
Fotos: v. privat
Bellheim – Wie will und kann ich im Alter leben? Dieses Thema scheint die Generation 50 plus zu bewegen. Jedenfalls war das Bürgerhaus in Bellheim zur SPD-Veranstaltung gut gefüllt.
Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die vorgestellten Lösungswege. Felix Werling, Vorsitzender der Kreis-SPD, begrüßte mit einem Zitat von John Knittel: „Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft“. Daraus ergäbe sich die gesellschaftliche Aufgabe, unseren Mitmenschen und Angehörigen ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben auch im hohen Alter garantieren zu können, so Werling.
Nicole Zor (Pflegeberatung Zor, Wörth) gab einen Überblick über die demografische Entwicklung: „Bis 2030 steigt die Zahl der Menschen mit Hilfebedarf auf 3,4 Millionen (2010: 2,4 Mio., Quelle: Stat. Bundesamt), während die Zahl der informellen Pflegepersonen drastisch sinken wird.“

„Sorgende Gemeinschaften“
Zor hatte Antworten parat für das, was wir zukünftig brauchen: „Sorgende Gemeinschaften gilt es aufzubauen, wie beispielsweise organisierte Nachbarschaftshilfen oder Bürgervereine mit Bürgerbussen für Arztfahrten oder Einkäufe“. Aber auch Seniorenbeiräte in den Gemeinden und Netzwerke aller Akteure seien wichtig.
WG in Neuburg
Ein funktionierendes Beispiel aus der Praxis stellte Arnika Eck, die Vorsitzende des Bürgervereins Neuburg, vor. „Unser Verein begann in 2011 mit niedrigschwelligen Angeboten, inzwischen absolvieren wir rund 300 Arzt- und Einkaufsfahrten im Jahr“.
Zudem habe man sich an ein Großprojekt, das das Alt werden im Heimatort ermöglicht, heran gewagt: Dem Bau einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft für 12 Personen. Die WG sei von Anfang an voll belegt gewesen. „Der Bürgerverein Neuburg ist ein klassisches Beispiel, wie Bürger ihre Angelegenheit selbst erfolgreich in die Hand nehmen können,“, so Eck.
Landarztquote
Die Landtagsabgeordnete Dr. Kathrin Rehak-Nitsche berichtete über verschiedene Punkte der Verbesserung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum unter anderem von Plänen der Landesregierung, eine Landarztquote einzuführen. Das würde bedeuten, dass sich zehn Prozent der Medizinstudenten verpflichten sollen, 10 Jahre in einer Gemeinde ohne Arzt zu praktizieren. „In drei bis vier Jahren müssten wir davon einen Nutzen verspüren“, so Rehak-Nitsche.
Tag strukturieren
Ein Beispiel, bei dem sich Angehörige und Profis die Verantwortung für Menschen mit Hilfebedarf teilen, gab Michaela Heilmann von der Tagespflege-Einrichtung Niederwiesen aus Wörth. „Wir geben den Gästen von 8 bis 17 Uhr eine Tagesstruktur mit vielen Beschäftigungsangeboten.“
Pflegekasse nutzen
Viele Angehörige wüssten nicht, dass die Pflegekasse einen großen Teil der Kosten übernehme. Heilmann machte ein Rechenbeispiel: „Bei einem vorhandenem Pflegegrad z. B. 3 ist bei einem Besuch von einem Tag pro Woche die Tagespflege komplett kostenfrei durch die Übernahme der Pflegekasse. Bei einem Besuch an zwei Tagen pro Woche sind gerade mal 50 Euro selbst zu finanzieren“.

Asiatische Pflegekräfte
Auch der Fachkräftemangel in der Altenpflege war Thema des Abends. Dazu lieferte Roland Hecht einen Lösungsvorschlag: „Unser Unternehmen, RH-Asia-Consulting in Hagenbach, vermittelt Fachkräfte aus dem asiatischen Raum und unterstützt Ausbildungseinrichtungen von der Rekrutierung in Vietnam bis zur Ankunft in Deutschland“. „Wir kümmern uns um alles Administrative“, sagte Hecht. (arn)
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