Donnerstag, 29. Februar 2024

Bericht des Weltbiodiversitätsrats: BUND fordert Kehrtwende für wirksamen Schutz unserer Ökosysteme – auch in Annweiler macht man sich Gedanken dazu

6. Mai 2019 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße

Die Paarung des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings findet oft auf dem Blütenstand des Großen Wiesenknopfs statt. Auch seine Art ist vom Aussterben bedroht.
Foto: Josef Settele

Annweiler. Vertreter aus 132 Staaten verhandelten vom 29. April bis 4.Mai in Paris den Globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrates zum Zustand der Natur. Am 6. Mai wurde der Bericht vom Weltbiodiversitätsrat (IPBES) in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt.

Aus diesem Anlass fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine rasche Kehrtwende in der Art, wie wir leben und wirtschaften. „Die Zerstörung der biologischen Vielfalt bedroht die Menschheit mindestens so sehr wie die Klimakrise. Wir Menschen sind abhängig von funktionierenden Ökosystemen – sie sind die Grundlage unseres Lebens“, sagte Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Die Bundesregierung müsse schnelle und wirksame Maßnahmen umsetzen, um den ökologischen Kollaps zu verhindern. Es bedürfe dringend eines Umdenkens, weg von dem Wirtschafts-Mantra des ständigen Wachstums, hin zu echter Nachhaltigkeit.

„Der Bericht zeigt, dass mehr Arten derzeit vom Aussterben bedroht sind, als je zuvor in der gesamten Geschichte der Menschheit“, so Weiger. Der dramatische Verlust biologischer Vielfalt mache sich auch bei uns deutlich bemerkbar, etwa in dem massenhaften Insektensterben. Eine zentrale Ursache des Problems ist dem Bericht des Weltbiodiversitätsrats zufolge, dass weltweiter Handel und Konsum den Druck auf die Natur in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht haben.

Auch der Annweiler Bürgermeister-Kandidat Matthias Tönsmann unterstreicht in einer Pressemeldung anlässlich der Pariser Konferenz für Biodiversität die Wichtigkeit des Artenschutzes vor Ort: „Der Beschluss der VG Annweiler „Pestizidfreie Kommune“ gilt tatsächlich nur für die Flächen der Verbandsgemeinde und nicht für jene der Stadt Annweiler,“ so Tönsmann. „Gerade, weil die Stadt im Vergleich zur Verbandsgemeinde über weitaus mehr Flächen verfügt, lässt sich vor Ort noch weit mehr für die Artenvielfalt tun.“ Als positives Beispiel führt Tönsmann das EU-Offenhaltungsprojekt „LIFE Biocorridors“ in Dernbach an: „Hier werden wechselfeuchte Wiesen und Brachen gepflegt und geschützt, das sind die Lebensräume des bedrohten Wiesenknopf-Ameisenbläulings“ (siehe Foto).

Auf Nachfrage bei den Annweiler Grünen kommentierte Dagmar Lange: „Wir handeln bereits im Sinne des Artenschutzes und haben beispielsweise vergangenen Montag Wildsträucher für Vögel, Insekten & Co. gepflanzt“. Elf unterschiedliche Straucharten seien von den Mitgliedern der Grünen in der Markwardanlage zwischen der Straße nach Bindersbach und dem Osterbächel eingebracht worden. Die Standorte, südlich des Bienenhotels, seien zusammen mit der Gärtnerin des Bauhofs, Simone Hanslik, festgelegt worden. Bei den insgesamt 22 Sträuchern handele es sich ausschließlich um heimische Arten. So seien unter anderem Gewöhnlicher Schneeball, Mehlbeere, Berberitze und Kornelkirsche gepflanzt worden: „Alle ausgewählten Straucharten bieten Nektar für Insekten, insbesondere für Wildbienen und Schmetterlinge vom Frühjahr bis zum Frühsommer. Und Früchte für Vögel im Herbst und Winter“.

Wer mehr über die Möglichkeiten des Anpflanzens von Wildsträuchern im eigenen Garten erfahren möchten, der kann am Sonntag, 19. Mai 2019 zwischen 11 und 14, zur alten Konzertmuschel am Eingang zur Markwardanlage kommen. Die Biologin Dr. Dagmar Lange wird Führungen zu den Sträuchern anbieten und manch Wissenswertes zu den Straucharten berichten. (hi)

 

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