieben Jahren ihren Beruf an den Nagel hängen. Auch die physische und psychische Belastung sei Ursache für den häufigen Berufsausstieg.
Neue Wege zu den Herausforderungen des demokratischen Wandels sind jedoch bereits eingeleitet. So hat Schweitzer in diesem Jahr sein Programm Gesundheit und Pflege 2020 auf den Weg gebracht.
(Ausführliche Informationen hierzu: „Interview mit Sozialminister Alexander Schweitzer: „Wie geht es weiter im Gesundheitsbereich, Herr Minister?“).
Nun gibt es das Programm WohnPunkt RLP, eine Koordinierungsstelle, die kleine ländliche Kommunen bei der Umsetzung von betreuten Wohngruppen und selbstorganisierten Wohngemeinschaften berät und begleitet.
Viele Kommunen seien interessiert an alternativen Wohnformen, sagte Schweitzer. Da, wo die Menschen sich auskennen, zuhause seien, ihre vertraute Umgebung hätten. „Aber wenn es zuhause nicht mehr geht, ist ein Angebot notwendig – ein Zwischenangebot von Zuhause und einer Pflegeeinrichtung. Die wenigsten Menschen wollen in ein Pflegeheim.“ Das sogenannte Pflegewohnen ist eine der Alternativen, die zahlreiche Gemeinden gerne umsetzen würden. Jedoch ist es oft schwierig, alles zu koordinieren, zu planen, zu organisieren. Dabei hilft WohnPunkt RLP.
Voraussetzung für die Unterstützung ist ein schlüssiges Konzept, das der jeweilige Gemeinderat beschließen muss.
Für die medizinische Versorgung sieht Schweitzer die Gesundheitszentren mit ambulanten Ärzten, einem kleinen Stationären Bereich und kurzen Austauschwegen zur Behandlung der Patienten als beste Chance im ländlichen Raum. Telemedizin mit Verbindung zu den großen Leistungszentren schaffe sogar eine weitaus bessere Behandlungssicherheit.
Ein richtiger „Renner“ seien die „Verahs“ geworden, berichtete Schweitzer. Verahs sind speziell ausgebildete Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, die bei weniger schwierigen medizinischen Handhabungen anstelle des Arztes zu den Patienten nach Hause kommen.
Das Punktesystem müsse zudem verbessert werden, betonte Schweitzer, der Pflegebedürftigskeitsbegriff geändert, denn sämtliche in der Pflege – und nicht nur in der Altenpflege – tätigen Personen hätten kaum Zeit für eine persönliche Ansprache des Patienten, die aber sehr wichtig sei.
Dies bestätigte Gerda Flos von der Residenz Pro Seniore in Bad Bergzabern. „Da uns die Patienten am Herzen liegen, betreiben wir viel Aufwand – bezahlt bekommen wir das nicht.“ (cli)



Information:
Pro Jahr begleitet WohnPunkt RLP bis zu zehn Ortschaften bis 3000 Einwohner in Rheinland-Pfalz. Die Koordinierungsstelle WohnPunkt RLP organisiert den Ablauf der Projektbegleitung, sie ist die Schnittstelle zwischen den Fachberatern und den Aktiven vor Ort.
Die Kommune benennt ihrerseits einen kommunalen Projektverantwortlichen, der mit der Wohnpunkt-Ansprechpartnerin ein Projekttandem bildet. Ziel ist es, sämtliche Schritte zur Verwirklichung gemeinsam zu bewältigen.
Aufgabe von WohnPunkt RLP ist außerdem die Beratung der Gemeinde, die Schulung der Akteure, die Information über gute Beispiele und die Bereitstellung von Kontakten zu den erforderlichen Disziplinen wie Bauen, Architektur, Bank- und Finanzwesen, Unternehmensberatung, Verwaltungsfach und Sozialwesen. WohnPunkt RLP begleitet von der Idee bis zur Schlüsselübergabe.

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