
Noch voller freudiger Erwartung: Stadtbürgermeister Michael Gaudier nebst Beigeordneten und den „Eiersammlern“ beim Maibaum-Aufstellen.
Foto: v. privat
Kandel / Hagenbach / Wörth / Jockgrim – Der Auftakt klang nach einem Bildernachmittag: Am 30. April wurde in Kandel feierlich der Maibaum gestellt, begleitet von bester Stimmung, Freibier (großzügig gestiftet von Bärenbräu) und vielen Kandelern.
Landjäger und Brezeln vom Zille? Binnen kürzester Zeit restlos vergriffen. Stadtbürgermeister Michael Gaudier freute sich über den großen Zuspruch beim Maibaumstellen: „Das Bier wurde trotz meiner Rede nicht sauer.“ Da ahnte noch niemand, dass kurze Zeit später nicht nur das Bier, sondern der Maibaum weg sein würde.
Denn am Abend dann die Überraschung: Der Maibaum war abgesägt und einfach spurlos verschwunden.

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Und Kandel war kein Einzelfall. Auch in Hagenbach, Wörth und Jockgrim verschwanden die festlich geschmückten Bäume. Ein koordinierter „Schlag“?
Die Forderung ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten. Laut Hagenbachs Stadtbürgermeister Christian Hutter wurden für die Rückgabe jeweils zwei Kisten Bier verlangt, eine klassische Währung in solchen Fällen.
In Kandel jedoch gab man sich gelassen. Bürgermeister Gaudier betont: „Wir sollten uns nicht erpressen lassen.“ Stattdessen setzt er auf Deeskalation und bot an, die Bäume zurückzunehmen. Ohne Anzeige, versteht sich. Schließlich gehört ein gewisses Augenzwinkern zur Tradition: „Scherze unter gleichen Vereinen sind tolerabel, wenn es keine Schäden gibt. So machen wir es auch zwischen den Feuerwehren in Kandel und Wörth.“
Und dann die Wendung: Die Bäume sind wieder aufgetaucht. Genauer gesagt: Sie lagen in Steinweiler auf dem Dorfplatz, gut sichtbar und offenbar unversehrt. Vermutlich führte ein hinterlassener Hinweis an den abgesägten Baumstümpfen zu den Maibaum-Klauern.

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In Kandel seien die „geschädigten Eiersammler“ seien bereits informiert worden, heißt es aus dem Rathaus. Gaudier sieht sich nun auch als Vermittler und Schlichter: „Ich lade beide rivalisierenden Gruppen zur Klärung ein.“ Und falls die Gespräche ins Stocken geraten sollten, hat er bereits einen bewährten Plan B parat: „Zur Not gibt’s nochmals Freibier von mir.“
Bleibt die Erkenntnis: In der Südpfalz wird Tradition gelebt, manchmal eben auch mit kleinen Umwegen über den Nachbarort.

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