Kandel – „Die neue Form des Wahlkampfs ist Zuhören.“ Das sagte SPD-Bundestagskandidat Thomas Hitschler in Kandel beim ersten von insgesamt 15 geplanten Bürgergesprächen.
Nicht nur die Ideen der SPD nachbeten will Hitschler, sondern: „Ich will wissen, was die Bürger in der Südpfalz bewegt – über meine Eigenvorstellgen hinaus. Wenn man weiß, was vor der Haustür passiert, kann man zusätzlich auch auf Landes- und Bundesebene Rückschlüsse ziehen.“ Diese Anliegen soll Hitschler im Fall eines Wahlsiegs nach Berlin tragen.
Bereits in den Monaten zuvor konnten Bürger an Infoständen Karten ausfüllen mit dem Thema: „Was soll besser werden in der Südpfalz?“ Diese Karten werden auch künftig weiter bei den Bürgergesprächen verteilt. „Schließlich geht es bei der Politik einzig und allein um die Bürger“, sagt Hitschler. Bei seiner Rede untermauerte der studierte Politikwissenschaftler drei für ihn entscheidende „Säulen“: Gerechtigkeit, Mut zur Verantwortung und das „Prinzip Südpfalz“.
Die soziale Gerechtigkeit war gar der ursprüngliche Grund für Hitschlers Entscheidung zur politischen Arbeit. Geprägt hat ihn mitunter sein Großvater, ebenfalls Sozialdemokrat. „Das Gerechtigkeitsgefühl wurde in den letzten Jahren deutlich beeinträchtigt“, ist Hitschler überzeugt. „Die Solidargemeinschaft driftet immer weiter auseinander.“ Die Menschen könnten oft nicht mehr angemessen von ihrem Gehalt leben, geschweige denn, einen Vermögensstock für eine Altersvorsorge errichten. Als Beispiel nannte Hitschler ein Gespräch mit einer Bäckereifachverkäuferin, deren größter Wunsch es war, einen angemessenen Lohn für eine Vollzeitarbeitsstelle zu erhalten: 1.400 Euro Bruttolohn sei das Ziel der Verkäuferin gewesen, sagte Hitschler. Nicht der tatsächlich bezahlte.
„Die Zahl der Millionäre wächst ebenso wie die Zahl derjenigen, die nicht genug Geld zum Leben haben. Die ohne die Tafeln nicht genug zum Essen hätten. Auch hier in der Südpfalz. Das ist beschämend für ein so reiches Land, dessen Reichtum in den letzten Jahrzehnten immer größer wurde.“ Deshalb sollen Millionäre etwas höher besteuert werden, einen Teil des in Deutschland verdienten Vermögens in den Solidarkreislauf zurückbringen: „Das wäre solidarisch. Das wäre gerecht“, so Hitschler. „Seit vielen Jahren gibt es Wirtschaftswachstum, aber bei den Meisten kommt nichts davon an.“
Verantwortung will der Bundestagskandidat übernehmen, um die Interessen der Südpfalz in Berlin zu vertreten. Und anderen Mut machen, sich mehr in der Gesellschaft einzubringen. „Und die Menschen motivieren, zu sagen, was sich in unserem Land ändern muss.“
Für die Südpfalz wünscht sich Hitschler, dass die Faktoren Wirtschaft, Lebensqualität und Familienfreundlichkeit weiter ausgebaut werden. „Wir müssen in all diese Punkte weiter investieren, um erfolgreich zu bleiben.“
Nach Hitschlers Standpunktrede entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Dabei zeigte sich, dass regionale Belange nicht so einfach von der Länder- und Bundesebene abzukoppeln sind. Selbst die von der SPD favorisierte Lohnuntergrenze von 8.50 Euro sei zu wenig, sagte ein Diskussionsteilnehmer und verwies auf das Nachbarland Frankreich mit einem Mindestlohn von 11 Euro die Stunde.
Kandels Stadtbürgermeister Günther Tielebörger, der ebenfalls unter den Zuhörern war, vertrat die Auffassung, dass verloren gegangenes Vertrauen der Bevölkerung in die Politik nur durch Transparenz wieder zurückzugewinnen sei: „Kein Abgeordneter darf ein bezahlter Lobbyist sein, alle Abgeordneten müssen ihr Einkommen offen legen.“
Einig waren sich die Bürger hingegen, dass Bürgerinitiativen gestärkt und gehört werden und deutlich mehr Einfluss auf politische Entscheidungen haben müssten. Eine Beteiligte zweifelte gar die letztendlichen Entscheidungen in den politischen Gremien an. So schlugen die Gespräche einen Bogen über Schulsysteme und -reformen, Werksverträge, Mindestrente, Energiewende, Kinderbetreuung und Fachkräftemangel. Genug Material also für den Bundestagskandidaten Hitschler. (cli)

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