Dienstag 12.Mai 2026

Bad Dürkheimer Brunnenhalle: Vom Veranstaltungsort zum Lager – Therme verschlingt Millionen

20. Juli 2025 | Kategorie: Kreis Bad Dürkheim, Regional, Regional

Archifvfoto: Pfalz-Express/Ahme

Bad Dürkheim. Die Brunnenhalle in Bad Dürkheim, einst ein pulsierender Veranstaltungsort für Konzerte, Theater, Lesungen und Märkte, steht heute vor einem trostlosen Schicksal: Sie dient nur noch als Lager.

Während die Stadt Millionen in den Bau der neuen Therme investiert hat, bleibt für die Sanierung und Modernisierung der traditionsreichen Halle aus den 1930er-Jahren kein Geld übrig.

Eine Entscheidung, die in der Bevölkerung für Frust und Unverständnis sorgt.

Die Brunnenhalle: Ein kulturelles Erbe in der Warteschleife

Die Brunnenhalle, zentral gelegen in der Nähe des Gradierbaus und des Salinariums, war lange Zeit ein Herzstück des kulturellen Lebens in Bad Dürkheim.

Ursprünglich sollte sie umgebaut und erweitert werden, um Platz für eine moderne Touristinformation, Büros und eine Gastronomie zu schaffen – ein Vorhaben, das die Attraktivität der Kurstadt steigern und den Tourismus ankurbeln sollte. Ein Zuschuss von 1,13 Millionen Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) war bereits zugesagt, und im Haushalt 2024 waren fünf Millionen Euro für die Sanierung eingeplant. Doch diese Pläne sind vorerst auf Eis gelegt.

Im März 2025 entschied der Stadtvorstand, die Modernisierung der Brunnenhalle zurückzustellen. Der Grund: Die explodierenden Kosten für den Bau der neuen Salinarium-Therme, die inzwischen auf 42,5 Millionen Euro geschätzt werden – weit über dem ursprünglich geplanten Budget von 35 Millionen Euro.

Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt erklärte, die zusätzlichen Kosten der Therme erforderten eine „überlegte Priorisierung der Investitionen“. Die Daseinsvorsorge für die Bürger stehe an erster Stelle, und angesichts der finanziellen Lage sei die Entscheidung „unumgänglich“.

Therme verschlingt Millionen – Brunnenhalle wird zum Opfer

Die neue Therme, die im September 2025 eröffnet werden soll, ist zweifellos ein Prestigeprojekt für Bad Dürkheim. Mit einem Soleschwebebecken, einer Dachpanoramasauna und einer hochwertigen Ausstattung aus Holz, Natursteinoptik und handgefertigten Fliesen soll sie die Stadt als Gesundheits- und Tourismusstandort stärken.

Doch der Preis ist hoch: Die Baukosten stiegen aufgrund der Corona-Krise, des Ukraine-Kriegs und einer Bauindexsteigerung von über 40 Prozent drastisch an. Während die Stadtwerke ihren Anteil an den Kosten auf acht Millionen Euro gedeckelt haben, trägt die Stadt die Mehrkosten – und opfert dafür andere Projekte wie die Brunnenhalle.

Die Entscheidung, die Brunnenhalle nur noch als Lager zu nutzen, wird von vielen als Schlag ins Gesicht der kulturellen Identität Bad Dürkheims empfunden. „Das Gebäude droht zu verfallen und entwickelt sich zum unschönen Gegenpol der glanzvollen Therme“, heißt es in einem Artikel der Rheinpfalz. Die Halle, die einst ein Symbol für die kulturelle Vielfalt der Stadt war, steht nun leer, während das „rieslinggoldene“ Band der Therme in der Sonne glänzt.

Bürgerproteste und Alternativkonzepte

Die Entscheidung, die Brunnenhalle aufzugeben, stieß nicht nur auf Kritik in der Bevölkerung, sondern auch auf rechtliche Gegenwehr. Bereits 2023 klagte eine Anwohnerin gegen den geplanten Umbau der Halle, aus Sorge vor Lärmbelästigung durch Veranstaltungen und Gastronomie. Das Verwaltungsgericht Neustadt prüfte die Angelegenheit, und die Kreisverwaltung ging der Klägerin mit Kompromissen entgegen, etwa durch die Reduzierung der Zufahrtswege für Lastwagen. Dennoch zeigt die Klage, wie sensibel das Thema in der Bevölkerung ist.

Der Stadtvorstad arbeitet derzeit an einem Alternativkonzept, um die Ziele der Brunnenhalle – insbesondere die Schaffung einer modernen Touristinformation – anders umzusetzen. Claudius Güther, Beigeordneter für Wirtschaft und Tourismus, betonte, dass man „mit Hochdruck“ an Lösungen arbeite. Doch wie diese Lösungen aussehen und ob sie die kulturelle Bedeutung der Brunnenhalle ersetzen können, bleibt unklar.

Ein bitterer Nachgeschmack

Die Priorisierung der Therme auf Kosten der Brunnenhalle hinterlässt in Bad Dürkheim einen bitteren Nachgeschmack. Während die Stadt mit der Therme ein modernes Wahrzeichen schaffen will, verfällt ein historisches Gebäude, das für viele Bürger und Besucher einen hohen ideellen Wert hat. Die Hoffnung bleibt, dass die Stadt langfristig eine Lösung findet, um die Brunnenhalle wiederzubeleben – doch aktuell steht sie als trauriges Symbol für fehlende finanzielle Mittel im Schatten der millionenschweren Therme.

Kurpark Bad Dürkheim – Blick auf die Brunnenhalle
Foto: Pfalz-Express

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