Donnerstag 22.Oktober 2026

Demokratie im Fokus: Tino Leo spielt die Revolution 1848/49 an der IGS Kandel

21. November 2024 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kultur

Schauspieler Tino Leo verkörperte zehn Personen.
Foto: Pfalz-Express/Trauth

Kandel – In einem packenden Theaterstück am Mittwoch an der IGS Kandel wurden die Ereignisse der Revolution von 1848 lebendig und eindrucksvoll dargestellt.

Ursprünglich ausschließlich für die Jahrgangsstufen 12 und 13 geplant, wurde die Veranstaltung nun kurzfristig für die Öffentlichkeit geöffnet. Sie begann mit einer herzlichen Begrüßung von Gudrun Kampen, der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft „Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“, und Schulleiterin Melanie Müller.

Foto: Pfalz-Express/Trauth

Vom Wiener Kongress bis zum Hambacher Fest: Die Anfänge der Revolution

Im Mittelpunkt des Stücks stand Johann Adam von Itzstein, ein Freiheitskämpfer der ersten Stunde und Abgeordneter der Paulskirchenversammlung. Auf der Flucht vor der Anklage wegen Hochverrats stürzte er panisch auf die Bühne und begann, über die Revolution von 1848/49 zu berichten – über Hoffnungen, Fehlschläge und den Weg zur Demokratisierung.

Tino Leo, Leiter der Mainzer Schauspielschule, schlüpfte dabei nahtlos in die Rolle von Itzstein und in insgesamt zehn weitere Charaktere. Mit beeindruckender Leichtigkeit wechselte er zwischen den Figuren, so dass das Publikum stets wusste, wer gerade sprach.

Von Itzstein nahm die Zuschauer mit auf eine Zeitreise, beginnend beim Wiener Kongress 1815. In der Rolle des Fürsten von Metternich erklärte Leo mit viel Wiener Charme, wie die politischen Ziele des Wiener Kongresses die Demokratie und Volksvertretung verhinderten.

Foto: Pfalz-Express/Trauth

Es folgte ein weiterer wichtiger Moment der Geschichte: das Hambacher Fest, an dem 30.000 Menschen teilnahmen – ein Symbol für den Widerstand der Freiheitskämpfer gegen die Obrigkeit. In dieser Zeit waren öffentliche Versammlungen verboten, aber die Revolutionäre fanden einen Ausweg, indem sie sich auf privaten Festen wie dem Hallgarten-Kreis trafen, wo auch das „Deutschlandlied“ zur Nationalhymne erkoren wurde.

Der Weg zur Demokratie: Von Rückschlägen und Siegen

Es entstand ein Spannungsverhältnis zwischen den verschiedenen Lagern der Revolutionäre. Friedrich Hecker, einer der zehn dargestellten Charaktere, wollte einen landesweiten Aufstand, während die Liberalen, zu denen auch von Itzstein gehörte, für einen demokratisch gewählten Parlamentarismus bei gleichzeitiger Beibehaltung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. als Staatsoberhaupt kämpften. Hecker scheiterte mit seinem blutigen Aufstand und floh nach Amerika.

Foto: Pfalz-Express/Trauth

Immer wieder meldete sich auch der Preußenkönig zu Wort. Trotz seiner Weigerung, die Monarchie aufzugeben, setzten sich die Liberalen durch: Am 18. Mai 1848 zogen die Abgeordneten der Frankfurter Paulskirche ein und begannen, einen Grundrechtekatalog zu erarbeiten, der nach dem Vorbild der amerikanischen Verfassung die Rechte auf Freiheit, Einheit und Versammlungsfreiheit garantierte. Viele dieser Grundrechte finden sich bis heute in unserer Verfassung wieder.

Doch der Weg zur Demokratie war lang und von Rückschlägen geprägt. Im September 1848 kam es zu einem Volksaufstand in Frankfurt, als das Parlament den Kriegsabbruch gegen Dänemark beschloss. Am 28. Dezember 1848 bot das Parlament Friedrich Wilhelm die deutsche Kaiserkrone an, doch dieser lehnte ab. Die Badische Republik wurde am 23. Juli 1849 ausgerufen, aber die Revolution wurde brutal niedergeschlagen.

Der Preußenkönig verkündet, gegen Demokraten helfen Soldaten – und viele Abgeordnete mussten fliehen. Robert Blum, ein prominenter Demokrat und Mitglied der Paulskirche, wurde gefasst und erschossen.

Johann Adam von Itzstein beendete das Stück mit den Worten seines getöteten Freundes Robert Blum: „Es hätte nie etwas Großes gegeben, wenn jeder gedacht hätte: „Wir ändern ja doch nichts.“

Foto: Pfalz-Express/Trauth

Die Revolution von 1848 in ihrem direkten Ziel scheiterte. Aber der demokratische Geist der Freiheit war in den Köpfen der Menschen, man konnte ihn nicht töten.

Die Aufführung war ein kraftvolles Lehrstück über die Entstehung unserer Demokratie, das mit dramatischen, spannungsgeladenen und auch humorvollen Momenten die Geschichte der Revolution lebendig machte. Eine großartige Darbietung, die das Publikum mit auf eine bewegende historische Reise nahm. (ht)

Foto: Pfalz-Express/Trauth

 

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