
Eine Honigbiene auf einer Blume in Deutschland
Quelle: © VIER PFOTEN
Hamburg– Ein blühender Garten oder Balkon ist nicht nur schön anzusehen, sondern kann auch ein wichtiger Lebensraum für bedrohte Wildtiere sein. Gerade in den Sommermonaten sind Rückzugsorte, Nahrung sowie Schutz vor Hitze und Trockenheit für Tiere wie Wildbienen, Vögel, Igel und Schmetterlinge überlebenswichtig.
Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin und Wildtierexpertin bei TIERART, einer Wildtierstation von VIER PFOTEN, erklärt, wie tierfreundliches Gärtnern gelingt – sowohl im Garten als auch auf dem Balkon.
„Viele Menschen wünschen sich einen gepflegten Garten oder einen ordentlichen Balkon. Für die Natur ist es jedoch besser, wenn wir Wildnis zulassen“, sagt Lindenschmidt. Wer auf blütenreiche, heimische Pflanzen, wilde Ecken und natürliche Materialien setzt, schafft wichtige Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Besonders wertvoll sind artenreiche Pflanzungen mit Wildblumen, Kräutern und heimischen Sträuchern wie Holunder, Sanddorn oder Eberesche.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Mit wenigen einfachen Schritten lässt sich viel erreichen – auch auf engem Raum. Eva Lindenschmidt empfiehlt:
Heimische Blühpflanzen statt Exoten: Arten wie die Wilde Möhre, die Malve, der Lavendel oder der Thymian sind ökologisch wertvoll und attraktiv.
Pestizidfrei gärtnern: Auf chemische Spritzmittel und synthetische Dünger sollte verzichtet werden, da sie Bienen, Igeln und Bodenlebewesen schaden.
Wasser anbieten: Eine flache Schale mit frischem Wasser, die am besten täglich gereinigt und mit kleinen Steinen bestückt wird, hilft Vögeln und Insekten in der Sommerhitze.
Natürliche Nistplätze schaffen: Totholz, offene Bodenstellen oder Pflanzenstängel bieten Wildbienen ideale Brutplätze. Auch Nistkästen für Vögel oder selbst gebaute Insektenhotels sind sinnvoll.
Unordnung zulassen: Weniger mähen, Laubhaufen oder wilde Ecken erhalten – das macht den Garten für viele Tierarten lebensfreundlicher.
Auch Balkone können genutzt werden. Kübel mit Kräutern wie Thymian, Oregano oder Salbei ziehen Insekten an. Vertikale Gärten oder Hochbeete bieten zusätzliche Möglichkeiten.
Ein Erlebnis für Kinder
Ein naturnaher Balkon oder Garten bietet Kindern spannende Einblicke in die Welt der Tiere. „Wenn Kinder sehen, wie Bienen Blüten anfliegen oder Schmetterlinge landen, entsteht eine direkte Verbindung zur Natur“, erklärt Lindenschmidt. Beim gemeinsamen Pflanzen, Gießen oder Beobachten lassen sich spielerisch Kenntnisse über verschiedene Arten und Verantwortungsgefühl vermitteln. Selbst ein kleines Beet oder ein Insektenhotel kann den Garten zum Lernort machen und Kinder begeistern.
Fazit: Jeder Quadratmeter zählt
Ob auf dem Land oder in der Stadt: Tierfreundliches Gärtnern bereichert nicht nur die Tierwelt, sondern auch das eigene Naturerlebnis. „Es braucht keine großen Flächen“, sagt Eva Lindenschmidt. „Schon ein einziger Blumentopf mit der richtigen Pflanze kann helfen.“
TIERART Wildtierstation
Die TIERART Wildtierstation beherbergt und pflegt zahlreiche heimische Wildtiere wie Füchse, Dachse, Wildkatzen, Waschbären, Hasen oder Igel. Manche Schützlinge sind nur vorübergehende Gäste. Nachdem sie medizinisch versorgt wurden und wieder genesen sind, werden sie zurück in die Wildnis entlassen. Tiere, die nicht wieder in die freie Natur ausgewildert werden können, finden hier ein dauerhaftes, artgemäßes Zuhause.
Die TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN gibt auch Großkatzen, die unter mangelhaften Bedingungen in Zoos, Zirkussen oder in privater Gefangenschaft gehalten wurden, eine neue, artgemäße Heimat. Im Jahr 2021 eröffnete auf dem Gelände der Wildtierstation die deutschlandweit erste Auffangstation für Luchswaisen. Hier werden verletzte oder verwaiste Luchse aufgenommen, gepflegt und anschließend ausgewildert.
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