
Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit Angelica Viveros (Mitte), der Koordinatorin von „Sonidos de la Tierra“ in der Pfarrei San Felipe.
Foto: Bistum Speyer
Paraguay – Im Vorfeld des Weltjugendtags besuchte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann mit einer Delegation der bischöflichen Aktion Adveniat mehrere soziale Projekte in Paraguay.
Im Mittelpunkt der Reise stand die Situation der indigenen Völker, vor allem der Guarani-Indianer, deren Lebensraum durch Soja-Plantagen etwa oder Staudamm-Projekte immer mehr beschnitten wird.
In Asunción im Süden Paraguays lernten die Teilnehmer der Delegation das Musikprojekt „Sonidos de la Tierra“, zu Deutsch: „Klänge der Erde“, der Pfarrei San Felipe kennen. Es richtet sich an Jugendliche aus den Elendsvierteln der Städte und den abgelegenen Dörfern auf dem Land. Musikschulen laden die Mädchen und Jungen ein, die Freude und den Erfolg selbstgemachter Musik zu erleben.
„Sonidos de la Tierra“ wurde 2002 durch den Leiter der Symphonie und Philharmonie von Asunción, Luis Szarán, gegründet. Der international ausgezeichnete Dirigent stammt selbst aus armen Verhältnissen. „Seit der Gründung der Initiative wurde Bewundernswertes geschafft: Rund 160 Musikgruppen konnten gegründet werden, insgesamt 10.000 Jugendliche wurden inzwischen erreicht und eingebunden. Sie bilden Lerngruppen, in denen Talente entdeckt und gefördert werden – gleichzeitig werden christliche Werte wie Gemeinschaftssinn, Engagement für Benachteiligte, Gewaltlosigkeit und Hingabe gelebt“, berichtet Bischof Wiesemann in einem Beitrag für den Weltjugendtags-Blog von Adveniat.
„Das Selbstbewusstsein und die Zielstrebigkeit der Musikschüler verbessern sich, weil sie durch die intensive Begleitung und Förderung lernen, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen positive Veränderung möglich ist.“
Beim Besuch der Delegation war der Rio Paraguay gerade über die Ufer getreten und hatte weite Teile der Stadt überschwemmt. Viele Familien mussten ihre Häuser räumen. Doch die Menschen kehren immer wieder zurück und bauen ihre Häuser wieder auf. „Wo sollen sie denn hin? Die Reichen wohnen auf den Höhen, den Armen bleiben nur die Häuser am Fluss.“
Die Armut sei in Paraguay allgegenwärtig, berichtet Bischof Wiesemann. Denn das, was das Land erwirtschaftet, bleibe zum größten Teil in den Händen von nur zehn Prozent der Bevölkerung. Für die Übrigen gebe es von allem zu wenig: zu wenig Arbeit, zu wenig Bildung, zu wenig Chancen. „Nur eines gibt es im Überfluss: Müll. Aus den Wohlstandsabfällen der Reichen bauen sich die Armen Hütten, Möbel, Eselskarren. Auch die Bewohner von San Felipe arbeiten als Müllsammler. Gleich nebenan wächst eine riesige Mülldeponie gen Himmel.“
Die Hoffnungslosigkeit lasse viele resignieren. Jugendliche brechen die Schule ab, sie sehen keine Perspektive, werden zu früh Eltern. „Ein Teufelskreis verpasster Chancen“, so Bischof Wiesemann.
„Die katholische Kirche hat sich in den vergangenen Jahren stark für die Landrechte insbesondere der indigenen Völker eingesetzt“, verdeutlichte Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka den Teilnehmern der Delegation. Für ihn gehört die Landfrage zu den vordringlichen Problemen Paraguays.
„Das Recht der Indigenen auf ihr Land, das 1992 in den der Verfassung Paraguays festgeschrieben wurde, muss endlich vollständig durchgesetzt werden“, bekräftigte Bischof Franz-Josef Overbeck, der Vorsitzender der Bischöflichen Kommission Adveniat, zum Abschluss des Besuches in Paraguay. (is)

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