
Ministerpräsident Kurt Beck und Staatssekretär Werner Gatzer unterzeichnen die Vereinbarung. Mit dabei: Landrätin Riedmaier, Bürgermeister Bratz, Verbandsbürgermeister Bohrer und der rheinland-pfälzische Staatssekretär Dr. Barbaro. Fotos: pfalz-express.de/Licht
Bad Bergzabern – Medien, Politik, Institutionen: Alle waren bei einer kleinen Feierstunde in der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Bergzabern Zeuge eines „großen Geschenkes an die Region“ (Landrätin Riedmaier). Anlass war die Unterzeichnung der Vereinbarung zur Übertragung des Eigentums an Anlagen des ehemaligen Westwalls zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Rheinland-Pfalz.
„Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, im Einvernehmen mit Umweltschutzverbänden, der Denkmalpflege, örtlichen Initiativen und Einrichtungen der politischen Bildung eine neue Konzeption für die Zukunft der Westwallanlagen in Rheinland-Pfalz zu entwickeln. Ich freue mich und danke der Bundesregierung, dass Rheinland-Pfalz und die Bundesrepublik heute mit einer entsprechenden Vereinbarung die Grundlage schaffen, dass wir unser Ziel realisieren können,“ sagte Ministerpräsident Kurt Beck sichtlich bewegt.
Die Aufbauten genießen eigene Rechte und so war bisher der Bund als Eigentümer für die Bunkeranlagen zuständig. Man habe beim Bund nur sicherheitstechnische Belange verfolgt und hat nicht unbedingt die historische Bedeutung gesehen, sagte Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. Mit der neuen Vereinbarung gehen die Anlagen in den Besitz des Landes Rheinland-Pfalz über. Ein langwieriger Verhandlungsprozess habe damit seinen Abschluss gefunden, so Gatzer.
Als „gigantischen Wahnsinn sondergleichen“ bezeichnete Kurt Beck das, was der Nationalsozialismus seinerzeit zur Sicherung seiner Grenzen errichtet hatte. 650 Kilometer Wall, 20.000 Bunkeranlagen, 250 Kilometer Höckerlinien (Panzersperren); Häuser hinter dem Westwall wurden abgerissen, Dörfer zu Wehrdörfern entwickelt. Die Existenz der ländlichen Bevölkerung war durch Evakuierungen bedroht.
Die Südpfälzer hätten Krieg und Naziherrschaft gleich zu Beginn von der schlimmsten Seite erlebt, sagte Beck. „In meinem Heimatort Steinfeld, durch den Hitler den Westwall erbauen ließ, mussten bereits am 1. September 1939 Einwohner ihre Häuser verlassen und wurden obdachlos. Die Bilder einer verwüsteten Landschaft habe ich noch aus meiner frühen Kindheit im Kopf. Wir haben in den gesprengten Bunkern gespielt.“
Nie habe er verstehen können, dass die Bunker gesprengt wurden. Beck erinnerte an seine langjährigen Bemühungen, die Ruinen des Westwalls als Friedensmahnmal für nachkommende Generationen zu erhalten. Zwar sei 1949 der Westwallbereich als besondere Förderzone anerkannt worden, man habe aber trotzdem viele Jahrzehnte gespürt, dass „Benachteiligungen da waren“.
„Wir müssen die Erinnerung daran wach halten mit dem Ziel, politischen und ideologischem Fanatismus nie wieder eine Chance zu geben“, so Ministerpräsident Kurt Beck. „Wir wollen einen falschen Zungenschlag vermeiden“, sagte er der Presse.
Er verwies aber auch auf die naturschutzfachliche Bedeutung des Westwalls. Beck: „Dies ist zugleich ein Beitrag zum Naturschutz, denn die Anlagen haben sich zu einem wichtigen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Fledermausarten oder seltene Flechten entwickelt“. Beck betonte auch den touristischen Aspekt des Westwalls und forderte die Bürger auf, auch selbst konstruktive Anregungen zu geben. „Wir wollen auch Landkreise und Kommunen mit in die Entscheidungsfindung einbinden“.
Auch Werner Gatzer begrüßte die einvernehmliche Vereinbarung. Sie leiste nicht nur einen Beitrag zur Verwaltungsvereinfachung und Entflechtung der politischen Entscheidungsräume, sondern ermögliche es dem Land, eine neue, eigenständige Konzeption für die Anlagen zu entwickeln.
„Die Anlagen des ehemaligen Westwalls sind Kulturdenkmäler des Landes Rheinland-Pfalz. Für Pflanzen und Tiere, für zahlreiche gefährdete Arten bilden die Relikte der ehemaligen Bunker- oder Stollenanlagen wertvolle Lebensräume. Das sind Gründe genug, uns für den Erhalt einzusetzen“, betonte der rheinland-pfälzische Finanzstaatssekretär Dr. Salvatore Barbaro. Über die zukünftige Rechtsform muss noch beraten werden, favorisiert wird eine Stiftung.
Der Bund zahlt dem Land außerdem als Ausgleich für die Anlagen 25 Millionen Euro. Somit steht der Neukonzeption des Westwalls nichts mehr im Wege. Im Gegenzug ist der Bund künftig nicht mehr für Sicherungsmaßnahmen der Anlagen verantwortlich. (cli)
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



Rheinland-Pfalz hat mit dem Bund eine Vereinbarung getroffen, die es dem Land ermöglicht, die Ruinen des ehemaligen Westwalls zu erhalten. Das Land ...
Offenbach. Der Landwirtschaftsmeister Fritz Steegmüller aus dem südpfälzischen Offenbach wird am Dienstag, 30. Oktober 75 Jahre alt. Der CDU-Kommunalpolitiker gehörte von 1984 ...
Landau. Der Countdown läuft: Ministerpräsident Kurt Beck wird in zwei Tagen sein Amt in Mainz offiziell an die designierte Ministerpräsidentin Malu ...
Ingelheim/Steinfeld – Der frühere rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck geht als Berater in die Wirtschaft. Der im Januar als Ministerpräsident zurückgetretene SPD-Politiker berät ...
Mainz. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei 350 ehrenamtlich engagierte Bürger aus ganz Rheinland-Pfalz empfangen. Dreyer sagte zu ...
Kreis Germersheim – Windenergieanlagen sind seit der Errichtung der ersten Anlagen in Schwegenheim und Minfeld im Jahr 2004 ein fester Bestandteil des ...
Landau. In lockerer Runde, erstmals mit Brunch, hatte die südpfälzische SPD am Sonntag zu ihrer „etwas anderen“ Neujahrsveranstaltung in den Gemeindesaal der ...
Offenbach. Jetzt hat Offenbach ein richtiges, weitläufiges und großzügig bemessenes Bürgerzentrum. Gestern begrüßte Bürgermeister Axel Wassyl zur offiziellen Einweihung des Neu – ...
Mainz – Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hegt keinen Groll mehr gegen seine Parteigenossen Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück. Dem ...
Mainz/Herxheim. Bei der insgesamt 50. Verleihung der Sportplakette des Landes Rheinland Pfalz, der letzten, die Kurt Beck als Ministerpräsident des Landes durchführte, ...
Mainz – Eine Überraschung war es doch: Alexander Schweitzer übernimmt von Malu Dreyer das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie. Das ...
In Deutschland sind mittlerweile rund 100.000 Autofahrer mit Erdgasfahrzeugen unterwegs. Jährlich werden es mehr. Das macht sich auch an den zehn Erdgastankstellen ...












