Dienstag, 14. August 2018

20 Jahre Ambulanter Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Landau/Südliche Weinstraße: Benefizveranstaltung am 12. Oktober in der Landauer Festhalle

28. Juli 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Regional

Elfriede Fath, Ute Schneider-Beiwinkel, Gabriele Becht, Hanne Sarcinelli und Dieter Weber (v.l.) wollen die Palliativarbeit noch bekannter machen.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau/SÜW. Vor knapp zwanzig Jahren wurde der Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst für Landau und die Südliche Weinstrasse gegründet; im Jahr 2019 kann das 20-jährige Bestehen dieser Einrichtung begangen werden.

In der Trägerschaft des Vinzentius-Krankenhauses Landau, des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche der Pfalz und der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz wurde aus zunächst kleinen Anfängen ein Ambulanter Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst aufgebaut.

Mit hauptamtlicher Leitung und Koordination durch Ursula Zirkel, den beiden Hospizschwestern Ute Schneider-Beiwinkel und Elfriede Fath und bei ärztlicher Beratung durch Dr. Michael Hatzenbühler und Dr. Fadil Brovina geschieht eine kostenfreie Begleitung und Unterstützung lebensbedrohliche erkrankter Menschen in der letzten Lebensphase und ihrer Familien/Freunde/Angehörigen.

Die Mitarbeit Ehrenamtlicher ist schon seit Beginn zentraler Bestandteil des Dienstes. Über die Jahre wurden über 130 Frauen und Männer aus verschiedenen Altersgruppen, unterschiedlichen Berufen und Konfessionen, ausgewählt und für diesen Dienst qualifiziert.

Aktuell sind 50 Ehrenamtliche aktiv. „Sie nehmen sich Zeit zum Gespräch und Zuhören, tragen Hoffnungen und Ängste mit, entlasten, begleiten und stärken die Angehörigen“, so der Vorsitzende des Fördervereins Ambulante Hospizarbeit, Pfarrer Dieter Weber im Pressegespräch.

In naher Zukunft wird in Landau ein stationäres Hospiz errichtet. Das sei wichtig und gut für Betroffene und ihre Familien in Stadt und Landkreis, sagt Weber.

Auch dann werde der Ambulante Hospizdienst dringend gebraucht.
Beide Einrichtungen, der Ambulante Dienst wie das stationäre Hospiz, benötigten Unterstützung, Würdigung und öffentliche Aufmerksamkeit – im Dienste und im Interesse der betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen und für die Gestaltung einer humanen Gesellschaft.

Das 20-jährige Bestehen des ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes sei ein guter Anlass, ein schweres Anliegen in angemessener Weise öffentlich zu thematisieren.

Menschen, die die Hilfe des Dienstes in Anspruch nehmen, sind zu 97 Prozent Tumorpatienten, erzählen Ute Schneider-Beiwinkel (Palliativ-Fachkraft), Gabi Becht und Hanne Sarcinelli (Förderverein), darunter waren auch letztes Jahr alleinerziehende Mütter mit Kindern.

„Sterbebegleitung ist Lebensbegleitung“ – man wolle nicht bewerten, sondern den Menschen einfach auf seinem letzten Weg begleiten und noch eine gewisse Lebensfreude vermitteln.

Was muss ein ehrenamtlicher Begleiter mitbringen für diesen Dienst? „Man muss sich zurücknehmen, team-und kritikfähig und „geerdet“ sein, um diesen anspruchsvollen Dienst leisten zu können“, so Schneider-Beiwinkel.

Mit Hilfe von Trauergruppen,Gedenkgottesdiensten und ganz neu, Trauerwanderungen werden auch die Angehörigen nicht alleine gelassen.

Letzte Lieder ist ein bundesweites Projekt, das erstmalig in Rheinland-Pfalz gezeigt wird.
c) Ralf Kopp – Marc Bartolo

Das Projekt „… und die Welt steht still …“ / Letzte Lieder und Geschichten aus dem Hospiz

Ein ganz besonderes Projekt im nächsten Jahr soll den Hospizgedanken an die Öffentlichkeit tragen.

Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird erstmals in Rheinland-Pfalz am 12. Oktober 2019 in der Landauer Jugendstilfesthalle eine große kulturelle Veranstaltung stattfinden, die als multimediales Kunstprojekt ausgearbeitet ist.

Mit „Letzte Lieder“ werden existenzielle Themen aller Menschen aufgegriffen; sie sollen ein „Beitrag zur Diskussion über Lebenswerte, Lebensqualität, Beistand und gegenseitige Verantwortung in der letzten Lebensphase“ sein.

Das Projekt sei „weit mehr als ein Benefiz-Abend“, so die Veranstalter. Es sei ein „regional bezogenes Gesamtkunstwerk aus Text, Musik, Video und Licht.“

Die Konzeption ist als Gang durch verschiedene Zimmer ausgerichtet. Dabei begegnet man während der Aufführung in den erzählten Geschichten und Liedern Menschen mit ihren Gefühlen – von Freude und Glück bis Trauer und Angst.

Das Programm dieser Veranstaltung wurde von Menschen in ihrer letzten Lebensphase gestaltet. Sie entscheiden über Musik und Inhalte. Bis es zur Aufführung kommt, vergehen durchschnittlich zwölf Monate.

Autor Stefan Weiller.
c)clear_c_lenaobst

Autor Stefan Weiller kommt lange vor der Veranstaltung in die Region, um nach Vermittlung des Ambulanten Hospizdienstes mit Menschen zu sprechen, die mit dem nahen Tod konfrontiert sind.

Er führt Interviews und seine Eingangsfrage lautet: „Welche Musik ist Ihnen kostbar und welche Erinnerung verbinden Sie damit?“

Er sammelt Lieder und dazugehörige Geschichten. Aus den Gedächtnisprotokollen und Motiven der Interviews und aus der Bedeutung der Musik entsteht der Grundgedanke des Projekts „Und die Welt steht still“ – Letzte Lieder und Geschichten von Menschen im Hospiz.

Es entsteht ein musikalisches Vermächtnis, das von Lieblingsmusiken einerseits und Lebensgeschichten andererseits getragen ist.

Alle für das Projekt interviewten Menschen wissen zum Zeitpunkt des Gesprächs, dass sie in naher Zukunft sterben müssen.

Das Projekt ist durchaus eine organisatorische Herausforderung, denn jede Musik muss live gespielt werden.

Die Landauer Aufführung am 12. Oktober 2019 wird gestaltet von
Schauspieler Christoph Maria Herbst, Schauspielerin Eva Mattes als Sprecherin, Annette Postel (Edenkoben), Christina Schmid, Sopran, Mareike Bender, Mezzosopran, Ralf Sach, Pianist, Organist und musikalischer Leiter, dem Maulbronner Kammerchor und weiteren Solisten.

Vorveranstaltung am 6. November 2018

Autor Stefan Weiller kommt schon in diesem Jahr für eine Vorveranstaltung nach Landau. Am 6. November 2018 um 19 Uhr findet in der Aula der Maria-Ward-Schule eine multimediale Lesung mit ihm statt.

Zur Person Stefan Weiller

Der Initiator des Projekts „Letzte Lieder und Geschichten aus dem Hospiz“, Stefan Weiller (46), stammt aus Herxheim und hat lange Jahre als Journalist gearbeitet.

Vor einigen Jahren hatte er den Auftrag, für eine Lokalzeitung eine Reportage über eine Bewohnerin im Hospiz zu schreiben.

Die schwer kranke Frau, bei der Weiller zum Interview angekündigt war, überraschte ihn mit Lebensfreude und großer Lust an Schlagermusik.

Nach zwei Stunden Gespräch – zwischen großer Ernsthaftigkeit und einer geradezu schlagerhaften Leichtigkeit – war die Idee geboren: Lebensmusiken und Lebensgeschichten, gesammelt bei Menschen im Hospiz, zu einem Konzert zu verbinden und damit einen sensiblen Zugang zu den letzten Lebensräumen zu öffnen.

2016 wurde er vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. (desa/red)

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