Freitag, 20. Mai 2022

Bad Bergzabern: Stadt kein „Intensivpatient“ mehr

20. Januar 2018 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Regional
Bürgermeister Dr. Fred-Holger Ludwig mit zwei "Böhämmern". Fotos: Pfalz-Express/Licht

Bürgermeister Dr. Fred-Holger Ludwig mit zwei „Böhämmern“.
Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht – Fotostrecke am Textende

Bad Bergzabern – Es geht vorwärts in der Kurstadt, auch wenn noch viele Herausforderungen zu bestehen und Aufgaben zu bewältigen sind.

Das war der Tenor der Neujahrsrede von Bürgermeister Dr. Fred-Holger Ludwig (CDU) im Haus des Gastes am Freitagabend.

Zuvor hatte er im Foyer zusammen mit den Beigeordneten Monika Scheder und Martin Wichmann und flankiert von zwei „Böhämmern“ die rund 350 Besucher begrüßt.

Eine kleine Änderung gegenüber den Vorjahren gab es in der Programmabfolge: Nach der musikalischen Eröffnung mit Helmut Breunder (Trompete) und Peter Kusenbach (Klavier), den Sternsingern und der Schlüsselübergabe an das Prinzenpaar Claudio I. und  Kerstin I. der Karnevalsgesellschaft „Hameckia“ wurde die Vorführung der Leistungsgruppe des Turnvereins Bad Bergzabern vorgezogen.

Wieder setzen die jungen Turner die Schwerkraft außer Kraft und wirbelten mit Salti und Überschlägen durch den Saal (siehe Fotostrecke).

Hameckia Bad Bergzabern

Realschule plus wirbt für Konzept

Nach der körperlichen Leistung stand die geistige in Gestalt von fünf Schülern der Realschule plus im Vordergrund. Schulleiter Ludwin Michels warb für diese Schulform, die Theorie und Praxis ideal vereinten.

So berichteten die Schüler denn auch von ihren Praktika, die sie in einer Autowerkstatt, bei der Daimler AG in Wörth, im Krankenhaus oder in der Psychiatrie abgeleistet hatten. Das Hineinschnuppern in die berufliche Praxis habe ihnen die Berufswahl deutlich erleichtert, erzählten sie.

Böhämmer“ suchen Nachwuchs

Nach einem musikalischen Intermezzo mit der Jazz-Combo der Big Band des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum trat der Stadtchef ans Mikrofon und machte auf die schwierige Situation des Traditionsverein „Die Böhämmer“ (seit 1948) aufmerksam.

Der Verein – genauso wie die Trachtengruppe – braucht dringend Nachwuchsmitglieder, sonst droht die Auflösung. „Deshalb die große Bitte: Werden Sie wenigstens Fördermitglied“, appellierte Ludwig an das Publikum.

Ein Dank ging an Landrat Dietmar Seefeldt, der schon einige Mal zu Arbeitsgesprächen in der Stadt war. So habe man die Gewissheit, dass dem Kreischef das Schicksal Bad Bergzaberns am „kommunalen Herzen“ liege, sagte Ludwig.

Dann kam Ludwig zu dem Thema, das ihn am meisten umtreibt: Die Stadt fit für die Zukunft zu machen und die wirtschaftliche, wohnliche, touristische und gesundheitliche Attraktivität weiter zu steigern.

Stadt schon in der „Reha“

Er verglich den Zustand der Kommune mit einem Krankenhauspatienten:  2014, das Jahr, in dem Ludwig zum Bürgermeister gewählt wurde, „hatten wir mit Bad Bergzabern einen Intensivpatienten. Inzwischen gab es einen Zwischenaufenthalt auf der Normalstation und sind jetzt massiv mit Reha- Maßnahmen beschäftigt, die eine sehr gute Rekonvaleszenz aufzeigen.“ Viele Hände hätten dabei geholfen.

Eine der großen Herausforderungen sei die Bewältigung der derzeitigen sozialen Infrastruktur. Prognosen wiesen landesweit einen Anstieg der Pflegefälle von 39 Prozent aus. Umso bedauerlicher sei es, dass das Bauvorhaben „ Lebensräume für Jung und Alt“ mit der Liebenaustiftung nicht verwirklicht werden konnte.

Die Hoffnung ruht jetzt auf einem Investor, der im Bereich des ehemaligen Müttergenesungsheims (Weißenburgerstr/Tischbergerstr) eine altengerechte Einrichtung bauen will.

Armutsgefährung bekämpfen

Alterseinsamkeit und beginnende Altersarmut machten auch vor der städtischen Tür keinen Halt, sagte Ludwig. Deshalb sollten alle mithelfen, dass das Land Rheinland-Pfalz „seine Spitzenposition aller Bundesländer im Bereich der Altersarmutsgefährdung“ von etwa 17 Prozent hinter sich lasse.

Dazu zitierte Ludwig sogar die Enzyklika „Deus caritas est“ von Papst Benedikt XVI, wo es heißt: „ Innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen darf es keine Armut derart geben, dass jemandem die für ein menschenwürdiges Leben notwendigen Güter versagt bleiben.“ Gerade in Bad Bergzabern würden viele helfende Hände wenigstens etwas Abhilfe schaffen.

Neubürger willkommen

Bad Bergzabern soll weiter wachsen. Über 62 private Sanierungsmaßnahmen und Bauvorhaben wurden im letzten Jahr in die Wege geleitet, wovon 34 bereits fertig gestellt sind. Die Investitionen von 12 Millionen Euro wurden mit 2,2 Millionen Fördermitteln gepolstert.

Das habe besonders junge Familien zum Zuzug in die Innenstadt bewogen, sagte Ludwig. Hinter vielen Fassaden werde derzeit zudem renoviert.

15 Anfragen für neue Geschäftsansiedlungen liegen der Stadt vor – ein weiterer Pluspunkt. Derzeit gibt es in Bad Bergzabern etwa 130 inhabergeführte Gewerbe quer durch alle Bereiche. Das sei gut und wichtig, betonte Ludwig, um der Konkurrenz „auf der Grünen Wiese“ außerhalb der Stadtgrenzen zu begegnen.

Mehr Angebote für Gäste und Bürger 

Die Hotellandschaft habe sich weiter verbessert, führte Ludwig aus. „Die Gastronomie ist regional ausgewogen, allerdings müssen wir weiter versuchen die Öffnungszeiten besser zu koordinieren.“

Die seit Jahrhunderten bestehende Schenke im Rahmen des Umbaus „Engel“ weiter zu betreiben sei allerdings von Seiten des Innenministeriums, des Landesrechnungshofs und der ADD bisher unterbunden worden. Was den Erhalt des „Engels“, das „schönsten Renaissancehauses“ in Rheinland-Pfalz, als Museum angehe, stünden weitere Gespräche mit eben jenen Behörden an.

Die Kultur sei ebenfalls ein wichtiger Teil eines Kurorts und eines Staatsbads. Ludwig kündigte an, dass in diesem Jahr beispielsweise Hamlet im Schlossinnenhof vom Rhein Ruhr Theaterensemble aufgeführt werde.

Ein kleiner Exkurs des Bürgermeisters in die Historie führte die Gäste in die Bergzaberner Republik (1792 / 93) als erste Republik auf deutschem Boden. Schüler des Alfred Grosser Schulzentrums hatten sich in einer Ausstellung mit diesem Thema beschäftigt.

Damit war der Bogen zum Westwallmuseum gespannt, das unter Leitung von Martin Galle mit einem neuen Konzept bald wieder öffnet.

Die historische Altstadt als Juwel, neue und alte Events, die Aufwertung der Therme (die derzeit ein Edelstahl-Außenbecken und eine Vergrößerung des Saunadachgartens bekommt) und reichlich Blumenschmuck in Stadt und Kurpark sollen Bürgern, Kurgästen und Besuchern den Aufenthalt in der Stadt so schön wie möglich machen.

So werden ab Oktober 2018 die Maßnahmen zur Bachoffenlegung im Kurpark und im Bereich Hotel Luisenruhe begonnen, die die Stadt aber nur mit Landesförderung durch die Aktion „Blau plus“ bewältigen kann, denn man stehe noch immer „finanziell mit dem Rücken zur Wand“, so Ludwig.

In diesem Zusammenhang soll es dann auch ein Gesamtkonzept für den Kurpark geben. Das müsse zu den vier „W“ (Wasser, Wein, Wald und Wellness) passen.

Die Stadt solle nachhaltig und bewusst zu einem Ort der Gesundheit werden, nicht nur für Besucher der Stadt. Die Lebensräume der Bürger müssten für Gesundheitsförderung und Prävention entwickelt werden, um Lebensqualität und soziales Dasein zu verbessern, sagte Ludwig.

Stadt besser anbinden

Für eine bessere Anbindung der Stadt an die Metropolregion Mannheim oder die Technologieregion Karlsruhe gibt es seit 2017 einen kleinen Erfolg: Immerhin fährt eine späte Bahn nun nach Bad Bergzabern – vorerst bis 2019.

Es müssten aber noch mehr Verbindungen zu Randzeiten eingerichtet werden, forderte Ludwig, denn „es kann nicht sein, dass eine Kurstadt wie die unsere vom sozialen und kulturellen Leben der Region ausgeschlossen wird.“

Die Albtalbahn habe immerhin Interesse gezeigt – was einen Anschluss an die Stadtbahn Karlsruhe bedeuten würde.

Ludwig: „Wenn das klappt, auch in Verbindung mit der Ortsumgehung durch den Tunnel, für den mit dem ersten Spatenstich der Beginn eingeläutet wurde, wäre das für unsere Infrastruktur ein enorm großer Schritt zur Teilhabe an dem Geschehen der näheren und weiteren Umgebung.“

Des Weiteren werde die Stadt nach den Grundsätzen handeln:

  • Handeln ohne Strategie kann einem Kopf und Kragen kosten.
  • Niemals aufgeben, denn das kann man später immer noch.
  • Gemeinsam können ungeahnte Synergien entstehen.

Ehrenamtlich oder hauptamtlich? 

Am Schluss warf der Bürgermeister die Frage auf, ob die Stadt mit ihren Teilaufgaben (Heilklimatischer Kurort, Staatsbad, Stadtwerke Gartenamt, Therme, historische Stadtentwicklung, Zentren Management, Kurpark, städtische Immobilien) noch im Ehrenamt „händelbar“ sei oder ob man unabhängig von der Einwohnerzahl (8.151) eine Hauptamtlichkeit anstreben müsse.

Dank für engagierte Helfer und Unterstützer

Susanne Schultz vom Zentrenmanagement bekam für ihr Engagement (unter anderem die Einführung des „Hamecker-Markts“) einen großen Blumenstrauß, ebenso die Damen Klein und Paulat vom Vorstand „Essen auf Rädern“ für 40-jährige Tätigkeit der der Gemeinschaft, das Ehepaar Schüler für die 25-jährige Pflege des „Traditionsvereins Fernmeldebataillon 860, Fernmeldekompanie und    Fernmeldeausbildungskompanie“ und die Trainerin der Turnerriege, Beate Jacobi.

Den musikalischen Schlusspunkt setzen nochmals die Jazz-Combo und der Chor „Palatina Vocalis“.  (cli)

 

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