Montag, 23. September 2019

Bremen im 19. Jahrhundert: Die Stadt der Astronomen

27. Dezember 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Freizeit & Hobby, Ratgeber, Reise, Vermischtes, Wissenschaft

Bremen hatte auch früher schon mehr zu bieten als die Hanse und die Bremer Stadtmusikanten.
Foto: Pixabay/3dman_eu/CC0 Creative Commons

Die Stadt Bremen und ihre nähere Umgebung war an der Wende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Region für die Weiterentwicklung der naturwissenschaftlichen Disziplinen, wobei besonders astronomische Errungenschaften hervortraten.

Mit der Sternwarte Lilienthal bei Bremen besaß das Gebiet eine wichtige Forschungseinrichtung. Zudem war die Stadt Heimat für die Naturwissenschaftler Heinrich Matthias Olbers und Friedrich Wilhelm Bessel, die der Wissenschaft im Laufe ihres Lebens große Beiträge leisteten.

Die Sternwarte Lilienthal

1782 wurde der Verwaltungsbeamte Johann Hieronymus Schroeter nach Lilienthal versetzt. Unverzüglich widmete er sich seiner langjährigen Leidenschaft der Himmelskunde und gründete vorerst eine einfache Sternwarte. Diese entwickelte sich in wenigen Jahren zu einer der bedeutendsten astronomischen Beobachtungsstationen, die für die damalige Zeit modernste Teleskop- und Beobachtungstechniken verwendete.

Herzstück der Sternwarte war Schroeters Riesenteleskop, das zu dieser Zeit das größte in ganz Europa war. 1800 war Schroeter, neben dem Bremer Astronom Heinrich Wilhelm Olbers, einer der Mitbegründer der Lilienthaler Vereinigte Astronomische Gesellschaft, die zahlreiche europäische Wissenschaftler unter einem Dach vereinte.

Heinrich Matthias Olbers

Heinrich Matthias Olbers war ein Bremer Arzt mit großem wissenschaftlichen Interesse an der Astronomie. 1797 veröffentlichte er das Werk Abhandlung über die leichteste und bequemste Methode, die Bahn eines Cometen zu berechnen. Seine Bemühungen machten ihm 1797 zum Mitglied der Leopoldina, der deutschen Akademie für Naturwissenschaften, welche heute die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt ist.

Als Mitbegründer der Vereinigten Astronomische Gesellschaft entdeckte er zudem die Asteroiden Pallas und Vesta. 1826 problematisierte er den Widerspruch bei der Vorhersage eines hellen Nachthimmels und seiner tatsächlich dunklen Erscheinung.

Später ging dieses Problem als das Olberssche Paradoxon in die Literatur ein. Den größten Beitrag leistete er jedoch durch die Förderung von jungen Menschen, die sich für die Himmelskunde interessierten. Unter seinen Schützlingen war auch Friedrich Wilhelm Bessel, einer der großen deutschen Astronomen und Mathematiker des 19. Jahrhunderts.

Friedrich Wilhelm Bessel

In Minden in eine bürgerliche Familie geboren, brach Friedrich Wilhelm Bessel das Gymnasium ab und startete eine Ausbildung zum Kaufmann in Bremen, wo er seiner Leidenschaft für die Himmelskunde nachzugehen begann.

Mit der Erarbeitung der Bahnbestimmung des Halleyschen Kometen gewann er 1804 die Aufmerksamkeit Olbers, der ihm daraufhin eine Stellung an der Sternwarte Lilienthal vermittelte. Seine wissenschaftlichen Erfolge und die Mentorschaft Olbers verhalfen ihm sechs Jahre später zu einer Professur an der Universität von Königsberg, an der er bis zu seinem Tod 1846 als äußerst produktiver Wissenschaftler tätig blieb.

Im Bereich Mathematik befasste Bessel sich unter anderem mit dem Satz von Pascal und lieferte den Beweis dafür. Das Theorem selbst wurde vom berühmten Mathematiker Blaise Pascal erstellt, der dafür bekannt ist, anlässlich der Frage des Spielers Chevalier de Méré hinsichtlich der Gewinnchancen in Würfelspielen.

Sowohl die besten landbasierten als auch die Fußball Wetten verwenden die mathematische Wahrscheinlichkeitstheorie, um die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns zu beschreiben.

Im Gebiet der Astronomie machte sich Bessel unter anderem durch die erste erfolgreiche Messung der Entfernung eines Fixsterns einen Namen. 1838 fand er heraus, dass der Stern 61 rund zehn Lichtjahre von uns entfernt ist, indem er die winzige jährliche Pendelbewegung des Sterns vermaß. Somit gelang es ihm wissenschaftlich das Kopernikanische Weltbild, in dem die Sonne das Zentrum ist, nachzuweisen.

Foto: über dts Nachrichtenagentur

Im selben Jahr veröffentlichte er Gradmessung in Ostpreußen und ihre Verbindung mit der preußisch-russischen Dreieckskette. Das Werk war eine Zusammenfassung der jahrelangen Landvermessungen, die er mit dem preußischen Offizier Johann Jacob Baeyer mit der Gaußschen Methode durchgeführt hatte.

Es gibt Hinweise darauf, dass der Mathematiker Carl Friedrich Gauß selbst Landvermessungen im niedersächsischen Gebiet betrieb. Zudem herrschte zwischen Bessel und Gauß ein reger Briefwechsel, der auf gegenseitige wissenschaftliche Unterstützung beruhte und wie im Fall der Landvermessung erfolgreich Früchte trug. Als weiterführendes Ergebnis des Projekts gelang es Bessel, die Größe der Erde abzuleiten und alte Annahmen über die Dimensionen der Erde zu korrigieren.

Die Liste der wissenschaftlichen Errungenschaften von  Friedrich Wilhelm Bessel kann endlos weitergeführt werden. Er war einer der namhaften Mathematiker und Astronomen, der die Welt der Wissenschaft in Bremen betrat.

Bremen selbst wurde durch die Sternwarte Lilienthal und mit Hilfe erfahrener Naturwissenschaftler wie Heinrich Matthias Olbers und Johann Hieronymus Schroeter zu einem wichtigen Zentrum für Astronomie zur Wende des 19. Jahrhunderts.

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