Montag 7.September 2026

Think First: Drei Schüler aus Neustadt setzen beim Handy auf Pause statt Verbot

15. August 2026 | Kategorie: Kreis Bad Dürkheim, Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Leute-Regional, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Ratgeber, Regional, Rhein-Pfalz-Kreis, Smartphones & Apps, Südwestpfalz und Westpfalz

Bild: HBJ-Solutions GbR

Während Rheinland-Pfalz über strengere Handyregeln an Schulen diskutiert, haben drei Schüler aus Neustadt an der Weinstraße eine ganz andere Idee: Nicht verbieten, sondern kurz innehalten. Ihre App „Think First“ soll verhindern, dass der Griff zu Instagram oder TikTok einfach nur noch automatisch passiert.

Handy raus, App öffnen, losscrollen. Manchmal dauert dieser ganze Vorgang nur ein paar Sekunden und schon steckt man mitten im nächsten Video. Ob man Instagram, TikTok oder eine andere App eigentlich gerade wirklich öffnen wollte, darüber denkt man oft gar nicht mehr nach.

Genau da setzen Julius Spindler, Ben Seiler und Hugo Endele an. Die drei haben „Think First“ entwickelt. Julius Spindler ist 16 Jahre alt.

Die Idee kommt zu einem Zeitpunkt, an dem auch in Rheinland-Pfalz über ein anderes Mittel gegen die Smartphone-Nutzung diskutiert wird: Die Landesregierung plant verbindliche Regeln und ein Verbot der privaten Handynutzung an Schulen bis einschließlich Klasse 10.

Die drei Neustadter Entwickler gehen bewusst in die andere Richtung.

Keine Sperre, sondern ein kurzer Denk-Moment

„Think First“ blockiert Instagram, TikTok und andere ausgewählte Apps nicht einfach. Stattdessen schiebt die App einen kurzen Moment dazwischen. Ein Countdown läuft, dazu erscheint eine Frage: Warum möchte ich die App gerade öffnen?

Danach kann der Nutzer selbst entscheiden. Er kann die App öffnen – oder es eben lassen.

Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber genau der Punkt hinter „Think First“. Die Entwickler wollen nicht die Nutzung erzwingen oder verhindern, sondern den automatischen Griff zum Smartphone unterbrechen.

„Wir haben Think First gebaut, weil harte Blocker bei uns selbst nicht funktioniert haben – man deaktiviert sie einfach wieder“, sagt Julius Spindler. „Uns ging es um einen Moment, der die Entscheidung zurückgibt, statt sie zu erzwingen.“

Aus eigener Erfahrung entstanden

Die App ist also nicht als digitale Verbotskeule gedacht. Sie soll vielmehr einen kurzen Abstand zwischen Impuls und Handlung schaffen. Wer tatsächlich Instagram öffnen möchte, kann das weiterhin tun.

Zusätzlich bietet „Think First“ Fokuszeiten und Tageslimits für einzelne Apps. Es gibt auch einen sogenannten „Hard Mode“, bei dem die Vorgaben strenger durchgesetzt werden. Für erreichte Ziele sammelt der Nutzer Fortschritte in Form von Levels, Serien und Abzeichen.

Wer Freunde einbeziehen möchte, kann sich außerdem mit bis zu 50 Personen vergleichen.

Kein Konto, kein Tracking

Bei der Entwicklung haben die drei außerdem Wert auf den Datenschutz gelegt. Die App funktioniert ohne Nutzerkonto. Statistiken, Zeitpläne und Fortschritte bleiben nach Angaben der Entwickler auf dem Gerät. Werbung und Tracking gibt es ebenfalls nicht.

Eine Ausnahme bildet das optionale Freundes-Feature. Dafür werden ein Spitzname und ein Tageszähler an einen Server übertragen. App-Namen oder konkrete Nutzungszeiten werden dabei nicht übermittelt.

„Think First“ ist seit dem 9. Juli für das iPhone erhältlich und kostenlos. Voraussetzung ist mindestens iOS 17. Wer zusätzliche Funktionen nutzen möchte, kann ein Premium-Abo für 2,99 Euro im Monat abschließen.

Und damit landet die Idee der drei Schüler bei einer ziemlich aktuellen Frage: Muss man die Versuchung gleich verbieten oder reicht manchmal ein kurzer Moment, in dem man sich selbst fragt, ob man das gerade wirklich will?

Bei „Think First“ lautet die Antwort: Erst einmal nachdenken. Dann entscheiden.

Bild: HBJ-Solutions GbR

 

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