
London.
Foto: Pfalz-Express
Eine kurze Nachricht auf Englisch, ein Gespräch im Urlaub oder eine höfliche Begrüßung im Restaurant: Eigentlich alltägliche Situationen.
Dennoch greifen viele Deutsche vor solchen Momenten lieber noch einmal zur Übersetzungs-App. Eine aktuelle Studie der Sprachplattform Lingoda zeigt nun, warum.
Demnach liegt die größte Hürde beim Sprechen fremder Sprachen nicht in der Grammatik, sondern in der Angst vor sozial unangenehmen Situationen. Für die Analyse wurden rund 1.200 Übersetzungsanfragen aus dem Frühjahr 2026 ausgewertet.
Die größte Sorge: unhöflich wirken
Besonders auffällig ist, dass gerade vertraute Fremdsprachen besonders häufig überprüft werden. Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Türkisch stehen an der Spitze der ausgewerteten Anfragen.
Interessant dabei: Die meisten Nutzer suchen keine Hilfe bei komplizierten Grammatikregeln. Stattdessen möchten sie sicherstellen, dass ihre Aussagen höflich, freundlich oder professionell genug klingen.
Je wichtiger die Situation eingeschätzt wird, desto stärker steigt der Wunsch nach Kontrolle.
Englisch bleibt die größte Stresssprache im Beruf
Im beruflichen Umfeld dominiert weiterhin Englisch. Vor allem Begrüßungen, Zahlen und Terminangaben werden häufig abgesichert.
Viele Menschen befürchten offenbar, dass bereits kleine sprachliche Ungenauigkeiten negative Auswirkungen auf ihre Professionalität haben könnten. Statt spontan zu formulieren, wird deshalb lieber noch einmal digital kontrolliert.
Urlaubssprache wird emotionaler genutzt
Im privaten Bereich verändert sich die Art der Unsicherheit. In beliebten Urlaubsländern wie Italien, Spanien oder der Türkei geht es weniger um sprachliche Präzision als um zwischenmenschliche Wirkung.
Besonders im Italienischen herrscht große Unsicherheit bei Begrüßungen. Im Französischen bereitet Small Talk vielen Schwierigkeiten. Spanisch und Türkisch werden dagegen häufig bei persönlichen Botschaften oder Glückwünschen überprüft.
Sprachscham wird immer sichtbarer
Das Verhalten wird von Experten zunehmend als „Sprachscham“ beschrieben. Viele Menschen möchten nicht nur verstanden werden, sondern kulturell angemessen auftreten.
Die Studie zeigt gleichzeitig, dass die tatsächlichen Sprachkenntnisse oft besser sind als das eigene Selbstbild. Trotzdem ersetzen digitale Sicherheitschecks immer häufiger die spontane Kommunikation.

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