
Lars Klingbeil
Foto (Archiv): dts Nachrichtenagentur
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil hat erstmals öffentlich über eine überstandene Krebserkrankung im Jahr 2014 gesprochen.
Gegenüber der „Zeit“ schilderte er, wie er den Krebs vor rund elf Jahren selbst an sich bemerkt und anschließend ärztliche Hilfe gesucht habe. Dass er erfolgreich behandelt werden konnte, sei ein „sehr großes Glück“ gewesen.
Seither habe er keinen Rückfall erlitten und gelte als geheilt, sagte Klingbeil. Doch die Erfahrung präge ihn bis heute: „Ich glaube, dass man ein Stück weit gelassener an Sachen rangeht.“ Dies sei ein Grund für die ruhige Art, die ihm oft nachgesagt werde. „Man blickt schon anders auf das Leben, wenn man einmal kurz vor der Klippe stand. Zungenkrebs hat sehr wenig Chancen auf eine Heilung.“
Klingbeil war nach eigener Aussage jahrelang starker Raucher. Angefangen habe er erst spät, „ich glaube mit 25, ziemlich bescheuert also“. Doch zwischenzeitlich habe sein Konsum „bei 40 Zigaretten am Tag“ gelegen. Mittlerweile sei er seit elf Jahren rauchfrei.
Sein Verhältnis zu CDU-Chef Friedrich Merz beschrieb Klingbeil als belastbar. „Wir planen jetzt beide nicht, Freunde zu werden. Darum geht es nicht. Wir wissen um die gemeinsame Verantwortung, die wir für dieses Land tragen.“
Klingbeil bescheinigte CSU-Chef Markus Söder „Respekt und Anerkennung“ für dessen Fähigkeit, in schwierigen Verhandlungssituationen „den Knoten durchgeschlagen“ zu haben. Merz und Söder hätten Kompromissbereitschaft gezeigt.
Klingbeil hat die Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU nach der jüngsten Bundestagswahl für die SPD maßgeblich geführt. Derzeit stimmt die SPD-Basis über den Koalitionsvertrag ab. Zu Kritik aus Reihen der SPD sagte Klingbeil, er könne sie „natürlich nachvollziehen“. Mehrere Juso-Landesverbände hatten unter anderem die Sozial- und Migrationspolitik des Koalitionsvertrages kritisiert. Klingbeil sagte, er wolle nicht „belehrend gegenüber den Jusos auftreten“. Trotzdem fände er eine Ablehnung der Koalition mit der Union falsch. Alternativen zu ihr müsse man „klug für sich abwägen“.
Klingbeil bezeichnete sich als überzeugten Transatlantiker. Ein voreiliges Abwenden von den USA lehne er ab. Eine Zusammenarbeit sei aktuell schwierig, dennoch sei er dafür, „auch den Republikanern die Hand auszustrecken“. Man solle nicht mit dem Schlimmsten, aber mit allen Szenarien rechnen, sagte Klingbeil.
China sei kein strategischer Partner, der die USA ersetzen könne: „Wir haben gewisse Wertevorstellungen und die sollten wir jetzt nicht über den Haufen werfen.“ Diesen Fehler habe man mit Russland gemacht. Es gebe „eine ganze Reihe von Schnittmengen“ mit China, aber letztlich müssten beispielsweise Unternehmen, die in China tätig sind, dies auf eigene Verantwortung tun. „Wenn es mit China schiefgeht“, könne man Unternehmen nicht wie im Falle Russlands retten. (dts Nachrichtenagentur)

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