Frankfurt/Main – Der brasilianische Bestseller-Autor Paulo Coelho („Der Alchimist“) wird in der kommenden Woche nicht zur Frankfurter Buchmesse kommen, bei der Brasilien Ehrengast ist.
„Ich habe mich aus Protest entschieden, nicht nach Frankfurt zu fahren“, sagte Coelho. Es habe ihn geärgert, dass viele der jungen, aufregenden brasilianischen Autoren nicht Teil der offiziellen Delegation seien, die nach Frankfurt reist. „Von den 70 Eingeladenen kenne ich nur 20, von den anderen 50 habe ich noch nie etwas gehört. Das sind dann vermutlich Freunde von Freunden von Freunden. Eine Vetternwirtschaft“, sagte der 66-Jährige der „Welt am Sonntag“.
Coelho, der seit 2002 Mitglied der brasilianischen Literatur-Akademie ist, habe das in der Vorbereitung offen kritisiert. „Ich habe mit vielen der nicht eingeladenen Kollegen gesprochen. Ich habe mein Bestes getan, um zu erwirken, dass sie mitkommen. Ohne Erfolg.“
Die Absage sei ihm aus vielen Gründen nicht leicht gefallen, unter anderem, weil er sich der Frankfurter Buchmesse, die er oft besucht hat, sehr verbunden fühle. „Andere Buchmessen in Genf oder Paris sind deshalb auf dem absteigenden Ast, weil sie an alten Geschäftsmodellen festhalten“, sagte Coelho, „während Frankfurt die schwierigen Transformationsprozesse von der gedruckten in die digitale Welt, nicht nur erkannt, sondern auch seit Jahren thematisiert hat.“
Die Präsentation der brasilianischen Kultur in Frankfurt sei aber nur einer von vielen Punkten, die er an der Regierung seiner Heimat kritisiere. „Die gegenwärtige Regierung in Brasilien ist für mich ein Desaster. Sie hat das Blaue vom Himmel versprochen – und nichts davon gehalten“, sagte Coelho. Die Berichte über die gewalttätigen Demonstrationen in Brasilien, bei denen in der letzten Zeit Hundertausende gegen Korruption, Mismanagment und soziale Ungerechtigkeit protestierten, hätten in sehr beunruhigt.
„Dass dann nach dem Confed-Cup eine Fußball-begeisterte Nation wie Brasilien öffentlich sagte: Wir haben größere Probleme in diesem Land als für die Fußball-WM die Stadien zu modernisieren – das war schon ein Statement an sich“, so Coelho.
Den Kommentar von Fußball-Star Ronaldinho, bei einer WM ginge es nicht darum, zusätzliche Krankenhäuser oder Straßen zu bauen, sondern Stadien, nannte Coelho eine „selten dämliche Aussage. Ronaldinho sollte lieber den Mund halten. Natürlich sind Krankenhäuser, Schulen und vor allem ein funktionierender Nahverkehr für ein Land wie Brasilien viel wichtiger als Fußballstadien. In Brasilien ist die Infrastruktur nicht nur schlecht, sie zerfällt zudem auch noch.“ (dts Nachrichtenagentur)

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