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Berlin – Die Kinderarmut in Deutschland nimmt wieder zu. Der Anteil der unter 15-jährigen Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind, hat sich bis Mai 2014 auf 15,7 Prozent oder 1,64 Millionen Jungen und Mädchen erhöht, wie aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert.
2012 lag die Hilfequote noch bei 15 Prozent. Zuvor war der Trend rückläufig. 2007 mussten der BA-Statistik zufolge 16,8 Prozent in dieser Altersgruppe von Hartz IV leben.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert nun ein Aktionsprogramm für Eltern, die mit ihren Kindern schon länger von Hartz IV leben müssen.
Laut einer neuen Analyse des DGB-Arbeitsmarktexperten Wilhelm Adamy erhalten derzeit mehr als 1,2 Millionen unter 15-Jährige seit mindestens einem Jahr Hartz IV, schreibt die SZ. 642.000 dieser Kinder sind demnach sogar seit vier Jahren oder länger auf die staatliche Hilfe angewiesen.
Vor allem bei den Jüngeren sei davon auszugehen, „dass sie direkt in Hartz-IV-Verhältnissen hineingeboren wurden. Damit ist das Risiko einer dauerhaften, quasi vererbten Hilfsbedürftigkeit hoch“, heißt es in der Untersuchung. Dieses Risiko nehme mit der Zahl der Kinder zu. Bei Paaren mit drei oder mehr Jungen und Mädchen sei der Anteil der Hartz-IV-Bezieher, die die Leistungen lange Zeit beziehen besonders hoch.
Der DGB kritisiert, dass es trotz vieler örtlicher Initiativen in Deutschland jedoch keinen übergreifenden Aktionsplan gegen Kinderarmut gebe. „Es passt nicht zusammen, über Fachkräftemangel zu diskutieren und zugleich zuzulassen, dass etwa 1,9 Millionen Kinder unter 18 Jahren im Hinterhof unserer Wohlstandsgesellschaft in Hartz-IV-Armut leben müssen“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.
Der DGB fordert deshalb ein Sonderprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Es soll sich zunächst auf die 450.000 Eltern konzentrieren, die arbeitslos gemeldet sind, Kinder im Haushalt haben, Hartz IV nicht mit einem Zusatzjob aufstocken und an keiner Maßnahme eines Jobcenters teilnehmen. Solche Eltern müssten „eine neue berufliche Perspektive erhalten, auch um ihre Vorbildrolle gegenüber ihren Kindern zu stärken“, verlangte Buntenbach.
Dem DGB schwebt dabei vor, mehr geförderte Arbeitsplätze zu schaffen, „sofern eine Beschäftigung anders nicht möglich ist“. Das Programm müssten Jobcenter, Kommunen, der Bund, Wohlfahrtsverbände und Vereine gemeinsam tragen. (dts Nachrichtenagentur)

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