
Straße im Neubaugebiet K2.
Foto: Pfalz-Express
Kandel – Im Kandeler Neubaugebiet K2-Nordwest wächst der Unmut vieler Anwohner. In einem Schreiben an den Pfalz-Express spricht eine Interessengemeinschaft von einem „Hilferuf“ und wirft der Stadtverwaltung vor, Sicherheitsprobleme im Wohngebiet zu ignorieren. Besonders Familien würden unter zunehmendem Durchgangsverkehr leiden. Die Stadt weist die Vorwürfe jedoch deutlich zurück.
Nach Angaben der Interessengemeinschaft habe sich das ursprünglich als familienfreundliches Wohngebiet geplante Quartier seit der Freigabe der neuen Bahnbrücke zu einer „gefährlichen Transitstrecke“ entwickelt. Vor allem Pendler würden die Straßen im Neubaugebiet nutzen, um Ampeln und Bahnschranken zu umgehen. Genannt werden insbesondere Sonnenblumenweg und Veilchenweg.
Die Anwohner kritisieren zudem die bauliche Gestaltung des Gebiets. Breite Fahrbahnen ohne Verkehrsberuhigung würden Autofahrer zum schnellen Fahren verleiten. Gleichzeitig gebe es teilweise fehlende oder nur einseitige Gehwege sowie schlecht einsehbare Kurven. Dadurch werde insbesondere der Schul- und Kitaweg für Kinder gefährlich.
In ihrem Schreiben schildern die Bewohner eine aus ihrer Sicht zunehmend belastende Situation. Viele Eltern würden ihre Kinder nicht mehr alleine im Wohngebiet spielen lassen. Das jüngste Wohngebiet Kandels wirke tagsüber „wie verwaist“.
Besonders verärgert zeigt sich die Interessengemeinschaft über die Reaktion der Stadtverwaltung auf einen bereits eingereichten Handlungsaufruf samt Unterschriftenliste. Die Verwaltung habe sich dabei auf eine Verkehrszählung während der Sommerferien berufen. Diese sei aus Sicht der Anwohner jedoch nicht repräsentativ.
Gefordert werden deshalb eine neue Verkehrsmessung außerhalb der Ferienzeiten sowie kurzfristige bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung.
Ton wird schärfer
Die Interessengemeinschaft verschärft inzwischen auch juristisch den Ton. In einem weiteren Schreiben kündigen die Anwohner an, notfalls eine Klage gegen die Stadt Kandel prüfen zu lassen. Sie werfen der Verwaltung vor, Entscheidungen auf Grundlage einer aus ihrer Sicht nicht aussagekräftigen Verkehrsmessung während der Ferien getroffen zu haben.
Zudem sehen sie den Charakter des Wohngebiets gefährdet, da die Straßen ihrer Ansicht nach zunehmend als Ausweichroute für den Durchgangsverkehr genutzt würden. Wegen der aus ihrer Sicht bestehenden Gefahrenlage fordern die Anwohner kurzfristige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Fußgängern. Sollten keine Nachbesserungen erfolgen, stellen sie außerdem mögliche Schadensersatz- und Wertminderungsforderungen in den Raum.
Stadt: Von „tauben Ohren“ kann keine Rede sein
Die Stadt Kandel widerspricht der Darstellung allerdings entschieden. Stadtbürgermeister Michael Gaudier (CDU) erklärte auf Nachfrage des Pfalz-Express, die Interessengemeinschaft habe sich bereits mehrfach an die Verwaltung gewandt und auch jeweils Antworten erhalten. Von „tauben Ohren“ könne keine Rede sein.
Nach Angaben Gaudiers wurde ein Verkehrsgutachten bereits im Herbst 2025 erstellt. Die Ergebnisse seien in vergangenen Ratssitzungen bereits grob vorgestellt worden. Eine ausführliche Präsentation durch das beauftragte Büro Modus Consult sei geplant. Das Gutachten enthalte eine tatsächliche Verkehrszählung, werde von der Interessengemeinschaft jedoch offenbar nicht anerkannt.
Auch den Vorwurf angeblich falscher Versprechungen beim Grundstückskauf weist der Bürgermeister zurück. Er betont, dass sich Erschließung und Wegeführungen nie geändert hätten. Die Offenhaltung der Brücke sei ursprünglich ein Wunsch der Landwirtschaft und damaliger Grundstückseigentümer gewesen. Die Entscheidung sei demokratisch mehrheitlich getroffen worden.

Eisenbahnbrücke zwischen der Gutenbergstraße und dem K2.
Foto: Pfalz-Express
Als möglicher Termin für die öffentliche Vorstellung des Gutachtens gilt derzeit eine Stadtratssitzung im Juni. Zusätzlich werde ein Bürgerdialog vor Ort geprüft. Eine endgültige Entscheidung dazu wolle die Stadtspitze in den kommenden Tagen treffen.

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