Montag, 24. Juni 2024

Chancen für Bahnstrecke zwischen Landau und Germersheim steigen – Weitere West-Ost-Anbindung möglich

18. Oktober 2023 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Nordbaden, Regional

Foto: Pfalz-Express

Die Kreis- und Stadtchefs in der Südpfalz, Südwestpfalz und dem Landkreis Karlsruhe haben sich für eine Wiedereröffnung der Bahnstrecke zwischen Landau und Germersheim eingesetzt. Die Chancen für eine Reaktivierung sind nun deutlich gewachsen: Zwei Varianten haben einen NKU-Faktor von über 1,8 erreicht, der weit über dem Mindestwert von 1,0 liegt.

„Das ist eine super Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger von der Südwestpfalz bis nach Bruchsal. Die Strecke zwischen Landau und Germersheim würde die Region aufwerten“, sagen die Verwaltungschefs.

Regionalbahn schlägt Stadtbahn

Es wurden sechs Strecken-Varianten analysiert. Drei davon haben einen Wert über 1,0: Die „Stadtbahn-Variante“ von Landau nach Germersheim und weiter nach Wörth/Karlsruhe kam auf 1,04. Eine „Regionalbahn-Variante“ von Pirmasens durch das Queichtal nach Landau und weiter nach Germersheim nach Bruchsal erreichte 1,84. Eine weitere „Regionalbahn-Variante“ von Pirmasens durch das Queichtal nach Landau und bis Germersheim schaffte sogar 1,86.

„Die besten Ergebnisse gibt es bei den Varianten einer Regionalbahn von Pirmasens über Landau nach Germersheim oder Bruchsal. Damit würde die West-Ost-Verbindung von Saarbrücken zur Rheinschiene verbessert. Außerdem würde die Queichtalstrecke im Landkreis Südwestpfalz aufgewertet. Das wäre ein wichtiger Schritt für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur und des Schienenangebots im Landkreis Südwestpfalz“, meint Landrätin Dr. Susanne Ganster.

Kurze Reisezeit und neue Verbindungen

Landrat Dietmar Seefeldt (SÜW) fügte hinzu: „Ein Vorteil wäre die kurze Reisezeit aus dem Landkreis Südliche Weinstraße nach Germersheim oder Bruchsal. Vor allem aus dem Queichtal gäbe es neue Direktverbindungen und Relationen – denn in Germersheim oder Bruchsal gäbe es weitere Anschlüsse für die Reisenden aus dem Westen. Die Fahrtzeit von Landau nach Germersheim würde sich auf 25 Minuten halbieren. Die Südpfälzer würden näher zusammenrücken.“ Er weist aber auch darauf hin, dass es noch ein langer Weg ist und viele Details geklärt werden müssen, zum Beispiel ein möglicher Haltepunkt in Bornheim am Einkaufszentrum.

„Es gibt auch Klärungsbedarf für Lingenfeld und Germersheim“, sagt Landrat Dr. Frirt Brechtel (GER), „wir wollen daher schnell mit der weiteren Planung fortfahren. Mit der Reaktivierung hätten wir eine super Ost-West-Verbindung, von Landau aus könnte man in zwei Stunden Stuttgart erreichen. Auch nach München und Saarbrücken wäre die Weiterfahrt möglich. Sicher ist, dass wir mit dieser Strecke viele neue Fahrgäste gewinnen werden – die Schätzungen liegen bei rund 2.000 Fahrgästen pro Werktag – und einen wichtigen Beitrag zur Mobilität der Zukunft leisten.“

Kommunalspitzen treiben Planung voran

Die Kommunalspitzen der betroffenen Landkreise Germersheim/Südliche Weinstraße und Städte Germersheim/Landau sind aktiv an der Planung dieses ÖPNV-Projekts beteiligt – zusammen mit dem Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Süd (ZÖPNV Süd), der für die Schienenangebote zuständig ist.

Bei der Präsentation der NKU-Ergebnisse in der Verbandsversammlung unter Leitung von Landrat Brechtel am Montag, 9. Oktober 2023, sagte ein Landesvertreter, dass alle (laufenden) Reaktivierungsprojekte als gebündeltes Gesamtprojekt betrachtet würden.

Mit den beiden Zweckverbänden Nord und Süd würden gerade konkrete Parameter für ein Ranking abgestimmt, welches in der nächsten Verbandsversammlung im Dezember 2023 vorgestellt werden soll. Durch das gute NKU-Ergebnis für die Reaktivierung der Strecke Landau–Germersheim und weil die Projektabwicklungen im nördlichen Rheinland-Pfalz noch etwas länger dauern, habe das Projekt in der Südpfalz Priorität.

„Daher werden jetzt hoffentlich zügig die nächsten Planungsphasen eingeleitet. Für Landau bedeutet das perspektivisch eine Schienenanbindung in alle Himmelsrichtungen, die aber gut aufeinander abgestimmt sein muss. Für Pendlerinnen und Pendler wird die Verbesserung des ÖPNV auf jeden Fall ein Gewinn“, betont Landaus Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler.

„Sinnvolle Komplettierung des Schienennetzes“

Dass an konstanten Ankunfts- und Abfahrtszeiten in den beiden Hauptknotenpunkten, dem Germersheimer Bahnhof und Landauer Hauptbahnhof, festgehalten werden muss, darauf weist der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile hin und macht deutlich: „Germersheim wäre in Zukunft aus allen Richtungen hervorragend mit der Bahn erreichbar, was letztendlich eine sinnvolle Komplettierung des Schienennetzes in der Südpfalz darstellt. Durch den damit verbundenen Zugang zum Rhein-Neckar-S-Bahn-Netz wird gleichzeitig etwas weitaus Größeres geschaffen, als es auf den ersten Blick vermuten lässt.“

Auch in Baden ist man froh

Die neuen Untersuchungsergebnisse kommen auch im baden-württembergischen Nachbarlandkreis Karlsruhe sehr gut an: „Das ist auch eine erfreuliche Nachricht für den Landkreis Karlsruhe“, freut sich der Karlsruher Landrat Dr. Christoph Schnaudigel. Der Landkreis Karlsruhe habe die Strecke Bruchsal-Germersheim bereits im Jahr 2011 ausgebaut und elektrifiziert. „Mit dem Ausbau auf pfälzischer Seite werden zusätzliche und attraktivere Verbindungen von und nach Rheinland-Pfalz möglich, die den ÖPNV in unserer Region noch attraktiver machen“, so der Karlsruher Landrat weiter.

Die Verwaltungschefs sind sich einig: „Es muss jetzt schnell gehen, ohne vermeidbare Verzögerungen. Die konkrete Ausplanung muss jetzt nahtlos beginnen! Auch Gespräche zu Finanzierungsdetails müssen zügig aufgenommen werden. Und letztendlich sollte dieser neue ‚West-Ost-Korridor‘ im pfälzischen Schienennetz auch in den Landesnahverkehrsplan Rheinland-Pfalz und Deutschlandtakt aufgenommen werden.“

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