Freitag 9.Oktober 2026

Urteil des Landauer Landgerichts: Züchterin bekommt Recht – Mann muss Hündin und alle acht Welpen herausgeben

10. September 2026 | Kategorie: Landau, Ratgeber, Recht, Tiere

Landau/Freimersheim. Eine Hundezüchterin und ein Mann aus Freimersheim schlossen einen Vertrag über eine Hündin. Der Mann sollte die Hündin bei sich aufnehmen und alle laufenden Kosten tragen.

Die Züchterin blieb aber zunächst Eigentümerin. Der Mann sollte erst später Eigentümer werden – und zwar erst dann, wenn die Züchterin vorher zwei oder drei Welpen (je nach Vertragsvariante) nach eigener Wahl bekommen hatte.

Statt der Welpen konnte sie sich auch den entsprechenden Geldbetrag auszahlen lassen. Wichtig war: Sie sollte die Welpen persönlich ansehen und ihr Erstwahlrecht ausüben können.Die Hündin warf acht Welpen.

Der Mann ließ die Züchterin aber nicht zu den Tieren, damit sie auswählen konnte. Er meinte, Fotos, Videos oder ein Videotelefonat reichten aus. Daraufhin erklärte die Züchterin die „Kündigung“ des Vertrags und verlangte die Hündin sowie alle acht Welpen zurück. Der Mann weigerte sich. Er war der Meinung, die Hündin und die Welpen gehörten ihm inzwischen.

Die Welpen habe er außerdem schon weitergegeben.

Das Landgericht Landau (3. Zivilkammer) gab der Züchterin Recht und verurteilte den Mann, die Hündin und alle acht Welpen herauszugeben.

Warum?

Entscheidend war der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum: Der Mann hatte die Hündin bei sich → er war Besitzer.
Eigentümerin blieb aber die Züchterin, weil die Voraussetzungen für den Eigentumsübergang (Auswahl der Welpen) noch nicht erfüllt waren. Der Vertrag sagte das ausdrücklich.

Weil die Züchterin bei der Geburt Eigentümerin der Hündin war, gehörten ihr automatisch auch die Welpen. Es gilt der Grundsatz: Wer Eigentümer des Muttertiers ist, ist auch Eigentümer der Jungen.

Die erklärte „Kündigung“ wertete das Gericht als wirksamen Rücktritt vom Vertrag. Der Mann hatte eine wesentliche Vertragspflicht verletzt, indem er die persönliche Auswahl der Welpen verweigerte. Dass er sie nicht mehr in sein Haus lassen wollte, half ihm nicht – er hätte ein Treffen an einem anderen Ort ermöglichen können.

Auch der Einwand, die Welpen seien schon weitergegeben, nützte nichts. Der Mann sagte nicht, an wen und wo die Welpen sind. Das ging zu seinen Lasten.

Das Urteil ist rechtskräftig. (Landgericht Landau in der Pfalz, Urteil vom 11.11.2022, Az. 3 O 24/22)

Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen kurz erklärt:

§ 903 BGB: Der Eigentümer darf mit seiner Sache grundsätzlich machen, was er will, und andere davon ausschließen.
§ 854 BGB: Besitz entsteht, sobald jemand die tatsächliche Gewalt über eine Sache hat (also z. B. den Hund bei sich hat).
§ 985 BGB: Der Eigentümer kann vom Besitzer die Herausgabe der Sache verlangen.

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